Schweiz

Kardinal Parolin besucht die Schweiz

Die Nummer zwei des Vatikans, Kardinal Pietro Parolin, besucht im November die Schweiz. Der Anlass: 100 Jahre diplomatische Beziehungen. Letzten Herbst traf er Bundesrat Cassis in New York.

Raphael Rauch

Nach Papst Franziskus ist er der mächtigste Mann im Vatikan: Kardinalstaatssekretär Pietro Parolin. Bei ihm laufen die politischen und diplomatischen Fäden zusammen. Und auch bei Bischofsernennungen hat er ein Wörtchen mitzureden.

Doch um die Zukunft des Bischofs von Chur dürfte es im November allenfalls am Rande gehen. Der Besuch in der Schweiz hat einen anderen Grund: 100 Jahre diplomatische Beziehungen zwischen dem Heiligen Stuhl und der Schweiz.

Tagung mit Bundesrat Cassis in Freiburg

«Die Schweiz hat den Kardinalsstaatssekretär zu einem offiziellen Besuch zum Anlass der 100-Jahr-Feier der diplomatischen Beziehungen eingeladen», teilte Nuntius Thomas Gullickson auf Anfrage von kath.ch mit. Nuntiatur und Aussendepartement würden den Besuch derzeit vorbereiten.

Das vorläufige Programm sieht so aus: eine Messe in Einsiedeln am Sonntag, 8. November. Eine Begegnung mit der Schweizer Bischofskonferenz in Sachseln im Kanton Obwalden. Und am Montag, 9. November, eröffnet der Kardinal zusammen mit Bundesrat Ignazio Cassis eine Tagung an der Uni Freiburg. Thema: die diplomatischen Beziehungen. Der Basler Bischof Felix Gmür soll als Vorsitzender der Bischofskonferenz ein Grusswort sprechen.

Planungen unter Corona-Vorbehalt

Laut EDA-Sprecher Pierre-Alain Eltschinger hat das Programm «nebst offiziellen Gesprächen auch historisch-kulturelle sowie ökumenische Aspekte». Wegen der COVID-19 Pandemie könne es zu kurzfristigen Änderungen kommen.

«Die Schweiz hat ganz konkrete Ziele mit dem Vatikan»

Ignazio Cassis

Parolins Besuch kommt nicht überraschend. Am Rande der letzten Uno-Vollversammlung in New York kam es zu einem Treffen zwischen dem Schweizer Aussenminister Ignazio Cassis und seinem vatikanischen Kollegen Parolin. «Die Schweiz hat ganz konkrete Ziele mit dem Vatikan: Wir feiern 2020 das 100-Jahr-Jubiläum unserer diplomatischen Beziehungen», schrieb Cassis letzten Oktober in der «Weltwoche».

Der Aussenminister fügte im Artikel hinzu: «Wie wir diesen wichtigen gemeinsamen Weg feiern können, war Thema unseres Gesprächs. (Ein eher seltenes Thema bei bilateralen Treffen).» Die Schweiz ist für Parolin kein Neuland: 2017 besuchte er das Weltwirtschaftsforum in Davos.

Wechselvolle Beziehungen

Die Beziehungen zwischen dem Heiligen Stuhl und der offiziellen Schweiz waren nicht immer gut. Zwar sorgen seit über 500 Jahren die Schweizergardisten für den Schutz des Papstes. Doch die Reformierten hatten Mühe mit päpstlichen Gesandten.

Die Nuntiatur war traditionell im katholischen Luzern. 1873, inmitten des Kulturkampfes, brach der Bundesrat die Beziehungen zum Heiligen Stuhl ab. Nach dem Ersten Weltkrieg änderte sich die Situation: 1920 nahmen Bundesrat und Heiliger Stuhl wieder diplomatische Beziehungen auf – und die Nuntiatur in Bern wurde eröffnet. Das wird im November nun gross gefeiert.

Kardinalstaatssekretär Pietro Parolin | © KNA
28. Juli 2020 | 10:08
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