Asylbewerber und Personal des Grenzwachcorps am Zoll in Chiasso TI | © 2015 KEYSTONE/TI-PRESS/Benedetto Galli
Schweiz
Asylbewerber und Personal des Grenzwachcorps am Zoll in Chiasso TI | © 2015 KEYSTONE/TI-PRESS/Benedetto Galli

Kirchenvertreter zu Migrationscharta: «Unzählige Engagements der Kirchen!»

Zürich/Freiburg i.Ü., 28.8.15 (kath.ch) Diese Woche lancierten über 100 Theologinnen und Theologen eine Migrationscharta. Darin fordern sie unterm anderem die Schweizer Bischofskonferenz (SBK) und die Landeskirchen auf, sich dezidierter für eine menschwürdigere Migrationspolitik einzusetzen. Die SBK und die Römisch-Katholische Zentralkonferenz (RKZ) halten dem entgegen, dass sich die Kirchen bereits stark für Migranten engagieren.

Die Kirchen «sind zu schärfstem Protest und zum Vorlegen eigener Vorschläge gedrängt», schreiben die Theologinnen und Theologen in der Charta, die am Mittwoch, 26. August, lanciert wurde. Die Kritik richte sich an die Schweizer Bischofskonferenz (SBK), den Schweizerischen Evangelischen Kirchenbund (SEK) und die Landeskirchen, sagte Mit-initiant Andreas Nufer gegenüber kath.ch. Gefordert wurde unter anderem eine vehementere Stellungnahme.

Die SBK und die RKZ erinnern in ihrer Antwort auf diese Kritik beide daran, dass Abt Joseph Roduit in seiner diesjährigen 1. August-Botschaft im Namen der Bischofskonferenz an die Schweiz appelliert habe, dass die Schweiz ein aufnahmebereites Land bleiben müsse. Er belegte seine Forderung mit Zitaten aus dem Matthäus-Evangelium. Walter Müller, Sprecher der SBK, erinnert in seiner Antwort auf die Anfrage von kath.ch an die vielen Engagements zugunsten von Migranten in der katholischen Kirche: «Ungezählt sind die Bemühungen und Anstrengungen, um schutzsuchenden Migranten zu helfen, sei es von den Bischöfen, Äbten, Männer- und Frauenklöstern und -kongregationen, Pfarreien, katholischen Hilfswerken bis hin zu einfachen katholischen Laien.» Er nennt als Beispiel die Initiative von Charles Morerod, Bischof von Lausanne-Genf-Freiburg, eine Liegenschaft des Bistums zu einer Unterkunft für Asylsuchende zu machen. Die Gemeindebehörden seien indes dagegen.

Charta als Beitrag zu Lösungen im Asylbereich

Auch Daniel Kosch erinnert in seiner Funktion als Generalsekretär der RKZ daran, dass sich die katholische Kirche auf allen Ebenen – «in Pfarreien und Solidaritätsgruppen über die Hilfswerke (z.B. Caritas) und die Bistümer bis zu Papst Franziskus» – in der Migrationsfrage stark engagiere.

In seiner Antwort an kath.ch hält Kosch jedoch fest, dass die RKZ keinen Auftrag habe, in diesem Bereich aktiv zu werden oder finanzielle Mittel bereitzustellen, daher könne sie auch nicht direkt zu den Forderungen der Charta Stellung nehmen. Kosch hofft aber, «dass sie als Beitrag zur Suche nach Lösungen im Bereich der Migrationspolitik aufgefasst wird, die sich an den elementaren Prinzipien der Menschenwürde, der Gerechtigkeit und der Solidarität mit den Notleidenden orientieren.»

Marina Kaempf, Sprecherin des Schweizerischen Evangelischen Kirchenbundes (SEK) sagte am Dienstag, 25. August, gegebüber der NZZ, einEngagement für Flüchtlinge sei oft unspektakuläre Knochenarbeit. So beschäftige der Kirchenbund einen Beauftragten für Migration und überweise jährlich eine Million Franken an das Hilfswerk Heks, um den Rechtsschutz für Flüchtlinge zu verbessern. Zudem kümmerten sich in den Empfangszentren Seelsorger um Asylsuchende, sagt Kaempf. «Wir sind überzeugt, dass man mit einem solchen Engagement am ehesten Früchte ernten kann.» SEK-Präsident Gottfired Locher war für eine Stellungnahme nicht zu erreichen. Die angefragten katholischen kantonalen Landeskirchen haben bislang aus zeitlichen Gründen noch nicht Stellung nehmen können zu den Forderungen. (sys)

Offene Grenzen für alle – Über 100 Theologen lancieren Migrationscharta.

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