Kirche nimmt Abschied von Kardinal Angelo Sodano
Bei einem Requiem im Petersdom haben Papst Franziskus, zahlreiche Kardinäle, Bischöfe und Diplomaten am Dienstag von Kardinal Angelo Sodano Abschied genommen. Der Schweizer Botschafter war nicht unter den Besuchern.
Roland Juchem
Papst Franziskus nahm im Rollstuhl an der Messe teil; gefeiert wurde diese vom Dekan des Kardinalskollegiums, Giovanni Battista Re. In dieser Funktion ist er seit Ende 2019 Sodanos Nachfolger. Am Ende der Messe nahm Franziskus persönlich die Riten der «Ultima Commendatio» (Aussegnung) und «Valedictio» (Verabschiedung) vor.
In einem Beileidstelegramm an die Schwester des Verstorbenen, Maria Sodano, hatte der Papst Sodano als grosszügigen Priester, sorgfältigen Mitarbeiter sowie «kirchlich disziplinierten Mann» gewürdigt. Er selber habe von dessen «Geistes- und Herzensgaben profitieren» können, vor allem als dieser noch Dekan des Kardinalskollegiums war.
«Einer der angesehensten katholischen Hierarchen»
Ukrainischer Botschafter Andrij Yurasch
Unter den Trauergästen waren auch zahlreiche Botschafter wie etwa Berlins Vertreter am Heiligen Stuhl, Bernhard Kotsch. Der ukrainische Botschafter Andrij Yurasch schrieb auf Twitter: Papst und Kirche «nehmen Abschied von einem der angesehensten katholischen Hierarchen des letzten halben Jahrhunderts». Sodano war fast 16 Jahre lang Kardinalstaatssekretär unter Johannes Paul II. (1978–2005) und hatte unter anderem 2001 dessen Reise in die Ukraine mit vorbereitet.
Der Schweizer Botschafter Denis Knobel nahm am Requiem nicht teil, wie das Eidgenössische Departement für auswärtige Angelegenheiten gegenüber kath.ch sagte.
50 Jahre im diplomatischen Dienst des Vatikan
Rund 50 Jahre lang war der aus Asti im Piemont stammende Angelo Sodano im diplomatischen Dienst des Vatikan tätig. Unter anderem war er in Ecuador, Uruguay und Chile im Einsatz. Johannes Paul II. ernannte ihn 1989 zum vatikanischen Aussenminister und 1991 zum Kardinalstaatssekretär. In der Funktion blieb er noch unter Benedikt XVI. bis 2006. Zu seinem 92. Geburtstag Ende 2019 entband ihn das Kardinalskollegium von seiner Aufgabe als Dekan.
Hilfe bei Grenzstreit
International bekannt geworden war Sodano 1978/79. Als damaliger Nuntius in Chile half er, den Grenzstreit des Landes mit Argentinien beizulegen. Die Militärjunta in Buenos Aires stand damals kurz vor einer Kriegserklärung. Sodano sprach zudem ganz gut Deutsch und war mit den Verhältnissen in Mitteleuropa gut vertraut.
So soll er in der Auseinandersetzung um die Schwangerenkonfliktberatung der katholischen Kirche in Deutschland für eine moderatere Linie des Vatikan plädiert haben, indem er sich im Frühjahr 1998 – anders als Kardinal Joseph Ratzinger – für eine gemässigtere Fassung des Papstbriefes an die deutschen Bischöfe eingesetzt habe. Johannes Paul II. hatte die deutschen Bischöfe letztlich aufgefordert, aus dem staatlichen System der Konfliktberatung für Schwangere auszusteigen.
Der langjährige Kardinalstaatssekretär und damit zweiter Mann des Vatikan war am Freitag mit 94 Jahren in Rom an den Folgen einer Covid-19-Infektion gestorben. (cic)
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