Kurienkardinal Walter Kasper
Analyse

Kardinal Kasper: Frauendiakonat ist «theologisch möglich und pastoral sinnvoll»

Rückendeckung für die Ergebnisse der jüngst zu Ende gegangenen Weltsynode kommt von Kardinal Walter Kasper: Die Synode sei ein «wahrhaft historisches Ereignis» gewesen.

Das Thema Synodalität sei «nun nicht mehr vom Tisch zu wischen», erklärte Kasper im Interview mit dem Online-Portal «communio.de». Das Abschlussdokument sei durchaus verbindlich, so Kasper – entscheidend werde nun die Rezeption sein.

Walter Kasper, emeritierter Kurienkardinal, am 15. Januar 2018 in Rom.
Walter Kasper, emeritierter Kurienkardinal, am 15. Januar 2018 in Rom.

In der umstrittenen Frage des Frauendiakonats sprach sich Kasper für eine grössere Offenheit aus: Er sei «inzwischen zur Überzeugung gekommen, dass es gute Gründe gibt, die es theologisch möglich und pastoral sinnvoll machen, den ständigen Diakonat für Frauen zu öffnen.» Zugleich unterstrich Kasper die weltkirchliche Offenheit der Frage: «Sie ist lehramtlich nicht verbindlich entschieden.»

«Ständige Diakoninnen»

Der Kardinal betonte zudem, dass er von ständigen Diakoninnen spreche, also nicht der Diakonenweihe als Durchgangsstadium zur Priesterweihe. Für eine Weihe von Frauen zu Diakoninnen spreche das Traditionsargument, dass die westliche und die östliche Kirche in den ersten Jahrhunderten dieses Amt kannten, so Kasper im Gespräch mit «Communio»-Schriftleiter Jan-Heiner Tück.

Man könne auch nicht sagen, dass die Diakoninnenweihe damals kein Sakrament gewesen sei, da sich diese theologischen Begrifflichkeiten erst später entwickelt hätten. Es sei unsachgemäss, die damaligen Weihen nur als Sakramentalien zu sehen, also lediglich als zeichenhafte Segnungen: «Dagegen spricht auch die Tatsache, dass – soviel ich weiss – die Ordinationsformulare bei Diakonen und Diakoninnen dieselben waren.»

Die Sache mit der Weihe

Kasper zeigte sich auch nicht überzeugt von dem Argument, dass man Frauen nicht zu Diakoninnen weihen könne, weil die Weihen zum Diakon, Priester und Bischof ein untrennbares Sakrament des «Ordo» seien.

"Wir sind Papst": Benedikt XVI. am Weltjugendtag in Köln 2005
"Wir sind Papst": Benedikt XVI. am Weltjugendtag in Köln 2005

Papst Benedikt XVI. (2005-2013) habe klargestellt, dass Diakone anders als Priester und Bischöfe Jesus Christus nicht als Haupt der Kirche repräsentieren. Ausserdem sei die Bischofsweihe endgültig erst durch das Zweite Vatikanische Konzil (1962-1965) als Sakrament anerkannt worden.

«Es gab und gibt also innerhalb des einen Sakrament des Ordo nicht unerhebliche Unterschiede und ebenso geschichtliche Entwicklungen, die sich an pastoralen Bedürfnissen orientiert haben», betonte Kasper.

«Roadmap für den weiteren Weg der Kirche»

In Schutz gegen Kritik nahm Kasper zudem das Abschlussdokument: Wer dieses von vornherein als «unverbindliche Option» abtue, falle «der Synode und allen in den Rücken, die sich seit mehr als zwei Jahren abgerackert haben und nun dankbar sind, dass es mit Zustimmung des Papstes möglich war, mit einer satten Zweidrittelmehrheit ein Dokument auf den Weg zu bringen, das ausbaufähig ist und als Roadmap für den weiteren Weg der Kirche gute Dienste tun kann.»

«Europa ist schon heute und in Zukunft nicht mehr der Mittelpunkt der Welt.»

Lobend äusserte sich Kasper auch zum Verlauf der Synode an sich: Die Qualität der Debatte habe sich durch die Sitzungsperioden deutlich gesteigert – es sei zu einem «Lernprozess» gekommen, auch die Methode der spirituellen Konversation habe sich bewährt, zeigte sich der Kardinal überzeugt. Sichtbar geworden sei ausserdem, dass «Europa schon heute und in Zukunft nicht mehr der Mittelpunkt der Welt ist». Es wehe «ein starker Südwind» – und die jungen Kirchen im Globalen Süden liessen Europa gleichsam «etwas alt aussehen», so der Kardinal.

Thema Missbrauch

Im Blick auf das Thema Missbrauch, das im Abschlussdokument in Artikel 55 erwähnt wird, äusserte Kasper, dass dies zwar nicht erschöpfend behandelt worden sei, man jedoch auf einer vierwöchigen Synode nicht alle wichtigen Themen mit der gleichen Gründlichkeit behandeln könne.

Abschlusssitzung der Weltsynode  über Synodalität am 26.10.2024.
Abschlusssitzung der Weltsynode über Synodalität am 26.10.2024.

«Da die Synode einen hinhörenden, achtsamen, wertschätzenden und respektvollen Umgang, besonders mit verwundbaren Personen in die Mitte gestellt hat, hat sie indirekt zum Thema Missbrauch Grundlegendes beigetragen. Dasselbe gilt, wenn man erkennt, dass Synodalität geradezu ein Frontalangriff gegen Klerikalismus darstellt und die Verpflichtung des Bischofs zu regelmässiger Rechenschaft zugleich eine grundlegende Präventivmassnahme gegen Vertuschung ist.»

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Begrüsst wurde von Kasper auch die Diskussion über den künftigen Status der Bischofskonferenzen bzw. das Zueinander von Universal- und Ortskirchen. Dieses Thema werde seit dem Konzil diskutiert, erinnerte der Kardinal, neu sei nun, «dass wir diese Frage heute endlich ‘kirchenamtlich’ im ekklesiologischen Gesamtkontext von Einheit in der Vielheit, oder besser: von Vielheit der Ortskirchen innerhalb der Einheit der universalen Kirche diskutieren.» (kap)


Kurienkardinal Walter Kasper | © Raphael Rauch
1. November 2024 | 11:00
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