Johannes Stückelberger wird für sein Lebenswerk geehrt.
Schweiz

Herbert Haag-Preis würdigt Begründer des Schweizer Kirchenbautages

Der Herbert Haag-Preis 2027 geht an Personen und eine Luzerner Pfarrei, die sich für zukunftsfähige Nutzungen von Kirchenräumen einsetzen. Der Schweizer Kunsthistoriker Johannes Stückelberger wird für sein Lebenswerk geehrt.

Regula Pfeifer

Die Herbert Haag-Stiftung verleiht ihre Preise von 2027 unter dem Motto «Kirchenbauten als Orte des gesellschaftlichen Zusammenhalts». Sie zeichnet damit Persönlichkeiten und Projekte aus, die sich dafür einsetzen, dass Kirchenräume durch erweiterte Nutzung und Umnutzung zukunftsfähig ausgerichtet werden. So würden diese vor Verfall, Abriss, Verkauf sowie Privatisierung und Kommerzialisierung bewahrt, heisst es in der Mitteilung.

Der Kirchenbautag-Begründer

Den Preis für sein Lebenswerk hat sie dem Schweizer Kunsthistoriker Johannes Stückelberger zugesprochen. «Stückelberger ist im gesamten deutschen Sprachraum ein anerkannter Referent und Berater, wenn es um die Umnutzung und Modernisierung von Kirchenräumen geht», heisst es in der Mitteilung.

Matthias Haag referiert an der Kirchenbautagung 2023 über "Eckpfeiler kirchlicher Immobilienstrategien".
Matthias Haag referiert an der Kirchenbautagung 2023 über "Eckpfeiler kirchlicher Immobilienstrategien".

Stückelberger ist Dozent für Religions- und Kirchenästhetik an der Universität Bern und emeritierter Titularprofessor für Neuere Kunstgeschichte an der Universität Basel. Er hat den Schweizer Kirchenbautag begründet. Dieser findet alle zwei Jahre statt und bringt Fachleute aus Architektur, Theologie, Denkmalpflege und Politik zusammen, um über den Erhalt und die Zukunft von Kirchengebäuden zu diskutieren.

Datenbank zu Kirchenumnutzungen

Der Kunsthistoriker betreut auch die nationale Datenbank «Kirchenumnutzungen in der Schweiz». Diese dokumentiert, wie Sakralbauten aufgrund schwindender Mitgliederzahlen umgestaltet, erweitert oder gemeinschaftlich neu genutzt werden können. Stückelberger plädiere dafür, Kirchenbauten als «kulturelle Ankerpunkte» im Besitz der Kirchgemeinden zu belassen, anstatt sie voreilig zu verkaufen, heisst es in der Mitteilung.

Unter anderem hat Stückelberger als Experte die reformierte Kirche Bern-Jura-Solothurn bezüglich «Kirchenbau und Kirchenästhetik» beraten. In deren Auftrag erstellte er die Praxishilfe «Erweiterte Nutzung kirchlicher Gebäude». Diese diene Kirchgemeinden als Leitfaden, um sakrale Räume für zusätzliche gemeinschaftliche Zwecke zu öffnen, so die Mitteilung.

Deutsches Manifest «Kirchen sind Gemeingüter!»

Ein weiterer Preis geht an die deutschen Professorinnen Karin Berkemann, Stefanie Lieb und Barbara Welzel. Sie hatten sich führend für das 2024 veröffentlichte Kirchenmanifest «Kirchen sind Gemeingüter!» engagiert. Und damit die Diskussion über den Umgang mit Sakralbauten in Deutschland geprägt.

Laut dem Kirchenmanifest dürfen Kirchengebäude nicht stillschweigend privatisiert oder abgerissen werden. Denn sie seien «Zeugnisse des europäischen Kulturerbes und und soziale Ankerpunkte vor Ort».

Forschung und Beratung

Die drei deutschen Preisträgerinnen forschen und beraten zur Thematik. Die evangelische Theologin und Kunsthistorikern Karin Berkemann ist Professorin für Baugeschichte und Denkmalpflege an der Hochschule in Anhalt. Sie berät Institutionen bei der Erschliessung und Umnutzung sakraler Bauten und fokussiert dabei auf Mischnutzung.

Die Kunst- und Architekturwissenschaftlerin Stefanie Lieb lehrt als Professorin für Architekturgeschichte am Kunsthistorischen Institut der Universität Köln. Sie engagiert sich führend im Forschungsprojekt Transara zur «Sakralraumtransformation – Funktion und Nutzung religiöser Orte in Deutschland». Als Beraterin ist sie Bindeglied zwischen Wissenschaft, Kirche und Denkmalschutz.

Mirjam Furrer in der Maihof-Kirche. Sie leitet die Pfarrei.
Mirjam Furrer in der Maihof-Kirche. Sie leitet die Pfarrei.

Die Kunsthistorikern Barbara Welzel ist Professorin für Kunstgeschichte und Kulturelle Bildung an der Technischen Universität Dortmund. Sie war Beiratsvorsitzende des nationalen Förderprogramms «Kirchturmdenken». Das Projekt unterstützte 2021/2022 modellhaft Bürgerinitiativen, die Kirchenbauten als Orte kultureller Teilhabe, Dorfgemeinschaftshäuser, Bibliotheken oder Kulturzentren retten wollen.

Der Maihof als Quartierzentrum

Den dritten Herbert Haag-Preis erhält die Pfarrei St. Josef in Luzern, bekannt unter dem Namen «der Maihof». Dies für ihr Engagement als «Kirche im Quartier – Räume für Menschen». Die Pfarrei verstehe sich als Begegnungsort für alle Menschen, unabhängig von ihrer religiösen oder konfessionellen Zugehörigkeit, heisst es.

Sie habe ihren Kirchenraum baulich transformiert und damit eine multifunktionale Raumnützung ermöglicht. So finden darin nicht nur Gottesdienste, sondern auch gesellschaftliche und kulturelle Anlässe statt – etwa Konzerte, Ausstellungen, Musikproben und Familienfeste.

Die Herbert Haag-Preisverleihung findet am 14. März 2027, um 15.30 Uhr, in der Lukaskirche (Morgartenstrasse 16) in Luzern statt.

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Die Herbert Haag Stiftung

Die Stiftung wurde 1985 vom Schweizer Theologen Herbert Haag gegründet. Sie setzt sich aus einer biblischen Perspektive für Freiheit und Befreiung, für Solidarität und Demokratie ein. Insbesondere fördert sie den ökumenischen Dialog zwischen den christlichen Bekenntnissen, das interreligiöse Gespräch unter den Religionen sowie die Diskussion von Kirchen und Religionsgemeinschaften mit säkularen, nicht-religiösen Institutionen und Bewegungen. Auch ihre Preisverleihungen und Projekte richten sich nach diesen Zielen aus. Der Herbert Haag Preis ist mit 10’000 Franken je Preisträgerin und Preisträger dotiert. (rp)


Johannes Stückelberger wird für sein Lebenswerk geehrt. | © zVg
28. September 2026 | 13:15
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