Kloster Mariastein weiht den neuen Vorplatz mit 4200 Quadratmetern Naturstein ein
Sieben Jahre sind seit den ersten Planungen vergangen – nun wurde jüngst der Vorplatz des Klosters Mariastein bei Basel mit einem Festtag für die Öffentlichkeit eingeweiht. Wo früher im Minutentakt Autos und Busse Parkplätze suchten, sollen nun Sitzsteine, Wasserflächen, Stilleoasen und Spielplätze einen Ort der Gemeinschaft und Begegnung schaffen. Architektonisch setzt der Platz die Basilika in den Mittelpunkt und den neuen Zugang zur Gnadenkapelle im Fels unter dem Kloster.
Boris Burkhardt
Mit Weihrauch und Weihwasser segnet der Benediktiner-Abt Ludwig Ziegerer das neue Steinrelief des Gnadenbilds der Maria im Stein. Es ist an der Wand vor dem neuen Eingang zur Gnadenkapelle des Klosters Mariastein bei Basel angebracht. Die Mönche und versammelten Gäste singen zusammen das «Mariasteiner-Lied»; Abt Ziegerer zündet eine der kleinen Gebetskerzen an. Abgesehen von der Eucharistiefeier in der Klosterbasilika am Morgen war dies die einzige religiöse Handlung am vergangenen Samstag, als das Kloster Mariastein mit der Bevölkerung und offiziellen Gästen die Einweihung des neuen Klostervorplatzes feierte.
3,2 Millionen Franken an Spenden
Denn die Umgestaltung wurde massgeblich mitgetragen von politischer Hand; die Festreden hatten politischen Charakter. 6,2 Millionen Franken kostete der Umbau insgesamt: Der Kanton Solothurn übernimmt 2,4 Millionen davon, die Kantone Baselland und Basel-Stadt jeweils 100’000 Franken. 3,2 Millionen Franken musste das Kloster selbst mithilfe von Spenden aufbringen.
«Viele fragen uns: Warum gebt ihr soviel Geld für den Platz aus?», nahm Abt Ziegerer deshalb gleich zu Beginn seiner Rede vor mehreren 100 Gästen und Passanten eine oft vorgebrachte Kritik auf: «Ganz einfach: Weil es nötig war.» Seit 400 Jahren werde in diesem Kloster «ständig gebaut und weiterentwickelt». Scherzhaft meinte er: Das Siglum OSB für den Benediktinerorden (Ordo Sancti Benedicti) interpretierten die Menschen in Mariastein als «Oh, sie bauen!»
Sieben Jahre sind seit den ersten Planungen bis zur Einweihung vergangen. «Heute ist ein Tag grosser Dankbarkeit für uns Benediktinermönche in Mariastein», sagte Ziegerer deshalb.
«Freundlich, einladender Platz»
Der enge, langgezogene Vorplatz der Klosterbasilika habe «nicht länger ein Verkehrsknotenpunkt mit Parkplätzen für Autos und Busse» sein sollen sondern ein «freundlicher, einladender Platz». Nur mit den vereinten Kräften von Behörden, Baugewerbe, Spendern und Anwohnern sei das Projekt der Neugestaltung umsetzbar gewesen.
«Machen Sie Sich selbst ein Bild, ob sich die Investition gelohnt hat», lud Ziegerer die Besucher ein. Als nur eines von vielen Details, die es zu entdecken gelte, nannte er den Spiegelbrunnen, in dessen Wasser sich die Fassade der Basilika spiegle. Die Architektinnen Katharina Ehrenklau und Julia Hemmerling vom Zürcher Atelier Ehrenklau Hemmerling hatten 2020 den Gestaltungswettbewerb gewonnen.
Fast vollständig mit Natursteinen
Die rund 4200 Quadratmeter des eigentlichen Platzes wurden fast vollständig mit Natursteinen gepflastert. Laut Mariano Tschuor, Leiter des Projekts «Aufbruch ins Weite – Mariastein 2025» ist Stein in Mariastein «mehr als nur Material». «Wir gehen in den Stein», heisse es vor Ort mit Blick auf die Gnadenkapelle im Felsen unterhalb des Klosters: «Und genau dieses Motiv prägt die Anlage.» Natursteinflächen, Mauern und gezielt gesetzte Leitsteine verwiesen auf das Unsichtbare: das Heiligtum im Innern des Felsens.
Grosse Steine auf dem Platz dienen als Sitzgelegenheit; Bäume und Wasserquellen lockern den Steinbelag auf. Auch in den drei Seitenräumen zwischen den Gebäuden, die den Platz säumen, wurden die Parkplätze entfernt. Stattdessen befinden sich dort nun ein Spiel- und Picknickplatz, ein Hortus conclusus als Oase der Stille sowie das Forum, ein offener Pavillon, unter dem Abt Ziegerer seine Rede hält und der zukünftig als Ort für Freiluftvorträge und -konzerte dienen soll. Für die Öffentlichkeit zugänglich ist nun auch der Abteihof mit Platanen und Sitzbänken.
«Zum Hause des Herrn wollen wir wandeln»
Parkplätze für Menschen mit Behinderung sind weiterhin in unmittelbarer Nähe des Klosters angelegt; alle anderen Autos und Cars müssen aber nun auf dem neuen Pilgerparkplatz mit 200 Parkfeldern wenige Gehminuten vom Kloster entfernt parkiert werden. «Ad domum Domini ibimus – Zum Hause des Herrn wollen wir wandeln» ist als Zitat aus dem Psalm 122 am Beginn des Platzes in Stein gemeisselt. Der unmittelbare Vorplatz der Basilika wurde 1997 vom Basler Bildhauer Ludwig Stocker geschaffen und nicht verändert.
Das Kloster Mariastein sei ein beliebtes Pilger- und Ausflugsziel, weil es Weite ausstrahle, sagt Ziegerer: «Von hier sieht man ins Elsass, nach Südbaden, nach Solothurn und Basel und in den Jura. Hier spürt man, dass man Teil eines grossen Kulturraums ist.» Der neue Platz sei eine «Entwicklung der Basilika in den öffentlichen Raum hinein». Für die Zukunft des Klosters sei nicht die oft gestellte Frage entscheidend, wie viele Mönche noch hier lebten (derzeit sind es zwölf), sondern, «wozu die Klöster da sind». Das Kloster Mariastein wolle mit dem Platz «sinnvolle Gemeinschaft, würdige Tiefe und Glaubwürdigkeit» stiften.
Myriam Frey Schär, Kantonsratspräsidentin des Kantons Solothurn, in dessen Bezirk Dorneck das Kloster als Baselbieter Enklave liegt, bestätigte am vergangenen Samstag die Argumentation des Abtes: Als die Benediktinermönche nach der Säkularisation des Klosters 1875 im Jahr 1971 auf Beschluss des Kantonsrats offiziell die Abtei wiedererrichtet hätten, hätten sie in den Gebäuden «ein erhebliches Restaurationsbedürfnis» festgestellt: «Sie bauen seit Jahrzehnten.»
Integrativ und identitätsstiftend
Das Kloster Mariastein sei integrativ und identitätsstiftend. Deshalb hätten die Kantonsräte aus der Amtei Dorneck-Thierstein ihre Ratskollegen von der Notwendigkeit überzeugt, dass sich der Kanton finanziell an der Umgestaltung beteiligen müsse: «Der Weg ist nun frei für den nächsten Schritt, um Mariastein als touristische Destination für Kultur und Religion zu erhalten.»
Auch die Gemeindepräsidentin der Standortgemeinde Metzerlen-Mariastein, Marianne Frei, findet: «Der Platz wurde nicht neu erfunden sondern weiterentwickelt.» Der Umbau sei «ein Bekenntnis zur Zukunft des Wallfahrtortes» und «mit Mut und Respekt vor dem Bestehenden» umgesetzt worden. Die Gemeinde beteiligt sich deshalb mit 250000 Franken an den Baukosten. «Der Platz hat mich mein ganzes Leben lang begleitet», sagt Frei: «Er war für mich immer ein Stück Zuhause.»
Die Gemeinde habe den Platz bereits 2023 in einem Konzessionsvertrag an das Kloster abgetreten, ergänzt Frei: «Zur Konzession gehört, dass er immer öffentlich zugänglich und ein Ort der Begegnung sein soll.» Die Gemeindepräsidentin kann sich durchaus vorstellen, den Platz künftig auch für Anlässe wie den Ersten August zu nutzen und ihn Vereinen zur Verfügung zu stellen.
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