Schweiz

Kanton Graubünden: Bistum Chur hat keine Ausnahme für Bischofsweihe beantragt

Wegen der Corona-Bestimmungen dürfen nur 50 Menschen an der Bischofsweihe in Chur teilnehmen. Laut Juristen wäre eine Ausnahme möglich – doch das Bistum Chur hat keine beantragt. Der künftige Bischof Joseph Bonnemain möchte auch Häftlinge, Kranke und Flüchtlinge in die Kathedrale einladen.

Raphael Rauch

«Die Frage einer Ausdehnung der Personenanzahl stellt sich nicht, da der Veranstalter (Bistum Chur) diesbezüglich keine Anfrage platziert hat», teilt der Kanton Graubünden auf Anfrage mit. «Wir würden eine solche gestützt auf Artikel 7 einlässlich prüfen.»

Begründung: öffentliches Interesse

Mit Artikel 7 meint der Kanton Graubünden einen Passus in der Covid-19-Verordnung des Bundes. Demnach können Kantone Ausnahmen bei öffentlichem Interesse erteilen, wenn «die epidemiologische Lage im Kanton oder in der betreffenden Region dies aufgrund der Indikatoren» zulässt.

Die Churer Kathedrale mit Corona-Abschrankungen

«Eine Bischofswahl findet selten genug statt, um ein überwiegendes öffentliches Interesse zu begründen, sagt Altbundesgerichtspräsident Giusep Nay.

Müller gegen «pompöse Feierlichkeiten»

Chancen für das Bistum sieht auch Markus Müller, Professor für öffentliches Recht an der Uni Bern: «Das liegt im Ermessen des Kantons. Man kann sicher mit dem öffentlichen Interesse argumentieren.» In jedem Fall müsste die Ausnahme «durch ein entsprechend rigides Schutzkonzept kompensiert werden».

Markus Müller ist Jura-Professor an der Uni Bern.

Als Katholik ist Müller aber dagegen, dass für die Bischofsweihe eine Ausnahme beantragt wird. «Als Christ und Katholik habe ich Mühe mit pompösen Feierlichkeiten. Würde Jesus so etwas wollen? Wieso nicht mehr Bescheidenheit?», fragt Müller. «Wäre das nicht ein Zeichen, das durchaus im Sinne von Franziskus wäre? Wir müssten langsam beginnen, unseren Fokus auf das Wesentliche zu richten.»

Bischofsweihe mit Häftlingen, Kranken und Flüchtlingen

Der künftige Bischof Joseph Bonnemain schreibt, dass er mit «voraussichtlich» 50 Menschen rechnet – was einen kleinen Spielraum andeutet. «Abgesehen von den direkt im Weihegottesdienst Wirkenden dürfen in der Kathedrale voraussichtlich nur bis zu 50 Personen als Mitfeiernde teilnehmen. Diese Einschränkung respektiere ich, auch wenn ich sie bedaure», heisst es in einer Mitteilung.

Joseph Bonnemain ist ein langjähriger Spitalseelsorger.

Ausser offiziellen Gästen wolle er Familien, Häftlinge, Jugendliche, Kranke, Randständige, Betagte und Flüchtlinge einladen. «So möchte ich den von Papst Franziskus oft ergangenen Auftrag umsetzen: ‹Der Hirte sollte Stallgeruch haben.›»

Für die Zeit nach der Corona-Pandemie stellt Bonnemain «ein grosses Fest» in Aussicht, «an dem alle teilnehmen können».

Driessen-Reding freut sich «auf das grosse Fest nach der Pandemie»

Bonnemains Haltung begrüsst Franziska Driessen-Reding, Präsidentin der Zürcher Katholiken. «Joseph Bonnemain wünscht für sich keine Ausnahme. Ich finde diese Entscheidung sehr richtig. Wieso soll die Bischofsweihe so viel wichtiger sein als alle anderen Veranstaltungen, die gar nicht stattfinden dürfen? Ich freue mich auf das grosse Fest nach der Pandemie.»

Franziska Driessen-Reding

Ob das Bistum Chur noch beim Kanton vorstellig wird, ist unklar. Die Bischofsweihe findet am Namenstag des künftigen Bischofs statt, am Josephstag, 19. März. «Seine Eminenz Kardinal Kurt Koch wird Hauptkonsekrator sein. Bischof Peter Bürcher, Apostolischer Administrator des Bistums Chur, und Bischof Felix Gmür, Präsident der Schweizer Bischofskonferenz (SBK), werden die Co-Konsekratoren sein», teilte das Bistum Chur mit.

Bischofsweihe im Zeichen von «Amoris Laetitia»?

Am Josephstag jährt sich zum fünften Mal die Veröffentlichung des päpstlichen Schreibens «Amoris Laetitia». Papst Franziskus hat angekündigt, am 19. März ein Aktionsjahr zu Ehe und Familie beginnen zu lassen – ganz im Sinne von «Amoris Laetitia». Joseph Bonnemain hat sich öfters positiv zu «Amoris Laetitia» geäussert.


Der Offizial Joseph Bonnemain wird Bischof von Chur. | © Manuela Matt
24. Februar 2021 | 19:56
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