Kritik an Spendenaktion «Jeder Rappen zählt»

Luzern, 18.12.11 (Kipa) Die Sammelwoche «Jeder Rappen zählt» von DRS 3, SF zwei und der Glückskette hat Spenden von gegen 6,3 Millionen Franken ergeben. Das Geld kommt gemäss den Veranstaltern Müttern in Not zugute. Doch Hilfswerke sind gar nicht erfreut über die in einer beispiellosen Kampagne von Schweizer Radio und Fernsehen (SRF) geförderte Aktion. Und die «Sonntagszeitung» wirft der Glückskette vor, Spendengelder für Betriebskosten zu verwenden.

Vom 12. bis 17. Dezember waren drei Moderatoren in einem Glashaus vor dem Kultur- und Kongresszentrum Luzern rund um die Uhr auf Sendung und sammelten Spenden für «Jeder Rappen zählt».

Am Tag danach lässt die «Sonntagszeitung» zwei Fachfrauen zu Wort kommen, die die Aktion kritisieren. Trix Heberlein, ehemalige Zürcher FDP-Ständerätin und heute Präsidentin der Stiftung Zewo, die Schweizer Hilfswerke auf ihre Transparenz hin überprüft und zertifiziert, erklärte, sie sei nicht erfreut über die Aktion: «Erstens muss jedes Hilfswerk, das ein Zertifikat will, die Kosten zur Geldbeschaffung in seiner Rechnung klar ausweisen. Die SRG gibt die Kosten nicht bekannt. Zweitens stelle ich bei `Jeder Rappen zählt` mangelnde Koordination mit den Schweizer Hilfswerken fest über die Zusammenarbeit, den Zeitpunkt und die Wahl der Themen.»

Robert Ruckstuhl, Programmleiter Radio, sagt gemäss «Sonntagszeitung»: «Der Gesamtaufwand liegt bei deutlich unter einer Million Franken, im mittleren sechsstelligen Bereich.» Die Aktion sei «sehr effizient».

Hilfswerke in Themensetzung mit einbeziehen

Annemarie Huber-Hotz, ehemalige Bundeskanzlerin und heute Präsidentin des Rotkreuzrates, ist gemäss «Sonntagszeitung» im Namen der Konferenz der Präsidenten der grossen Hilfswerke (KPGH) bei SRF vorstellig geworden. Die KPGH, in der 22 Organisationen vertreten sind, solle künftig in die Themensetzung einbezogen werden, so ihre Forderung. Und: «Wenn SRF schon so eine geballte Multimedia-Sendung veranstaltet, dann sollten die Hilfswerke künftig mehr Präsenz erhalten,» so Huber-Hotz. Und: «Wer tatsächlich via Glückskette Geld erhält, ist zu wenig transparent.»

Die Glückskette hat zudem laut «Sonntagszeitung» 2010 einen Verlust geschrieben und deshalb Reserven aufgelöst. Spendengelder, darunter 200.000 Franken von «Jeder Rappen zählt», seien zur Deckung der Betriebskosten verwendet worden.

Immer wieder Kritik von Hilfswerken

Die Aktion wird von Hilfswerken immer wieder kritisiert. Der grosse mediale Aufwand in Radio und Fernsehen führe zu einem steigenden Werbedruck, wie etwa Pro Infirmis schon im Vorfeld beklagte, und das in der Weihnachtszeit, in der Nonprofit-Organisationen einen grossen Teil ihrer Spenden erhalten würden. Ein Vertreter von «Ärzte ohne Grenzen» sprach gar vom Missbrauch des Machtmonopols von SRF, denn niemand anders könne eine solche Kampagne fahren. Letztlich, so Experten, führe das zu mehr Werbeausgaben – Geld, das dann bei der konkreten Hilfe fehle.

Weniger erfolgreich dieses Jahr

Ziel der Spendenaktion «Jeder Rappen zählt» 2011 ist, Müttern in Kriegsgebieten und Entwicklungsländern eine bessere Zukunft zu ermöglichen. Die Aktion ist mit knapp 6,3 Millionen Franken bis zum Ende der Spendenwoche nicht so erfolgreich wie letztes Jahr. 2010 waren bis zum Ende der Sammelwoche fast 9 Millionen Franken für Kinder als Opfer von Kriegen und Konflikten zusammengekommen.

Spenden bei der Glückskette sind weiterhin möglich.

(kipa/arch/pem)

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