Ines Schaberger, römisch-katholische Theologin
Schweiz

Ines Schaberger: «Menschlichkeit wird es in 70 Jahren noch brauchen»

Das «Wort zum Sonntag» wird 70 Jahre alt. Sprecherin Ines Schaberger fühlt sich geehrt, bei einer Jubiläums-Sendung mitgewirkt zu haben. «Es geht darum, zu zeigen, wie sehr sich Fernsehen, Kirche und Gesellschaft verändert haben.»

Jacqueline Straub

Am kommenden Wochenende feiert das «Wort zum Sonntag» sein 70-Jahr-Jubiläum. Wie war es für Sie, bei der Jubiläums-Sendung mitwirken zu dürfen?

Ines Schaberger*: Es war mir eine Ehre. Insbesondere, dass ich als junge Frau der Kirche ein Gesicht zur Jubiläums-Sendung geben durfte. Denn vor 70 Jahren wäre es noch undenkbar gewesen, dass eine Frau sowie eine Migrantin (Schaberger stammt aus Österreich, d.Red.) das «Wort zum Sonntag» spricht. 

Pfarrer Ernst Sieber im Jahr 2017
Pfarrer Ernst Sieber im Jahr 2017

Was wird speziell sein an dieser Ausstrahlung?

Schaberger: Aus dem Archiv haben wir einige Perlen ausgegraben, zum Beispiel die erste uns erhaltene Sendung aus dem Jahr 1966, spektakuläre Auftritte von Pfarrer Ernst Sieber oder eine Kennmelodie mit Disko-Sound aus den 1990ern. Ich moderiere die Beiträge an und reagiere darauf, ein bisschen im Stil der «Reaction Videos», die auf Social Media recht beliebt sind.

Gibt es ein spezielles Thema?

Schaberger: Es geht darum, zu zeigen, wie sehr sich das «Wort zum Sonntag» und damit auch Fernsehen, Kirche und Gesellschaft in den vergangenen 70 Jahren verändert haben. Das Anliegen, dass religiös fundierte Äusserungen auch mal die Kirchenmauern verlassen, ist aber gleich geblieben.

«Es ist nicht alles ganz ernst gemeint in der Sendung.»

Was hat Ihnen gefallen an der Aufzeichnung der Jubiläums-Sendung?

Schaberger: Ich liebe es, anlässlich von Geburtstagen oder Jubiläen alte Fotos und Videos anzusehen: Da erinnere ich mich dankbar zurück an das, was war und schöpfe neue Kraft und Inspiration für den weiteren Weg. Ausserdem war es mir ein Anliegen, das zu Recht sehr seriöse Format anlässlich des 70. Geburtstags einmal aufzulockern – es ist also nicht alles ganz ernst gemeint in der Sendung.

Wurde in der Jubiläums-Sendung biblisch-theologisch mit der Zahl 70 gespielt?

Schaberger: Nein, die Sendung ist mehr ein Rückblick auf 70 Jahre «Wort zum Sonntag». Ich spiele aber mit dem Bild, dass das «Wort zum Sonntag» «Geburtstag» feiert und erwähne augenzwinkernd, dass es damit mehr als doppelt so alt ist wie ich es bin.

Das "Wort zum Sonntag" hat eine neue Kulisse. Seit 3. Oktober 2022 ist ein neues Team auf Sendung. Es besteht aus zwei Frauen und drei Männern. Lenz Kirchhofer, Ines Schaberger, Ruedi Heim, Manuel Dubach, Lea Wenger-Scherler.
Das "Wort zum Sonntag" hat eine neue Kulisse. Seit 3. Oktober 2022 ist ein neues Team auf Sendung. Es besteht aus zwei Frauen und drei Männern. Lenz Kirchhofer, Ines Schaberger, Ruedi Heim, Manuel Dubach, Lea Wenger-Scherler.

Denken Sie, dass es das «Wort zum Sonntag» auch noch in 70 Jahren geben wird?

Schaberger: Ich gehe davon aus, dass es in 70 Jahren kein lineares Fernsehen mehr geben wird in der Form, wie wir es heute kennen. Das «Wort zum Sonntag» funktioniert jedoch stark mit dem Prinzip der Personalisierung: Da sprechen echte Menschen aus christlicher Perspektive zum Zeitgeschehen, oft verknüpft mit persönlicher Erfahrung und echtem Tiefgang. Menschlichkeit und Tiefgang wird es auch in 70 Jahren noch brauchen. Insofern wünsche ich mir, dass geeignete Wege gefunden werden, dies auch die nächsten 70 Jahre auf ansprechende und zeitgemässe Art und Weise zu bieten.

*Ines Schaberger ist Theologin und «Wort zum Sonntag»-Sprecherin.

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Ines Schaberger, römisch-katholische Theologin | © SRF
5. Juni 2024 | 12:00
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