Flüchtlinge auf Gran Canaria
Rauchzeichen

Jesuiten, Peter Camenzind, Wiborada-Tag: Was diese Woche wichtig wird

Die Sonne strahlt, die Bäume blühen, der Sommer naht. Und damit auch die Hoffnung vieler Flüchtlinge, übers Mittelmeer nach Europa zu kommen. Ein Schiffsunglück mit über 130 Toten führt uns die Schande Europas vor Augen.

Raphael Rauch

Gestern Abend hat der Bischof von Lausanne, Genf und Freiburg, Charles Morerod, die Reliquien des Heiligen Nikolaus von Myra und des Heiligen Niklaus von Flüe überführt: von der Schatzkammer der Kathedrale an ihren neuen Platz: die Kapelle des Heiligen Grabes.

Happy birthday, lieber Petrus Canisius!

Die Feierlichkeiten gehen heute weiter – und wieder geht es um Reliquien: Am Montagabend um 18 Uhr werden die Reliquien des Jesuiten Petrus Canisius von der Kirche St. Michael in die Kathedrale überführt.

Sorgsam behandelt: Knochen des Heiligen Canisius.
Sorgsam behandelt: Knochen des Heiligen Canisius.

Happy birthday, lieber Petrus Canisius! Am Dienstag feiern die Jesuiten um 9 Uhr seinen 500. Geburtstag – und zwar in der Freiburger Kirche St. Michael. Dieses Kollegium hat Petrus Canisius 1582 gegründet.

Christian Rutishausers Amtszeit endet

Am Dienstag beginnt hier ein neues Kapitel der Jesuiten. Sechs Länder bilden künftig eine zentraleuropäische Provinz: Deutschland, Österreich, Schweiz, Schweden, Litauen und Lettland.

Bernhard Bürgler (links) und Christian Rutishauser.
Bernhard Bürgler (links) und Christian Rutishauser.

Am Dienstag endet auch Christian Rutishausers Amt als Schweizer Provinzial. Er zieht in den nächsten Tagen nach München, um dort die Schul- und Universitätsarbeit der Jesuiten zu koordinieren.

Wissenschaftsfreiheit vs. Rom

Was Rutishauser in München erwartet ausser geschlossener Biergärten – trotz Kaiserwetters? Spannende Herausforderungen, etwa zwischen dem Vatikan und liberalen Theologen zu vermitteln.

Homophobie ist ein Problem – auch in der katholischen Kirche.
Homophobie ist ein Problem – auch in der katholischen Kirche.

Erinnern wir uns: 2018 bangte der in St. Georgen lehrende Jesuit Ansgar Wucherpfennig um sein Amt als Rektor, weil er die Segnungen von Schwulen und Lesben gutgeheissen hatte. Kürzlich sorgten zwei Jesuiten namens Luis Ladaria (Glaubenskongregation) und Franziskus (Papst) mit einem Verbot von Homo-Segnungen für Empörung. Die Probleme der Weltkirche verdichten sich bei den Jesuiten auf ganz besondere Weise.

Bekenntnis zum Jesuiten-Standort Genf

Das neue Kapitel der zentraleuropäischen Provinz schlägt der Österreicher Bernhard Bürgler auf. Im Gespräch mit kath.ch bekennt er sich klar zum Standort Schweiz – und explizit auch zum Standort Genf. Viele Organisationen können sich das teure Pflaster in Genf nicht leisten und verlegen ihre Büros.

Der "Palais des Nations" ist der UN-Sitz in Genf.
Der "Palais des Nations" ist der UN-Sitz in Genf.

Die Internationale Katholische Migrationskommission wird aus Kostengründen nach Rom ziehen. Bereits 2014 zog die Weltgemeinschaft Reformierter Kirchen von Genf nach Hannover.

Die Genfer Jesuiten-Kommunität habe nichts zu befürchten, stellt der neue Provinzial klar. In Genf engagieren sich die Jesuiten etwa in der Flüchtlingsarbeit oder bei der Internationalen Arbeitsorganisation.

Europa verrät sein jüdisch-christliches Erbe

Das gute Wetter weckt die Hoffnung vieler Flüchtlinge, die Überfahrt nach Europa selbst in instabilen Booten zu überleben. Die jüngste Katastrophe vor der libyschen Küste führt uns vor Augen, dass trotz Corona Millionen von Menschen auf der Flucht sind. Papst Franziskus spricht von einer «Schande», da den Flüchtlingen nicht geholfen wurde.

Solidarität mit Flüchtlingen: «Angels Unawares» von Timothy Schmalz auf dem Petersplatz in Rom.
Solidarität mit Flüchtlingen: «Angels Unawares» von Timothy Schmalz auf dem Petersplatz in Rom.

Wäre ein Flugzeug ins Mittelmeer gestürzt – die halbe Welt wäre mobilisiert worden, um Suchtrupps zu stellen. Europa verrät wieder einmal sein jüdisch-christliches Erbe. Die Gemeinschaft von «Sant’Egidio» Schweiz fordert Korridore für Flüchtlinge. Ich höre jetzt schon die SVP toben – und entgegne: «Darum sollt ihr auch die Fremdlinge lieben; denn ihr seid auch Fremdlinge gewesen in Ägyptenland.»

«Bild des Tages»: Wir suchen Marias!

Der Mai ist nicht nur ein Wonnemonat, sondern auch ein Marienmonat. Wir werden im Monat Mai in unserer Rubrik «Bild des Tages» 31 Marienbilder zeigen. Wer ein Foto im Querformat beisteuern möchte, bitte an rauchzeichen@kath.ch mailen.

Plakat mit Maria und Plattenspieler in der Veteranen-Strasse in Berlin-Mitte.
Plakat mit Maria und Plattenspieler in der Veteranen-Strasse in Berlin-Mitte.

Nicht für fromme Marias, sondern für engagierte Frauen in der Welt von heute wirbt der Tag der Diakonin am Donnerstag, 29. April. Verbände drängen weiter auf eine Öffnung des sakramentalen Diakonats für Frauen. Im Mittelpunkt soll die Frage nach Geschlecht und Gerechtigkeit stehen.

Peter Camenzind beginnt am 1. Mai

Jeweils am ersten Wochenende im Mai feiern Regenbogenfamilien rund um die Welt den «International Family Equality Day». So auch in der Schweiz. In Zeiten, da die Frage von Regenbogenfamilien zum Streitfall der kommenden «Ehe für alle»-Abstimmung wird, werden wir genauer auf die Regenbogenfamilien hinschauen.

Peter Camenzind
Peter Camenzind

Am Samstag dürften auch Luis Varandas und Peter Camenzind ihre Arbeit als Generalvikare aufnehmen. Offiziell will das noch niemand bestätigen. Allerdings verschickt Peter Camenzind schon Lebensläufe mit entsprechendem Datum.

Krisengespräch mit umstrittenem Vikar

Auf Luis Varandas warten spannende Dossiers. Etwa, was mit dem umstrittenen Vikar Philipp Isenegger geschieht. Er empfahl eiskalte Duschen statt Onanie.

Kürzlich gab es ein Krisengespräch zwischen Isenegger, Bischof Joseph Bonnemain und dem Personalverantwortlichen Urs Länzlinger. «Über laufende Gespräche erteilen wir keine Auskunft», sagt Sprecher Arnold Landtwing. Das umstrittene Video ist nach wie vor auf YouTube zu sehen.

Vikar Philipp Isenegger – im Hintergrund die Verzückung der Heiligen Theresa.
Vikar Philipp Isenegger – im Hintergrund die Verzückung der Heiligen Theresa.

Wer die Bistums-Homepage durchforstet, wird bemerkt haben, dass folgender Name fehlt: «Joseph P. Ramm Martin, FSSP, Delegierter des Apostolischen Administrators für die Angelegenheiten der Ausserordentlichen Form des Römischen Ritus». Es handelt sich um den Zuständigen für die Petrusbrüder – also jene Traditionalisten, die anders als die Piusbrüder keine Schismatiker sind.

«Bischof Bonnemain macht sich noch Gedanken»

«Betreffend der geeigneten Art, die Gläubigen des ausserordentlichen Ritus zu begleiten, macht sich Bischof Bonnemain noch Gedanken. Er wird dies im Bischofsrat besprechen und dann auch darüber informieren», teilt Landtwing mit.

Eine moderne Skulptur der St. Galler Stadtheiligen Wiborada.
Eine moderne Skulptur der St. Galler Stadtheiligen Wiborada.

Am Sonntag ist Wiborada-Tag. Eine Holzskulptur der Heiligen Wiborada wird von der Gruppe «Kirche mit* den Frauen» in der Kathedrale abgeholt und in einer feierlichen Prozession nach St. Mangen transportiert. Dann wird auch Hildegard Aepli ihre Klausur beendet haben.

Das blühende Leben von heute

Für meinen Geschmack hat diese Woche etwas viel Reliquien und alte Heilige – egal ob sie Canisius, Wiborada oder Margareta heissen. Ich freue mich auf einen blühenden Mai – und auf das blühende Leben von heute.

Falls Sie die spannendste politische Gegenwartsautorin (Carolin Emcke) und die spannendste katholische Ethikerin (Regina Ammicht Quinn) erleben wollen, empfehle ich Ihnen dieses Video:

Ich wünsche Ihnen einen guten Start in die Woche mit viel Wonne. Was wird nächste Woche wichtig? Ich freue mich über Ihr Feedback an rauchzeichen@kath.ch.

Herzlich

Ihr

Raphael Rauch


Flüchtlinge auf Gran Canaria | © Raphael Rauch
26. April 2021 | 05:00
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