Melanie Keller (rechts) und Roman Rieger von der Cityseelsorge Lebensraum St. Gallen | © Barbara Ludwig
Schweiz
Melanie Keller (rechts) und Roman Rieger von der Cityseelsorge Lebensraum St. Gallen | © Barbara Ludwig

«Ich möchte die Ausstrahlung des Papstes erleben»

St. Gallen/Genf, 21.6.18 (kath.ch) 35 Gläubige aus der Ostschweiz reisen am Donnerstag mit der St. Galler Cityseelsorge zur Papstmesse nach Genf. Fünf Stunden dauert die Fahrt mit dem Postauto von St. Gallen an den Genfersee. Voraussichtlich. Doch die Teilnehmerinnen und Teilnehmer der Reise freuen sich auf den abendlichen Gottesdienst mit Papst Franziskus.

Barbara Ludwig

Es ist heiss, vor allem wenn die Fahrt wegen eines Staus auf der A 1 ins Stocken kommt. Eine Klimaanlage gibt es nicht in dem Postauto – Marke Saurer, Jahrgang 1983. Aber kühle Luft, wenn das Fahrzeug schnell unterwegs ist. Um neun Uhr sind die 35 Katholikinnen und Katholiken, in der Mehrheit Menschen über 50, aus der Region St. Gallen gestartet. Sie freuen sich auf den Tag und die Messe mit Papst Franziskus in den Genfer Palexpo-Hallen am Donnerstagabend.

Dem Papst endlich «live» begegnen

Einige, die gegenüber kath.ch Auskunft geben, sehen das katholische Kirchenoberhaupt heute Donnerstag zum ersten Mal «live». Dass sich mit der Reise von Papst Franziskus in die Schweiz die Möglichkeit ergibt, ihm zu begegnen, reizt sie. «Ich bin gespannt, wie der Papst live auf mich wirkt», sagt Andreas Raschle (53) aus Arbon im Kanton Thurgau. Und Toma Nikaj (50) aus Heerbrugg im St. Galler Rheintal dachte sich: «Wenn er in die Schweiz kommt, will ich die Gelegenheit packen und mich zur Reise nach Genf anmelden.»

Melanie Keller (rechts) und Roman Rieger von der Cityseelsorge Lebensraum St. Gallen | © Barbara Ludwig

Annemarie Ludwig (76) hat schon mal an einer Generalaudienz mit Franziskus in Rom teilgenommen. Die Witwe aus St. Gallen schaut sich jeden Sonntag das Angelus-Gebet des Papstes am Fernsehen an und jede Festmesse, die der italienische Fernsehsender RAI Uno überträgt. Jetzt will sie ihn noch näher erleben. Sie gesteht: «Ich möchte seine Anwesenheit physisch geniessen. Seine Ausstrahlung und die Art und Weise, wie er Menschen begegnet.» Annemarie Ludwig möchte auch erfahren, wie es dem Papst geht, «wie er zwäg ist». Die Dame freut sich auf die Stimmung im Gottesdienst, «mit den vielen Leuten».

«Andere Stimmung» als am Weltjugendtag

Melanie Keller (27) begleitet ihren Mann, den Chauffeur des Postautos. Nach dem Start der Reise hat sie zum Zopfbrot Kaffee serviert. Für die Pflegefachfrau aus Niederwil spielt das Live-Motiv offenbar weniger einer Rolle. Sie war schon am Weltjugendtag in Krakau 2016 dabei, wo sie Papst Franziskus gleich mehrfach begegnen konnte. Sie freut sich vor allem auf die Messe in den Palexpo-Hallen. «Es wird aber eine ganz andere Stimmung sein als am Weltjugendtag», sagt die junge Frau, die wie viele andere Teilnehmerinnen aus der Ostschweiz eine Kette mit Kreuzanhänger trägt. Dort sei die Stimmung jeweils «so aufgeputscht wie wenn vorne ein Popstar stehen würde». In Genf werde wohl eine «andere Klientel» an der Eucharistiefeier teilnehmen, meint sie.

«Er verkörpert alles, was ich von einem Papst wünsche.»

Die angesprochenen Personen schätzen Papst Franziskus. Dies war für manche wohl auch ein Grund, sich zur Reise nach Genf anzumelden. Annemarie Ludwig sagt: «Er verkörpert alles, was ich von einem Papst wünsche.» Sie zählt auf: Einsatz für Arme und Flüchtlinge, das Interesse auch an Nichtchristen und an Menschen, die Schuld auf sich geladen haben oder einen «schwierigen Hintergrund» haben.

Andreas Raschle sagt: «Papst Franziskus lebt, was er predigt. Und er ist nahe bei den Menschen.» Toma Nikaj schwärmt: Er sei «extrem lebendig», ein «aktiver» Papst, der aufräumen und Misssstände in der Kirche beseitigen wolle. Melanie Keller schätzt ebenfalls, dass Franziskus «das, was er predigt, vorlebt» und nahe bei den Menschen sei.

Hoffnung auf Stärkung des Glaubenslebens

Die junge Frau hofft, dass sie im Gottesdienst vom Papst einen «guten Input bekommt, den ich in meinem Leben nutzen kann». Und dass seine Predigt sie anspreche. Annemarie Ludwig wünscht sich, dass der Besuch von Papst Franziskus zu einer «Stärkung des Glaubenslebens» in der Schweiz führt. Toma Nikaj hegt einen ähnlichen Wunsch: «Es wäre schön, wenn er mehr junge Leute für die Kirche begeistern könnte.»

Andreas Raschle hingegen sagt, man dürfe die Erwartungen an den Papstbesuch «nicht zu hoch» setzen. Er glaube nicht, dass er zu grundlegenden Änderungen in der Kirche oder gar in der Schweiz führen werde. Dafür sei der Besuch des Kirchenoberhauptes viel zu kurz. Dass die Visite des Papstes, der sich nur für zehn Stunden in der Schweiz aufhält, tatsächlich Veränderungen in der Schweiz bewirken kann, glaubt auch Melanie Keller nicht.

Halb zwei an einer Autobahnraststätte in der Nähe von Estavayer-le-Lac. Es ist vielleicht 30 Grad im Postauto, als die Gläubigen aus der Ostschweiz nach dem Mittagessen wieder einsteigen. Die Stimmung ist heiter, man unterhält sich, die Leute lachen. Rechts der Ausblick auf den Neuenburgersee – der kurz Badephantasien weckt – dahinter erstreckt sich der Jura. Die Fahrt bis nach Genf dauert noch eineinviertel Stunden, sagt Chauffeur Tobias Keller. Das Postauto ist nun ziemlich schnell unterwegs.

Annemarie Ludwig | © Barbara Ludwig
Annemarie Ludwig | © Barbara Ludwig
Melanie Keller | © Barbara Ludwig
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Toma Nikaj | © Barbara Ludwig
Toma Nikaj | © Barbara Ludwig
Andreas Raschle (rechts) auf der Fahrt | © Barbara Ludwig
Andreas Raschle (rechts) auf der Fahrt | © Barbara Ludwig
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