Luciano Xavier dos Santos und seine Kathedralen
Schweiz

Knacknuss Köln: Mit Zahnstochern auf den Spuren der Kathedralen

Die Kathedrale in Lausanne beherbergt die Ausstellung «Gotik! Die Zeit der grossen Kathedralen». Rund zwanzig Kathedralen im Massstab 1:200 des Künstlers Luciano Xavier dos Santos sind bis zum 13. Juni zu sehen.

Grégory Roth / Adaption: Georges Scherrer

Nachgebildet ist unter anderem die prächtige Kathedrale von Mailand. Sie ist aus Streichhölzern geformt. Jene von Lausanne hat der Künstler aus Lego zusammengestellt.

«Das schönste Kompliment, das man meiner Arbeit machen kann? Die Tatsache, dass jemand die echten Kathedralen entdecken will, nachdem er meine Modelle gesehen hat», erklärt Luciano Xavier dos Santos vor seinen Werken, die im Wandelgang der Kathedrale in Lausanne ausgestellt sind.

Die Liebe zur Gotik

Luciano Xavier dos Santos wurde 1984 in Espírito Santo, Brasilien, geboren. Er absolvierte eine Ausbildung zum Zeichner und machte seinen Abschluss an einer Kunstschule. Er studierte auch Kunstgeschichte und entdeckte dabei den gotischen Stil.

Luciano Xavier dos Santos zeigt die Kathedrale Freiburg
Luciano Xavier dos Santos zeigt die Kathedrale Freiburg

Seit 2014 ist Luciano Xavier in Freiburg ansässig. 2016 baute er sein erstes Modell: Notre-Dame de Paris. Er benötigte zwei Monate für die Realisierung seines Ziels. Unter anderem prüfte er verschiedenen Materialien. Er teste sie zum Beispiel auf ihre Beständigkeit. Seine Wahl fiel auf Pappe und Holz.

Akribische Detailarbeit

Die Struktur und die Oberflächen sind aus Pappe gefertigt. Die Detailelemente gestaltete er mit Streichhölzern, Spiessen und Zahnstochern aus.

«Die Modelle sind alle im gleichen Massstab gehalten, so dass die Besucher die Grösse der Gebäude miteinander vergleichen können», sagt der Modellbauer.

Mailand und Köln

«Mailand und Köln sind die beiden Kathedralen, die mir angesichts der Menge an Strebepfeilern und Statuen die meiste Mühe abverlangten. Die Kathedrale von Amiens in Frankreich ist mein Liebling. Aber sie alle haben eine besondere Geschichte», sagt Luciano Xavier dos Santos.

Die Geschichte beginnt mit dem Tag, an dem er die ausgewählte Kathedrale erstmals besucht. Die Geschichte endet dann, wenn das Modell fertiggestellt ist.

Die Vollendung eines Projekts bezeichnet der Künstler als seine grösste Herausforderung. «Ein Werk zu beenden, braucht Zeit. Das entspricht nicht unserem Zeitgeist. Heute muss alles unmittelbar umgesetzt werden».

Der Mailänder Dom

Die Ausstellung in Lausanne zeigt auch Modelle aus Lego des Künstlers Patrick Graber. Er ist auf Madonnen spezialisiert.

Im südlichen Querschiff steht stolz der riesige Dom von Mailand im Massstab 1:50. Er ist aus zwei Millionen Streichhölzern hergestellt.

Der Mailänder Dom aus Streichhölzern von Albert Schenk.
Der Mailänder Dom aus Streichhölzern von Albert Schenk.

Dieses Werk, für das der Waadtländer Albert Schenk zwanzig Jahre brauchte, wurde in den 1950er Jahren fertiggestellt.

Die Werke von Luciano Xavier dos Santos gehen auch auf Wanderschaft. Im Herbst 2021 sollen sie in der Abtei St-Maurice im Wallis ausgestellt werden. Im Jahr 2022 reist die Ausstellung nach Beauvais in Frankreich. Eine Ausstellung in Köln ist vorgesehen. (cath.ch/gs)


Luciano Xavier dos Santos und seine Kathedralen | © Grégory Roth
2. Juni 2021 | 14:12
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