Matthias Wenk.
Schweiz

Konversion: Katholische Kirche in St. Gallen verliert Matthias Wenk

Seit elf Jahren arbeitet der Seelsorger Matthias Wenk (48) für das Bistum St. Gallen, zurzeit noch als Cityseelsorger. Doch der Theologe – den viele wohl auch als SRF-Radioprediger kennen – verlässt die katholische Kirche. Ab April wird er für die evangelisch-reformierte Kirche tätig sein.

Barbara Ludwig

Der Schritt – die Konversion zur «Schwesterkirche» –  sei «aussergewöhnlich», teilen die Katholische Kirche im Lebensraum St. Gallen und die reformierte Kirche St. Gallen Centrum am Dienstag in einem gemeinsamen Communiqué mit. Matthias Wenk werde ab April als Seelsorger in der evangelisch-reformierten Kirchgemeinde St. Gallen Centrum tätig sein. Durch die dortige Kirchenvorsteherschaft ist er zum Pfarrstellvertreter gewählt worden.

Von der katholischen zur reformierten Cityseelsorge

Wenk werde zudem ein Teilpensum in der neu geschaffenen reformierten Cityseelsorge übernehmen. Das passt zum Werdegang des 48-Jährigen. Wenk arbeitet seit elf Jahren für das Bistum St. Gallen, in den vergangenen sechs Jahren war er in der katholischen Cityseelsorge tätig.

Institutiofeier im Jahr 2016: Matthias Wenk, rechts neben dem St. Galler Bischof Markus Büchel.
Institutiofeier im Jahr 2016: Matthias Wenk, rechts neben dem St. Galler Bischof Markus Büchel.

«Grosser Verlust»

Die katholische Kirche lässt den bekannten Seelsorger nur ungern ziehen. «Wir bedauern seinen Schritt sehr», wird Sonja Gemeinder in der Mitteilung zitiert. Sie ist Präsidentin des katholischen Kirchenverwaltungsrates.

Matthias Wenk habe viel für die katholische Kirchgemeinde St. Gallen geleistet, heisst es würdigend. «Er war innovativ und probierte mit Verve neue Formate aus. Für die katholische Kirche im Lebensraum St. Gallen ist sein Wechsel ein grosser Verlust.»

Erfahrung in Ökumene

Wenk hat grosse Erfahrung in der praktisch gelebten Ökumene: Seine seelsorgerliche Tätigkeit hatte er nämlich in der ökumenischen Gemeinde Halden begonnen. Dort lebt man seit 50 Jahren eine enge katholisch-reformierte Gemeinschaft. Die Gottesdienste sind allesamt ökumenisch gestaltet. Gegenüber kath.ch sagte Wenk 2021, in der Halden-Kirche wisse man nicht, «wer reformiert oder katholisch ist».

Ökumenisch unterwegs: Matthias Wenk mit Pfarrerin Andrea Weinhold anlässlich einer Camper-Segnung in St. Gallen, 2022.
Ökumenisch unterwegs: Matthias Wenk mit Pfarrerin Andrea Weinhold anlässlich einer Camper-Segnung in St. Gallen, 2022.

Mit «Strukturen» der römisch-katholischen Kirche gerungen

Doch nun verlässt der Theologe die römisch-katholische Kirche und konvertiert zur evangelisch-reformierten Kirche. Seinen Entscheid habe er sich nicht leicht gemacht, heisst es in der Mitteilung. Wenk betone, dass er gute Erfahrungen gemacht habe mit der katholischen Kirche im Lebensraum St. Gallen und dankbar sei für die wertvolle Zusammenarbeit. Seit längerem aber habe er mit den Strukturen der römisch-katholischen Kirche gerungen. Und, so Wenk in der Mitteilung: «Die katholische Kirche in St. Gallen ist eben auch Teil dieser Struktur.»

Gewissensentscheidung

Seine Konversion sei eine Gewissensentscheidung: Er wolle als Seelsorger und Theologe im Dienst der Menschen stehen. «In der evangelisch-reformierten Kirche kann ich das mit gutem Gewissen und glaubwürdig tun», wird Wenk in der Mitteilung zitiert.

Engagement für Reformen

Wenk hatte sich auch für Reformanliegen eingesetzt. So engagierte er sich in der – unterdessen aufgelösten – St. Galler Reformbewegung «Reformen jetzt». Diese hatte sich im Nachgang zur 2023 publizierten Pilotstudie über Missbrauch in der katholischen Kirche Schweiz gebildet.

Matthias Wenk dürfte über die Region St. Gallen hinaus bekannt sein. Er ist seit 2019 SRF-Radioprediger.

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Matthias Wenk. | © zVg
22. Januar 2025 | 17:00
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