Rosmarie Weber
Schweiz

«Schweizweit mit einer Stimme sprechen»: Neuer Dachverband für Missbrauchsopfer

Die drei Betroffenenorganisationen Sapec, IG Miku und Gava haben den nationalen Dachverband Samiga gegründet. Er soll die Interessen von Betroffenen kirchlichen Missbrauchs schweizweit vertreten und sich für einheitliche Schutzstandards einsetzen.

Wolfgang Holz

Der etwas sperrig klingende Name Samiga setzt sich aus den jeweils ersten beiden Buchstaben der drei bestehenden Gründungsorganisationen zusammen. Mit der Gründung von Samiga wollen die drei Organisationen eine stärkere nationale Interessenvertretung schaffen, ohne auf die bewährte persönliche Begleitung von Betroffenen in den drei Sprachregionen zu verzichten, wie es in einer Medienmitteilung heisst.

Betroffene von Missbrauch im kirchlichen Umfeld sollen unabhängig von ihrem Wohnort in der Schweiz gleichwertige Unterstützung und wirksamen Schutz erhalten. Mit diesem Ziel haben die drei Betroffenenorganisationen Sapec aus der Westschweiz, IG Miku aus der Deutschschweiz und Gava aus dem Tessin bereits am 12. Oktober den nationalen Dachverband Samiga gegründet.

Westschweizer Organisation war die erste

Der Westschweizer Verein Sapec, gegründet im Jahr 2010, ist bekanntlich die älteste Betroffenenorganisation hierzulande. 2021 folgte die IG Miku in der Deutschschweiz. Und zuletzt wurde im Dezember 2024 die Tessiner Organisation Gava ins Leben gerufen.

«Was klein begann, ist in der Zwischenzeit so gross geworden, dass es nicht mehr ausschliesslich durch Freiwilligenarbeit abgedeckt werden kann.»

Diese drei Organisationen haben für die Gründung des nationalen Dachverbands Beihilfe von Seiten der Römisch-Katholischen Zentralkonferenz der Schweiz (RKZ). Die RKZ-Plenarversammlung hat an ihrer Tagung vom 26. und 27. Juni in Zürich beschlossen, das Projekt mit einer Starthilfe zu unterstützen. Die Betroffenenorganisationen waren demnach mit einem gemeinsamen Gesuch an die RKZ gelangt.

Anforderungen deutlich gestiegen

«Was klein begann, ist in der Zwischenzeit so gross geworden, dass es nicht mehr ausschliesslich durch Freiwilligenarbeit abgedeckt werden kann», erklärt Rosmarie Weber, Vizepräsidentin der IG Miku und Mitglied des Lenkungsausschusses von Samiga, auf Anfrage von kath.ch. Die Geschäftsleitung von Samiga werde die einzelnen Vereine entlasten, so dass sich diese wieder stärker auf ihre Kernaufgabe, die Betreuung und Begleitung betroffener Menschen, konzentrieren könnten.

Die Anforderungen an die Betroffenenorganisationen seien in den vergangenen Jahren deutlich gestiegen. Neben der Begleitung von Betroffenen gewännen übergreifende Aufgaben wie Interessenvertretung, Öffentlichkeitsarbeit und Vernetzung zunehmend an Bedeutung.

«Die Betroffenen-Vereine werden heute deutlich mehr zur Kenntnis genommen.»

Der Dachverband will die Interessen von Betroffenen schweizweit vertreten und ihre Perspektiven stärker in gesellschaftliche, kirchliche und politische Prozesse einbringen. Zudem setzt er sich für die Stärkung ihrer Rechte und ihres Schutzes sowie für einheitliche und verbindliche Standards im Umgang mit Missbrauch ein. Diese sollen unabhängig davon gelten, in welcher Region der Schweiz die Betroffenen leben.

«Die Betroffenen-Vereine werden heute deutlich mehr zur Kenntnis genommen und sind Ansprechpartner in Kirche und Gesellschaft geworden. Umso wichtiger ist es, schweizweit mit einer Stimme zu sprechen, sich Aufgaben zu teilen, Synergien zu nutzen», sagt Rosmarie Weber.

Sitz in Bern

Sapec, IG Miku und Gava bleiben dabei als eigenständige Organisationen bestehen. Die direkte, unabhängige und kostenlose Unterstützung und Begleitung von Betroffenen wird weiterhin von freiwillig Engagierten in den jeweiligen Sprachregionen geleistet. Die persönliche Begleitung in einem vertrauten Umfeld bleibe für viele Betroffene von zentraler Bedeutung, betonen die Organisationen. Während die regionalen Stellen diese Unterstützung sicherstellen, übernimmt Samiga die übergreifenden Aufgaben auf nationaler Ebene.

Eine gemeinsame Geschäftsstelle mit Sitz in Bern soll dafür die nötigen Strukturen schaffen und die drei regionalen Organisationen entlasten. Die Geschäftsführung hat Anna Suppa bereits am 1. August 2026 übernommen. Samiga wird gemeinsam von den drei Gründungsorganisationen getragen und gesteuert. Sapec, IG Miku und Gava sind gleichberechtigt im Lenkungsausschuss vertreten und bestimmen gemeinsam die inhaltliche Ausrichtung des Dachverbands.

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Der Aufbau und Betrieb der Geschäftsstelle werden durch Beiträge von Stiftungen und kirchlichen Institutionen sowie durch eigenes Fundraising finanziert. Die unabhängige Vertretung der Anliegen von Betroffenen sei dabei ein zentraler Grundsatz, heisst es in der Mitteilung.

«Unsere Kooperationsvereinbarung bildet die Grundlage der Zusammenarbeit», fasst Rosmarie Weber zusammen. Der Lenkungsausschuss lege die strategische Ausrichtung des Dachverbands fest, während die Geschäftsleitung beratend mitwirke und die gefassten Beschlüsse operativ umsetze. «So schafft Samiga Synergien, bündelt die Kräfte und fördert die gegenseitige Unterstützung, ohne die Eigenständigkeit der Organisationen einzuschränken oder zu konkurrenzieren.»


Rosmarie Weber | © Regula Pfeifer
28. Oktober 2026 | 17:00
Lesezeit : ca. 2  Min.
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