Jüdischer Kulturweg im Surbtal wird bis nach Deutschland verlängert

Lengnau AG, 1.10.14 (Kipa) Der jüdische Kulturweg im Aargauer Surbtal ist bis nach Deutschland verlängert worden. Neu führt der Kulturweg von Endingen und Lengnau über Bad Zurzach AG bis nach Waldshut-Tiengen, berichtete das Regionaljournal Aargau Solothurn von Radio SRF am Montag, 29. September. Am Wochenende vom 27./28. September wurde das neue Wegstück eröffnet.

In Lengnau und Endingen, wo der jüdische Kulturweg 2009 eröffnet wurde, gibt es zahlreiche bauliche Zeugen jüdischen Lebens, etwa zwei Synagogen und einen jüdischen Friedhof. Nun wurde der Kulturweg über Bad Zurzach AG bis Waldshut-Tiengen verlängert.

Bad Zurzach war bedeutender Handelsplatz

In Bad Zurzach habe einst vier mal jährlich eine mehrtägige Handelsmesse stattgefunden, zu der Menschen aus ganz Europa kamen, darunter auch Juden, erklärte Roy Oppenheim, Mitglied der Arbeitsgruppe Jüdischer Kulturweg Endigen-Lengnau, auf Anfrage gegenüber der Presseagentur Kipa. Der Weg vom Surbtal in die Ortschaft am Rhein sei von den Juden aus Lengnau und Endingen meist zu Fuss zurückgelegt worden. In den Messehäusern in Bad Zurzach gab es geheime «Judenzimmer», weil Juden eigentlich nicht ausserhalb von Lengnau und Endingen übernachten durften. Zudem bestanden während 250 Jahren enge, auch familiäre Beziehungen zwischen den Ortschaften im Surbtal und Waldshut-Tiengen. Aus diesen Gründen sei die Verlängerung des jüdischen Kulturweges berechtigt, so Oppenheim.

Kulturweg soll künftig auch das Elsass umfassen

Der jüdische Publizist möchte aber, dass der jüdische Kulturweg nicht in Waldshut-Tiengen endet. Sein Ziel wäre eine Erweiterung nach Frankreich und in den Bodenseeraum. Im Elsass, eine Region mit reicher jüdischer Vergangenheit und Geschichte, habe es einst 198 Synagogen gegeben, mehr als in ganz Frankreich. Inzwischen sei dort ebenso wie im Surbtal ein lokaler Kulturweg eingerichtet worden. Man stehe im Kontakt mit Freunden im Elsass und baue diese Kulturroute laufend aus.

Ähnliches lasse sich zum Bodenseeraum sagen. Einst existierten rund um den Bodensee, sowohl auf deutscher, wie auf schweizerischer und österreichischer Seite kleine jüdische Gemeinden. Berühmt waren laut Oppenheim Gailingen (D) und Hohenems (A). Oppenheim rechnet mit einer Aufbauzeit von drei bis fünf Jahren für die Erweiterung des Kulturweges ins Elsass und den Bodenseeraum. (kipa/arch/bal/gs)

1. Oktober 2014 | 13:01
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