Kardinal Marx: Jesu Bergpredigt ist gerade in der Krise relevant
Der Münchner Kardinal Reinhard Marx hat an Allerheiligen zur Orientierung an der Bergpredigt Jesu aufgerufen. Das Fest Allerheiligen bezeichnete er als einen Widerspruch gegen die Meinung, mit der Bergpredigt könne man «keine Politik machen».
Die Bergpredigt verdeutlicht aus Sicht von Kardinal Reinhard Marx, «dass die Armen ihren Platz haben, dass Versöhnung geschenkt wird, dass Gerechtigkeit angestrebt werden kann». Marx äusserte sich am Dienstag bei einem Gottesdienst in München. Gerade jetzt sei diese Botschaft wichtig, «wo wir in einer Situation sind, in der – stärker vielleicht als je zuvor – von Krisen die Rede ist, von Polarisierung, Nationalismus, Kriegen, wo neue Spaltungen entstehen», so Marx laut Mitteilung seiner Pressestelle.
In der Spur Jesu gehen und Wirkung entfalten
Der Kardinal ergänzte, an Allerheiligen gehe es nicht nur um die Heiligen der katholischen Kirche, sondern «um den Blick Gottes auf alle Menschen, die – wissend oder unwissend – in der Spur des Mannes gegangen sind, der uns die Bergpredigt geschenkt hat».
Das Fest Allerheiligen bezeichnete Marx als einen Widerspruch gegen die Meinung, mit der Bergpredigt könne man «keine Politik machen». Politik sei «Weltgestaltung, Prägung der Welt». Und Allerheiligen erinnere daran, «dass die vielen Zeuginnen und Zeugen, die in der Spur Jesu und in der Spur der Bergpredigt gegangen sind, durchaus Wirkung entfaltet haben – ein Segen waren und sind».
Blick auf die Sanftmütigen
In diesem Sinne erlaube Allerheiligen einen «anderen Blick auf die Geschichte und das, was auch passiert ist», sagte der Erzbischof. «Nicht auf die, die vordergründig da sind und mit Macht und Profitinteressen alles unter ihre Hände nehmen», sondern auf «die Friedensstifter, die Sanftmütigen, die ohne Gewalt aufgetreten sind und nach Gerechtigkeit gesucht haben».
An Allerheiligen gedenken die Katholiken der Verstorbenen. Ursprünglich war der 1. November jedoch kein Tag des Totengedächtnisses, sondern ein österliches Fest, an dem sich die Kirche der unbekannten Heiligen erinnerte. Eigentlicher Totengedenktag ist der 2. November, das Fest Allerseelen.
Christliches Liebesgebot im Mittelpunkt
Die biblische Bergpredigt ist eine der am meisten zitierten grossen Lehr-Reden Jesu. Sie fasst die sittliche Unterweisung der Jünger zusammen und verkündet die Ethik der Gottesherrschaft, auf die hin das Leben in der Welt ausgerichtet werden muss. In ihrem Mittelpunkt steht das christliche Liebesgebot: die Fürsorge für den Nächsten. (kna)
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