Petersdom in Rom
Vatikan

«Ihr seid Erben der Mutter Russland»: Vatikan verteidigt Papst-Worte zu russischen Zaren

Der Vatikan hat auf ukrainische Kritik an Worten des Papstes über zwei russische Herrscher des 17. und 18. Jahrhunderts reagiert. Mit seinen spontan formulierten Worten habe der Papst russische Jugendliche ermutigt, das beizubehalten, was es an Positivem im grossen kulturellen und geistlichen Erbe Russlands gebe.

Die imperialistischen Konzepte und die Persönlichkeiten früherer Epochen, die er lediglich genannt habe, um den historischen Zeitraum anzugeben, habe der Papst damit in keiner Weise loben wollen, erklärte der Vatikan-Sprecher.

Papst Franziskus mit ukrainischer Flagge, Juni 2023
Papst Franziskus mit ukrainischer Flagge, Juni 2023

Ukraine kritisiert Papst-Worte

Am Vortag hatte der Sprecher des ukrainischen Aussenministeriums, Oleh Nikolenko, auf Facebook geschrieben: «Es ist sehr bedauerlich, dass russisches Grossmachtdenken, das in Wirklichkeit die Ursache für Russlands chronische Aggressivität ist, bewusst oder unbewusst aus dem Mund des Papstes kommt.» Mit solch «imperialistischer Propaganda» und der Behauptung, das grosse Russland müsse gerettet werden, rechtfertige der Kreml die Ermordung Tausender Ukrainer.

«Ihr seid Erben der grossen Mutter Russland, macht weiter damit».

Papst Franziskus

Franziskus hatte am Freitag in einem Video-Gespräch zu jungen Menschen in Russland gesagt: «Vergesst niemals das Erbe. Ihr seid Erben des grossen Russlands: des grossen Russlands der Heiligen, der Könige, des grossen Russlands von Peter dem Grossen, von Katharina II.» Dieses Reich habe eine grosse Kultur und «viel Menschlichkeit» besessen. «Ihr seid Erben der grossen Mutter Russland, macht weiter damit».

Swjatoslaw Schewtschuk, Erzbischof von Kiew und Grosserzbischof von Kiew-Halytsch der Ukrainischen Griechisch-Katholischen Kirche.
Swjatoslaw Schewtschuk, Erzbischof von Kiew und Grosserzbischof von Kiew-Halytsch der Ukrainischen Griechisch-Katholischen Kirche.

«Grosser Schmerz und Sorge»

Das Oberhaupt der mit Rom verbundenen ukrainischen griechisch-katholischen Kirche, Großerzbischof Swjatoslaw Schewtschuk, reagierte «mit grossem Schmerz und grosser Sorge». Die Äusserung habe in der ukrainischen Gesellschaft eine «tiefe Enttäuschung» verursacht, hob er in einer schriftlichen Erklärung hervor.

«Schlimmstes Beispiel für Imperialismus»

Die Worte über das grosse Russland Peters des Grossen und Katharina der Grossen seien «das schlimmste Beispiel für Imperialismus und extremen russischen Nationalismus». Es bestehe die Gefahr, dass sie als Unterstützung für den Nationalismus und Imperialismus verstanden würden, der für den Krieg gegen die Ukraine verantwortlich sei, so der Geistliche.

Stellungnahme des Vatikans gefordert

Schewtschuk verlangte eine Stellungnahme des Vatikans: «Um jegliche Manipulation der Absichten, des Kontextes und der Aussagen, die dem Heiligen Vater zugeschrieben werden, zu vermeiden, erwarten wir vom Heiligen Stuhl, dass er diese Situation erklärt.»

Papst Franziskus steht am Fenster des Apostolischen Palastes beim Angelus-Gebet am 18. Juni 2023 im Vatikan.
Papst Franziskus steht am Fenster des Apostolischen Palastes beim Angelus-Gebet am 18. Juni 2023 im Vatikan.

«Brückenbauer sein»

Die spontan formulierten Worte des Papstes auf Spanisch hat der Vatikan auf seiner Homepage nicht veröffentlicht, sie verbreiteten sich dennoch über digitale Netzwerke. Auf der Vatikanseite heisst es stattdessen: «Ich lade euch ein, Brückenbauer zwischen den Generationen zu sein und die Träume derer anzuerkennen, die euch vorausgegangen sind. Das Band der Generationen hält die Geschichte und die Kultur eines Volkes lebendig. Ich wünsche euch, junge Russen, die Berufung, Friedensstifter inmitten all dieser Konflikte zu sein.»

Papst entschiedener Gegner von Imperialismus

Die Vatikanbotschaft in Kiew hatte bereits am Montag die Interpretation dementiert, dass Franziskus junge russische Katholiken ermutigt hätte, «sich von historischen russischen Persönlichkeiten inspirieren zu lassen, die für imperialistische und expansive Ideen und Handlungen bekannt sind, die sich negativ auf die benachbarte Bevölkerung, einschliesslich des ukrainischen Volkes, ausgewirkt haben». Der Papst sei «ein entschiedener Gegner und Kritiker jeglicher Form von Imperialismus oder Kolonialismus bei allen Völkern und in allen Situationen.» (cic)


Petersdom in Rom | © Andrea Krogmann
29. August 2023 | 13:00
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