Thomas Rey: «Kaffeemaschine ist wichtiges pastorales Element»
Er ist gerne mit Menschen zusammen: Pfarrer Thomas Rey von der katholischen Pfarrei St. Jakob in Cham. Seine Töffsegnungen sind äusserst beliebt und meist gut besucht. Der 58-Jährige hat dieses Jahr auch schon die Badi gesegnet. Im Pfarrhaus hat er übers Pfarramt täglich Kontakt zu Gläubigen. Ruhe und Entspannung findet er in seiner geräumigen Wohnung im ersten Stock.
Wolfgang Holz
Das Pfarrhaus in Cham, das in ein leichtes Olivgrün getaucht ist, strahlt viel Wärme aus. Trotz der eher schlichten und funktionalen Bauweise des Gebäudes von 1970. Denn nicht nur Pfarrer Thomas Rey empfängt den Besucher mit einem gastfreundlichen Lächeln.
Eidechsen flitzen übers Mauerwerk
Wer sich ums Haus herumbewegt, dem fallen sofort die vielen kleinen Eidechsen auf, die übers warme Mauerwerk flitzen. Sie scheinen sich hier in der sakralen Abgeschiedenheit besonders wohlzufühlen.
Auch dem 58-jährigen Chamer Seelsorger gefällt es in seinen eigenen vier Wänden sehr gut. Das liegt zum einen an seiner Kontaktfreudigkeit. «Es ist ja vom Bistum gewünscht, im Pfarrhaus zu wohnen – denn da ist man näher bei den Leuten», sagt Thomas Rey.
Grosser Kaffeeautomat in der Küche
Zum anderen sei jeden Tag, von früh bis spät, etwas los im Pfarrhaus. Sagts und deutet auf den grossen Kaffeeautomat in der Küche. «Die Kaffeemaschine ist ein wichtiges pastorales Element», versichert der katholische Seelsorger.
Denn bei einem Schluck Koffein erwachen soziale Energien. Spontane Gespräche entstehen. Der Kaffee der Pfarrei stammt übrigens aus einer Ebikoner Rösterei und ist speziell abgestimmt auf die Maschine. Pfarrer Rey schätzt guten Kaffee am Morgen sehr.
Gebürtiger Basler
Thomas Rey ist eigentlich ein gebürtiger Basler. Doch schon seit 2004 ist er in Cham Pfarrer. «Das war Zufall. Ich kam damals von Weggis hierher ins gerade frisch renovierte Pfarrhaus», erzählt er. Draussen in der Gartenlaube weht an diesem heissen Junitag ein laues Lüftchen. Am Gartentisch hält Pfarrer Rey auch bei gutem Wetter Teamsitzungen ab. Hier ist es ruhig und lässt es sich wohl sein.
Nur ab und zu rauscht ein Zug unten vorbei – auf dem Weg zum Chamer Bahnhof. In der Ferne hinter den Bäumen, jenseits des Zugersees, ist die Rigi zu erkennen. Auf der anderen Seite des Pfarrhausgartens, in dem rote Rosen blühen, sticht hinter der Mauer der stattliche Turm der Kirche St. Jakob in den Azur. Zum Lesen zieht sich Pfarrer Rey am liebsten auf seinen privaten Balkon zurück.
«Kein Erleuchtungserlebnis»
«Ich bin in den Pfarrerberuf hineingewachsen», bekennt Rey. Er habe kein Erleuchtungserlebnis gehabt. Früher sei er halt Ministrant gewesen. «Ich überlegte mir auch, ob ich Arzt werden sollte, weil ich in der Schule in den Naturwissenschaften gut war.» Doch irgendwann war es für ihn klar: Er würde Theologie studieren und Pfarrer werden.
«Ich bringe den Menschen Jesus Christus näher, erzähle ihnen gerne von seinem Leben»
Thomas Rey
Bereut hat er diese Entscheidung nie. «Ich bringe den Menschen Jesus Christus näher, erzähle ihnen gerne von seinem Leben.» Mit den Gläubigen feiere er die Sakramente, nimmt an der kirchlichen Jugendarbeit Anteil.
Das Schöne an der Chamer Pfarrei seien die rund 20 lebendigen Pfarrvereine. «Ausserdem gibt es in den letzten Jahren rund 30 junge Familien in der Pfarrei, die bewusst einen religiösen Lebensstil pflegen», lobt Rey.
Schwierig in säkularen Zeiten
Der Chamer Pfarrer verhehlt aber nicht, dass es schwierig geworden sei, in den heutigen säkularen Zeiten über den Glauben zu sprechen. «Der Glauben ist in unserer Gesellschaft leider zur Privatsache geworden. Und manchmal braucht es eine rechte Überwindung, mit anderen Menschen über den Glauben zu sprechen – dies empfinden viele als peinlich», sagt Thomas Rey. «Der Glauben spielt gesellschaftlich betrachtet leider eine untergeordnete Rolle.»
Ein Phänomen, das beispielsweise auch jüngst beim Eidgenössischen Jodlerfest in Zug zu beobachten war. Es gab keinen speziellen Jodlergottesdienst – obwohl Jodler ja traditionell katholisch sind. Und obwohl während des dreitägigen Jodlerfests sogar zahlreiche Gesangsauftritte in Zuger Kirchen stattfanden – und reguläre Gottesdienste deshalb sogar verlegt werden mussten. «Unglaublich», meint Pfarrer Rey dazu.
Beliebte Töffsegnungen
Doch Thomas Rey lässt sich als Pfarrer nicht entmutigen. Er ergreift jede Möglichkeit, für Menschen seelsorgerisch tätig zu werden. Für sie präsent zu sein, wenn er gefragt wird. Stichwort Töffsegnungen im Chamer Hirsgarten am See.
«Die Leute werden gesegnet, nicht die Töffs.»
Thomas Rey
«Mich hat der Motorradclub Cham vor Jahren diesbezüglich angefragt. Je nach Wetter sind dann pro Jahr jeweils im Schnitt zwischen 200 und 400 Töfffahrerinnen und Töfffahrer zu den Segnungen erschienen», berichtet Rey. Sagts und relativiert gleichzeitig, dass es bei den Töffsegnungen in erster Linie darauf ankomme, jeder Person ein Kreuz auf die Stirn zu zeichnen. «Die Leute werden gesegnet, nicht die Töffs.»
Werbung für Jesus Christus machen
Bei solchen Gottesdiensten habe er auch die Möglichkeit, Werbung für Jesus Christus zu machen. Die drei Gottesdienste am Wochenende in der Kirche St. Jakob besuchen insgesamt im Schnitt 400 Gläubige.
Inzwischen befinden wir uns in der geräumigen Vier-Zimmer-Mietwohnung von Pfarrer Rey. Sie liegt im ersten Stock des Pfarrhauses neben einem Studio, in dem Pfarrer Rey Gäste beherbergen kann. Ein kombiniertes Wohn- und Esszimmer bildet zusammen mit einer modernen Wohnküche das Zentrum seines privaten Domizils.
Fleisch, Teigwaren und Gemüse
«Zweimal halbtags pro Woche habe ich jemanden, der mir Mittagessen kocht», sagt der 58-Jährige. Fleisch, Teigwaren und Gemüse beispielsweise. Er selbst koche auch: «Ich kann es eigentlich nicht so schlecht, aber ich koche trotzdem nicht so gerne.»
Im Wohnzimmer fällt eine antike Wanduhr auf. Im Esszimmer hängen parallel zum Tisch vier farbige Tücher: «Das sind die vier Jahreszeiten der Künstlerin Vroni Unseld», erklärt Rey.
Viele Bücher
Auf einem Beistelltisch und vor der Wohnung im Treppenhaus auf dem Schuhschrank liegen zahlreiche Bücher. Es ist offensichtlich, dass der Chamer Pfarrer gerne liest.
«Ich lese gleichzeitig immer ein theologisches Buch, eine geschichtliche Publikation und einen Krimi», verrät der Seelsorger. Im Wohnzimmer fällt ein Stehpult auf – wo der Pfarrer auch hin und wieder seine Sonntagspredigten verfasst.
«Ich wasche auch meine Wäsche selbst, das habe ich schon immer gemacht.»
Thomas Rey
Nicht zuletzt sticht ein Handsauger an der Garderobe ins Auge. Thomas Rey hält Ordnung in seiner Wohnung. «Ich wasche auch meine Wäsche selbst, das habe ich schon immer gemacht. Nur die Oberhemden gebe ich in die Wäscherei.»
Dass er in der Wohnung ein zölibatäres Leben führt, macht ihm nichts aus. «Der Zölibat ist eine Lebensform, die es einem ermöglicht, offen auf die Leute zuzugehen», sagt Pfarrer Rey. Er sei mit dem Zölibat noch nie in Konflikt geraten.
Geistliches Leben im Gebet
«Das Pfarrhaus ist übrigens auch sehr Zölibats fordernd», scherzt der 58-Jährige – weil er nur durchs Pfarramt in seine Wohnung gelange. «Grundsätzlich muss man fähig sein, ein geistliches Leben allein und im Gebet führen zu können.»
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