Schweiz

Huonder schickt Pfarrer von Bürglen weg: Generalvikar Kopp wurde übergangen

leicht ergänzte und aktualisierte Fassung vom 9.2.15 – neue Meldung mit neuer Entwicklung in Bürglen folgt heute

Brunnen LU/Bürglen UR, 10.2.15 (kath.ch) Der Pfarrer von Bürglen, Wendelin Bucheli, soll seine Pfarrei verlassen, weil er im vergangenen Oktober in der Pfarrkirche ein lesbisches Paar gesegnet hat. So will es der Churer Bischof Vitus Huonder. Der für die Urschweiz zuständige Generalvikar, Martin Kopp, stellte am Montag, 9. Februar, gegenüber kath.ch klar, er sei in diesen Entscheid «in keiner Weise einbezogen worden». Die Katholiken des Bergdorfes wollen ihren Pfarrer behalten. Am Montagabend traf sich der Kirchenrat zu einer Krisensitzung. Und im Internet läuft eine Petition pro Bucheli – mit bereits gegen 3000 Unterschriften.

Barbara Ludwig

«Meine Kenntnisse der Urschweiz und besonders von Uri hätten helfen können», stellt der übergangene Generalvikar fest. Die Segnung des Lesben-Paares, die Pfarrer Bucheli im Oktober vergangenen Jahres vorgenommen hatte, hält Kopp jedoch für einen «unklugen Akt», wie er gegenüber kath.ch sagte. Grund: Eine solche Feier erwecke den Eindruck, der Pfarrer habe «die beiden Personen getraut». «Ich bedauere deshalb, dass diese Segnung stattgefunden hat, weil sie zu Missverständnissen Anlass gibt.»

Das letzte Wort noch nicht gesprochen?

Kopp lobt Bucheli aber als «ausserordentlich guten, geschätzten und bewährten Pfarrer und Seelsorger». Der Generalvikar lässt durchblicken, dass er die vom Churer Bischof geforderte Demission für eine zu harte Strafe hält. «Ich hoffe, dass das letzte Wort noch nicht gesprochen ist. Es gibt noch viele Wege in dieser Sache. Das ist meine persönliche Überzeugung», so Kopp.

In der Pfarrei habe die Segnung der beiden Frauen nicht zu einem Ärgernis geführt, sagte Kirchenratspräsidentin Susanne Bätscher-Planzer am Montag, 9. Februar, gegenüber kath.ch. Es habe einzelne Stimmen gegeben, die die Handlung nicht gutgeheissen hätten. «Im Grossen und Ganzen haben das aber alle gut gefunden.» Bucheli selber hatte letzten Herbst gegenüber dem «Urner Wochenblatt» (31. Oktober 2014) gesagt, er habe vor der Durchführung der Segnung das ganze Pfarreiteam, den Kirchenrat und den Pfarreirat informiert. Alle hätten seinen Entscheid unterstützt.

Nicht zufrieden mit der Segenshandlung des Pfarrers ist das Bistum Chur. Mehr als drei Monate nach der umstrittenen Handlung teilte es am Sonntag, 8. Februar, mit, der Westschweizer Bischof Charles Morerod, rufe «nach Absprache mit Bischof Vitus Huonder» Bucheli in sein Heimatbistum zurück. Über diese Pläne war der Kirchenrat nach Angaben von Bätscher am Sonntag bereits informiert: Huonder und der Pfarrer hätten am Montag, 2. Februar, ein Gespräch über die Angelegenheit gehabt. Am letzten Donnerstag, 5. Februar, sei dann ein Schreiben des Bischofs bei Wendelin Bucheli eingetroffen, in dem der Bischof den Pfarrer aufforderte, seine Demission einzureichen.

NZZ-Artikel «schlug wie eine Bombe ein»

Dennoch «schlug» der Beitrag in der «NZZ am Sonntag» (8. Februar) in der Gemeinde «wie eine Bombe ein», sagte Bätscher. Die Zeitung machte unter dem Titel «Auf den Segen folgt die Strafe» publik, dass Huonder den Pfarrer zurück in die Westschweiz schicken will. «Ich erfuhr nach dem Sonntagsgottesdienst per SMS von dem Artikel in der Zeitung», so Bätscher. Die Pfarrei ist seither in Aufruhr. Denn der Kirchenrat hatte zunächst in Ruhe erste Schritte planen und erst nachher an die Presse gehen wollen, um Bucheli zu «schonen». Nun war die «NZZ am Sonntag» schneller.

Die Katholiken von Bürglen wollen ihren Pfarrer behalten. Die Stimmung in der Gemeinde sei «sehr kämpferisch», sagte Bätscher. Sie habe zahlreiche Telefonanrufe von Gläubigen erhalten, die ihren Pfarrer nicht hergeben wollen. Am Montagabend trifft sich der Kirchenrat zu einer Krisensitzung, um das weitere Vorgehen zu besprechen. «Wir werden versuchen, mit Chur ins Gespräch kommen.»

Das Bistum Chur war auf Anfrage von kath.ch mit folgenden Worten ihres Sprechers Giuseppe Gracia nicht zu einer Stellungnahme gegenüber kath.ch bereit: «Aufgrund der aktuellen Situation, welche für uns keine Vertrauensgrundlage für eine Zusammenarbeit mit dem Medienzentrum ermöglichen, kann ich leider auf keinerlei Anfragen seitens ihrer Redaktion eingehen, ganz unabhängig vom Thema.»

Unterdessen haben Private auf der Internetplattform avaaz.org eine Bürgerpetition lanciert. «Bischof Vitus Huonder: Pfarrer Wendelin Bucheli muss in Bürglen, UR Schweiz bleiben», heisst es in der Petition, die bereits von über 2.700 Personen (Stand 10.2.15, 10.30 Uhr) unterzeichnet wurde. Bätscher sagte, der Kirchenrat von Bürglen habe nichts mit dieser Initiative zu tun.

Pfarrer erlitt Hirnschlag – nach Publikation in den Medien

Der Fall Bucheli hat auch eine tragische Komponente. Wenige Tage nach der Segnung des lesbischen Paares, am Tag nach der ersten Publikation in einem Medium, erlitt Bucheli einen Hirnschlag, sagte Kopp gegenüber kath.ch. Noch heute ist der Geistliche laut Kirchenratspräsidentin Bätscher zu 50 Prozent krank geschrieben. (kath.ch)

Martin Kopp, Generalvikar für die Urschweiz | © zVg
10. Februar 2015 | 10:20
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