Schweiz

Pfarrer von Küssnacht am Rigi tritt wegen Spielschulden zurück

Chur, 19.6.18 (kath.ch) Der Pfarrer von Küssnacht am Rigi ist zurückgetreten. Der Bischof von Chur, Vitus Huonder, habe die Demission des Geistlichen am vergangenen Donnerstag angenommen, teilten der Kirchenrat von Küssnacht sowie das Bistum Chur am Montag mit. Der Pfarrer hatte demnach Spielschulden «im Umfang von einigen hunderttausend Franken» angehäuft. In einer Online-Petition fordern über 700 Gläubige ihren Pfarrer zurück.

Um die Jahreswende sei dem Kirchenrat zugetragen worden, dass der Pfarrer Angehörige der Pfarrei um Darlehen «in beträchtlicher Höhe angehe, um Schulden zu begleichen», heisst es im gemeinsamen Communiqué des Kirchenrates und des Bistums. Darin ist die Rede von einem «Schuldenberg im Umfang von einigen hunderttausend Franken».

Pfarreiangehörige um Geld angepumpt

Der Kirchenrat gehe zum gegenwärtigen Zeitpunkt davon aus, dass der Pfarrer etwa 50 Personen um Geld angegangen habe. Und er vermutet, dass die Geldnöte des Geistlichen «auf spekulative Geldanlagen mit damit eingetretenen grossen Verlusten einerseits sowie höchstwahrscheinlich mit Spielschulden anderseits in Verbindung stehen».

Im Mai suchte der Kirchenrat gemäss Mitteilung das Gespräch mit Martin Kopp, Generalvikar des Bistums Chur für die Urschweiz, um über eine Abberufung des Pfarrers zu sprechen. «Alle, auch der Bischofsrat in Chur, waren sich einig, dass die Sache möglichst schnell ein Ende finden und der Pfarrer Küssnacht verlassen muss», versichern Kirchenrat und Bistum.

Der Priester trat am 13. Juni als Pfarrer von Küssnacht am Rigi sowie als Pfarradministrator von Immensee zurück, nachdem ihm das Bistum die Demission nahegelegt hatte. Der Bischof von Chur, Vitus Huonder, nahm die Demissionen am 14. Juni an, wie einem weiteren Communiqué des Bistums von Montag zu entnehmen ist. Er ernannte Generalvikar Martin Kopp zum Pfarradministrator und Claudia Zimmermann zur Pfarreibeauftragten ad interim. Der Kirchenrat kündigte das Anstellungsverhältnis mit dem Pfarrer.

Bereits früher Spielschulden angehäuft

Im Verlauf von weiteren Gesprächen mit dem Bistum habe sich gezeigt, dass der Pfarrer von Küssnacht am Rigi schon in früheren Jahren einmal «in grosse Geldnöte» geraten sei, heisst es in der ersten Mitteilung weiter. Damals zeigte er sich beim Bistum selber an. Allerdings habe der Kirchenrat von Küssnacht nichts von dieser Vorgeschichte gewusst. Im zweiten Communiqué liefert das Bistum Informationen dazu. So habe der Pfarrer im Juli 2011 dem Diözesanbischof, Vitus Huonder, anvertraut, dass er Spielschulden habe.

Bistum erklärt sein Schweigen

Das Bistum erklärt auch ausführlich, warum es damals «auf Bitten des Pfarrers» auf eine Meldung an die Kirchgemeinde verzichtet habe. «Der Bischofsrat stand vor der Alternative, die Selbstanzeige des Pfarrers mit der Amtsenthebung zu beantworten oder dem Pfarrer das Vertrauen zu schenken. Er riet dem Diözesanbischof zu Letzterem», erklärt das Bistum im zweiten Communiqué.

Allerdings wurden dem Geistlichen, der über zwei Jahrzehnte in der Pfarrei gewirkt hatte, verschiedene Auflagen auferlegt. So musste der Pfarrer eine Sperrverfügung für Casinos vorlegen, sich einer fachpsychiatrischen Abklärung unterziehen und eine Schuldensanierung mit Hilfe eines Rechtsanwaltes in Angriff nehmen.

Die Begutachtung durch einen psychiatrischen Fachberater für Spielsucht habe damals attestiert, «dass der derzeitige therapeutische Rahmen genüge und von einer guten Prognose ausgegangen werden könne». Für das Bistum hätten sich in den Jahren 2012 bis 2018 keine Anhaltspunkte dafür ergeben, dass die Schuldensanierung nicht ordnungsgemäss verlaufe, heisst es in der Mitteilung. (bal)

Roulette | © pixabay.com meineresterampe CCO
19. Juni 2018 | 10:38
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