Umweltenzyklika von Papst Franziskus (Buchcover) | © 2015 Benno-Verlag
Ausland
Umweltenzyklika von Papst Franziskus (Buchcover) | © 2015 Benno-Verlag

Kirchenhistoriker Wolf sieht Umwelt-Enzyklika als Wendepunkt

München, 22.6.15 (kath.ch) Der Kirchenhistoriker Hubert Wolf hat die Umwelt-Enzyklika «Laudato si» von Papst Franziskus als «grossen Wurf» gewürdigt. Das am Donnerstag, 18. Juni, veröffentliche Dokument läute eine neue Phase ein, schreibt der Münsteraner Theologe in der «Süddeutschen Zeitung» (22. Juni): «Jetzt lernt die katholische Kirche von der Naturwissenschaft.» Zudem gälten in der Enzyklika «zuerst Argumente statt blosser Gehorsam gegenüber der kirchlichen Autorität».

Zu Zeiten Galileo Galileis habe sich das kirchliche Lehramt für alle wissenschaftlichen Disziplinen zuständig erklärt, so Wolf weiter. Papst Franziskus betone nun, dass die katholische Kirche zuhören und eine ehrliche Debatte zwischen den Wissenschaften fördern müsse. Auch habe er sein Lehrschreiben nicht ausschliesslich an innerkirchliche oder katholische Kreise gerichtet, sondern «an alle Menschen guten Willens», so Wolf. Damit mache der Papst deutlich, dass die globalen Umweltprobleme «nur von allen Menschen zusammen gelöst werden können».

Auswirkung auf Familiensynode?

Nach Einschätzung Wolfs könnte «Laudato si» einen Wendepunkt darstellen, wenn der Papst diese Prinzipien «allgemein zur Grundlage der kirchlichen Sittenlehre machte. Müsste sich das kirchliche Lehramt dann nicht produktiv mit medizinischen, natur- und sozialwissenschaftlichen Forschungsergebnissen im Hinblick auf die sonst anstehenden Fragen auseinandersetzen», fragte der Historiker. «Könnten sich dann nicht für die im Herbst tagende Bischofssynode, bei der es um wichtige Fragen nach Ehe, Familie und Partnerschaft, um die Bedeutung der Sexualität für das menschliche Leben und die kirchliche Bewertung von Homosexualität geht, wirklich tragfähige Lösungen ergeben?» (kna)

News ›
Medienspiegel ›
Katholisches Medienzentrum