Blick ins Kirchenschiff - die Orgel wurde durch den Brand zerstört.
Schweiz

Kirchenratspräsident nach Brand: «Zum Glück wurde nicht alles zerstört»

Nach dem Brand in der katholischen Kirche in Hofstetten SO sind viele Fragen offen. Die Kirche bleibt gesperrt, bis die Brandermittlungen abgeschlossen sind. Nicht immer können Kirchenbrände restlos geklärt werden, wie ein Fall von 2021 zeigt.

Ueli Abt

«Es ist schlimm, die Orgel ist zerstört», sagt der neue Kirchenratspräsident Gustav Ragettli. Sein Amt hat er per 1. Januar angetreten. Wenige Tage später muss er bereits eine ausserordentliche Situation meistern. Die Orgel sei ein wirklich hochwertiges Instrument gewesen. Eine gleichwertige Orgel koste nach aktueller Schätzung 700’000 Franken. Der Verlust sei auch für den Kirchenchor schlimm. «Es war ein Super-Exemplar. Das ist ein herber Verlust.»

Altar intakt

Immerhin: Bei einer Besichtigung nach dem Brand habe er aber auch positive Gefühle gehabt. «Es wurde nicht alles zerstört», wurde ihm klar. In der Sakristei, wo die wertvollen Gegenstände aufbewahrt sind, sei alles erhalten geblieben. Ebenso sei der Altar intakt, wie auch diverse Statuen aus Holz – Darstellungen der heiligen Barbara, der heiligen Katharina sowie der vier Evangelisten.

Statuen in Sicherheit gebracht

Einzelne Statuen habe die Feuerwehr in Sicherheit bringen können. «Zum Glück wurde der Brand relativ rasch entdeckt», sagt Ragettli. Wer den Brand gegen halb sechs an Silvester gemeldet habe, gebe die Polizei nicht bekannt.

Die katholische Kirche in Hofstetten - vor dem Brand.
Die katholische Kirche in Hofstetten - vor dem Brand.

Ragettli geht davon aus, dass das Feuer im Eingangsbereich unter der Empore entstand, unterhalb der Kirchenorgel also. Die Verwüstung der Weihnachtskrippe vorne in der Kirche sei «eine andere Geschichte», wie Ragettli sagt. «Das war eindeutig Vandalismus.» Es seien auch Christbäume umgekippt worden. Diese seien aber nicht auch noch in Brand geraten.

Das ist passiert:

In der katholischen Kirche in Hofstetten im Kanton Solothurn brannte es am vergangenen Freitag, dem Silvesterabend. Die Meldung über den Brand ging bei der Kantonspolizei Solothurn kurz vor halb sechs ein. Laut einer Mitteilung der Polizei waren die Feuerwehr Hofstetten-Flüh sowie weitere Feuerwehren der Region im Einsatz und löschten den Brand. Durch Feuer, Hitze, Russniederschlag und Löschwasser seien massive Schäden entstanden. Was die Bausubstanz betrifft, so sei vor allem die Empore beschädigt worden, sagt der neue Kirchenratspräsident Gustav Ragettli gegenüber kath.ch.

Beim Löschen hatten die Feuerwehrleute mit einer Öffnung im Dach erreicht, dass der Rauch abziehen konnte. Diese Öffnung wieder zu schliessen, sei Aufgabe eines Dachdeckers und inzwischen bereits erfolgt.    

Die Polizei hatte die Bevölkerung aufgerufen, allfällige Beobachtungen rund um den Vorfall zu melden. Ob inzwischen Meldungen eingetroffen seien, war vorerst nicht zu erfahren. (uab)

Brände in Kirchen können verschiedene Ursachen haben, wie ein paar Fälle aus den vergangenen Jahren zeigen.

Im April 2007 konnte ein Brand in der katholischen Kirche Strengelbach AG nach kurzer Zeit geklärt werden. Zwei Knaben im Alter von sechs und neun Jahren hatten laut einer Meldung der Nachrichtenagentur sda das Feuer verursacht. Dabei war beträchtlicher Sachschaden in der Höhe von mehreren zehntausend Franken entstanden. Unter anderem war eine Puppengruppe, die den Leidensweg Christi zeigte, in Brand geraten.

Tuch über Heizung fängt Feuer

Im Fall des Brandes in der reformierten Kirche in Brunnen im Oktober 2018 war schlicht ein Versehen die Ursache: Ein Dekorationstuch war in Flammen geraten, weil es unbedacht über eine Fensterheizung gelegt worden war. Als die Heizung eingeschaltet wurde, fing der Stoff Feuer, schmelzender Kunststoff setzte darauf Täfer und weiteres Material in Brand. Da die Abwärtin den Brand schnell entdeckte, blieb der Sachschaden in Grenzen. Durch die Rauchentwicklung war aber immerhin ein Schaden von rund 90’000 Franken entstanden. Laut einem Bericht des «Boten der Urschweiz» hätte ein Millionenschaden entstehen können, wäre der Brand erst später entdeckt worden.

Satanist wird verurteilt

In einem Fall aus dem Kanton Aargau war böse Absicht im Spiel. Ein 21-jähriger Satanist hatte den Brand in der katholischen Kirche Peter und Paul im November 2004 gelegt. Gemäss einer Meldung der sda hatte der Anhänger eines Satanisten-Zirkels den Beichtstuhl in Brand gesteckt und ausserdem mit einem schwarzen Lippenstift Symbole des Satanismus sowie christusfeindliche Schriften neben dem Holzkreuz, auf einem Glasbild und auf dem Altartuch angebracht und einen Beichtstuhl in Brand gesteckt. Im Rahmen eines Prozesses musste er sich für weitere Straftatbestände verantworten. Er wurde zu einer Haftstrafe von drei Jahren verurteilt.

Staatsanwaltschaft stellt Verfahren ein

Nicht immer wird aber schliesslich im Detail klar, wie es zum Feuer in der Kirche kam. So etwa im Fall des Kirchenbrands in Steinach SG im Januar 2021.

In der Kirche entstand ein Feuer im Altarbereich. Gemäss St. Galler Tagblatt wurden Ambo, Altar und eine Weihnachtskrippe komplett zerstört. Brandstiftung könne nicht ausgeschlossen werden, hiess es zunächst seitens der Polizei.

Ein Verbrechen war es allerdings nicht: Im April 2021 wurde bekannt, dass der Brandfall gerichtlich nicht weiter untersucht wird. Es liege keine strafrechtlich relevante Dritteinwirkung vor, hatte die Staatsanwaltschaft damals laut einem Bericht des  St. Galler Tagblatts mitgeteilt. Zwischenzeitlich fanden Gottesdienste im Kirchgemeindehaus statt. Die Kirche blieb während fünf Monaten für Reinigungs- und Reparaturarbeiten geschlossen – in der Kirche konnten erst wieder ab Mitte Juni Gottesdienste stattfinden.


Blick ins Kirchenschiff – die Orgel wurde durch den Brand zerstört. | © Screenshot / Tele M1
3. Januar 2022 | 18:01
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