Hat KI eine Seele? Seelsorger fordert mit Dialogpredigt im Sonntagsgottesdienst die KI heraus
Der Papst hat eine Enzyklika zu Künstlicher Intelligenz (KI) geschrieben. Diese erscheint in Kürze. Pfarreiseelsorger Thomas Wehrli (57) hält wenige Tage später in der Eusebiuskirche in Grenchen einen Gottesdienst zu KI und Menschenwürde. Dabei inszeniert er eine Dialogpredigt zwischen Mensch und Maschine.
Wolfgang Holz
«Gott schuf den Menschen nach seinem Bild. Jetzt schafft der Mensch die Maschine – und gibt ihr Macht über Leben und Tod. Das ist nicht mehr Sciencefiction, das ist Gegenwart», so skizziert Thomas Wehrli, Pfarreiseelsorger in Grenchen und Bettlach, im solothurnischen Pastoralraum Wandflue, seine Sicht auf die neue Technologie.
Wollte schon als Kind Priester werden
«Wir erleben gerade einen historischen Umbruch», sagt Theologe Thomas Wehrli, der 30 Jahre lang als Journalist in verschiedenen Medien arbeitete und auch einige Jahre lang die rechte Hand eines aargauischen Regierungsrats war. Seit drei Jahren hat er Erfüllung in seinem neuen Beruf als Pfarreiseelsorger gefunden. Schon als Kind habe er Priester werden wollen, erklärt der 57-Jährige, der verheiratet ist, gegenüber kath.ch.
«Zum ersten Mal hat der Mensch nicht einfach eine Maschine erschaffen, sondern ein System, das Sprache, Denken und menschliches Verhalten nachahmt.»
Doch zurück zu KI. Thomas Wehrli bezeichnet sich selbst als kritischer KI-Anwender. Er kennt die Faszination dieser Technologie. Und er kennt ihre Abgründe – samt ihrer Fehlerhaftigkeit und ihrer falschen Antworten
«Zum ersten Mal hat der Mensch nicht einfach eine Maschine erschaffen, sondern ein System, das Sprache, Denken und menschliches Verhalten nachahmt – und damit die Frage aufwirft, was den Menschen überhaupt noch einzigartig macht.»
Im Dialog mit KI als Predigt
In einer Dialogpredigt, die es so aus seiner Sicht noch nie gegeben hat, will er im Gottesdienst «für alle, die noch Fragen stellen» am Sonntag, 31. Mai, um 10 Uhr, in der Grenchner Eusebiuskirche die KI herausfordern.
«Ich werde mich per Sprachfunktion mit ChatGPT oder mit einer anderen KI unterhalten und dabei versuchen, diese in ein Gespräch zu verwickeln. Live, ohne doppelten Boden.» Fragen, denen er während seiner Dialog-Predigt auf den Grund gehen will und die ihn bewegen, sind unter anderem: Hat KI eine Seele? Oder verliert man im Umgang mit ihr langsam die eigene?
«Die entscheidende Frage ist nämlich nicht, ob KI irgendwann menschlich wird», ist Wehrli überzeugt. «Die entscheidende Frage ist, ob der Mensch menschlich bleibt, wenn Denken, Entscheiden und sogar Mitgefühl zunehmend von Maschinen übernommen oder simuliert werden.» Man darf gespannt sein auf den Gottesdienst, der noch weitere Themenblöcke zu KI umfasst.
*Der KI-Gottesdienst findet am Sonntag, 31. Mai, um 10 Uhr in der Eusebiuskirche in Grenchen statt.
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