Kirchen als Orte des Trauerns – zum nationalen Trauertag
Am aktuellen Trauertag für die Brandopfer von Crans-Montana bieten die Kirchen der Bevölkerung Orte des gemeinsamen Trauerns an – in der Deutschschweiz etwa in Zürich, St. Gallen und Basel.
Regula Pfeifer
Am nationalen Trauertag bieten vor allem die christlichen Kirchen vielerorts gemeinsame Gebete, Treffen und Seelsorge an. Aber auch ein hinduistischer Tempel ist darunter.
Klosterplatz St. Gallen und Cityseelsorge
In St. Gallen laden die drei christlichen Landeskirchen auf 14 Uhr – nach dem schweizweiten Glockengeläut – zum gemeinsamen stillen Gebet auf dem Klosterplatz ein. Es gehe darum, der Verstorbenen von Crans-Montana zu gedenken und die Verbundenheit mit den Verletzten und ihren Angehörigen auszudrücken, schreibt das Bistum St. Gallen und bittet: «Da es sich um einen nationalen Trauertag handelt, bitten wir, nur mit der tiefsten Glocke zu läuten.»
Wer seelsorgerliche Unterstützung braucht, ist bei der ökumenischen Cityseelsorge St. Gallen aufgehoben. Deren Seelsorgende werden ab 13.45 Uhr die Schutzengelkapelle öffnen und präsent sein, für Menschen, die das Gespräch suchen oder eine Kerze anzünden möchten. Auch andere Pfarreien und Kirchgemeinden sind laut Mitteilung eingeladen, ihre Kirchen tagsüber offen zu halten und Raum für Gebet, Stille und Trauer zu ermöglichen.
Münsterhof und Liebfrauen in Zürich
In Zürich laden die Stadt und die Kirchen sowie Religionsgemeinschaften nach dem Glockengeläut zu einem öffentlichen Gedenken auf dem Münsterhof ein, berichtet die katholische Zürcher Kantonalkirche. Seitens der Religionsgemeinschaften beteiligen sich daran Generalvikar Luis Varandas sowie Synodalratspräsident Raphael Meyer von der römisch-katholischen Kirche, ausserdem Rabbiner Noam Hertig und Imam Muris Begovic sowie die reformierten Pfarrer Johannes Block vom Fraumünster und Christian Walti vom Grossmünster.
Anschliessend werden die Anwesenden in die Fraumünster-Kirche gebeten – zu einer Andacht mit Musik, Stille und wenigen Gebeten. Am selben Abend wird Generalvikar Luis Varandas um 18.15 Uhr den Gottesdienst in der Kirche Liebfrauen zum Gedenken an die Brandopfer feiern.
Bischof Gmür in Offener Kirche Elisabethen Basel
In Basel bildet die Offene Kirche Elisabethen (OKE) den kirchlichen Gedenkort. In der ökumenisch geführten Citykirche findet von 19 bis 21 Uhr ein Traueranlass statt, wie die Zeitung «bazonline» schreibt. Daran beteiligt sind die Evangelisch-Reformierte Kirche und die Römisch-Katholische Kirche Basel-Stadt.
Man wolle den Menschen «Raum geben für Erinnerung, Mitgefühl und das Aushalten von Trauer an diesen schweren Tagen», teilen die Organisatoren der «bazonline» mit. Das sind die beiden Co-Leiter der OKE, der reformierte Stadtpfarrer Frank Lorenz und der römisch-katholische Theologe Jörg Werron, die durch den Anlass führen. Dabei sein werden laut der Zeitung auch die Basler Regierungsrätin Tanja Soland und der Basler Bischof Felix Gmür. Den Besuchenden stehen zudem vor Ort «qualifizierte Seelsorgende» zur Verfügung.
Auch in kleineren Gemeinden sind kirchliche Gedenkanlässe geplant. So laden die katholische und die reformierte Kirche von Samedan GR zu einem gemeinsamen Gebet in der Dorfkirche ein, nach dem Glockenläuten um 14 Uhr, wie in der «Engadiner Post» zu lesen ist.
In Stans ist ein Gottesdienst auf 18 Uhr in der Pfarrkirche angesagt. Dieser solle der Nidwaldner Bevölkerung die Möglichkeit geben, in würdigem Rahmen ihrer Betroffenheit über die Tragödie in Crans-Montana Ausdruck zu verleihen, der Verstorbenen zu gedenken und gegenüber den Verletzten ihre Solidarität zu bekunden, schreibt die «Obwaldner Zeitung». Die Gedenkfeier wird demnach von der römisch-katholischen Kirche und der reformierten Kirche gemeinsam gestaltet. Regierungsratsmitglieder würden teilnehmen – und Regierungsrat Joe Christen zur Gemeinschaft sprechen.
In Bern nur Offene Kirche Heiliggeist aktiv
In Bern gibt es keinen von den Kirchen organisierten besonderen Anlass – ausser dem Glockengeläut um 14 Uhr, wie der «Bund» schreibt. Die Kirchen werden wie üblich geöffnet sein, heisst es. Die ökumenisch geführte Offene Kirche in der Heiliggeistkirche ist von 14 bis 18.30 Uhr geöffnet und Seelsorgende seien vor Ort, ist auf der Webseite der Berner katholischen Kantonalkirche zu erfahren. Da könnten Besuchende zusammen gedenken, schweigen oder beten und Trostworte für Angehörige und Betroffene hinterlassen. Als Zeichen der Verbundenheit werden Fotos von Tauben nach Crans-Montana gesendet.
Im hinduistischen Tempel im Berner Haus der Religionen werden ebenfalls die Tempelglocken geläutet. Nach einer Schweigeminute werde ein besonderes Gebet nach hinduistischer Tradition abgehalten, heisst es im «Bund».
Im Wallis sind – neben dem gehaltenen nationalen Gedenkanlass in Martigny mit Staatsgästen aus dem Ausland – in Sitten und in Siders Gedenkfeiern vorgesehen.
Zwei freikirchliche Jugendliche unter Opfern
Auch die christlichen Freikirchen öffnen am nationalen Trauertrag ihre Kirchentüren, um Raum für Gebet, Stille und Trauer zu ermöglichen, wie sie in einer Mitteilung schreiben. Dies einerseits aus Solidarität, aber auch, weil sich unter den Brandopfern auch zwei Jugendliche mit freikirchlichem Hintergrund befinden. «Wir sprechen allen den Trost des Psalmisten zu», schreiben die Freikirchen und zitieren: «Der Herr ist nahe denen, die zerbrochenen Herzens sind, und hilft denen, die zerschlagenen Geistes sind». (Psalm 34,19)
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