Harald Schmidt schwärmt von Päpsten, Orgel und Gregorianik
Gregorianik statt «Weltgewühle»: Entertainer Harald Schmidt schätzt an der Kirche vor allem Mystik und Frömmigkeit. Welche Erfahrungen er als Kirchenmusiker gemacht hat.
(KNA) Entertainer Harald Schmidt (68) ist nach eigenen Angaben Fan aller Päpste. Im «Christ und Welt»-Interview in der «Zeit» sagte er, es werde «immer der gewählt, den die Zeit braucht». Der bekennende Katholik erläuterte, für ihn sei Glaube «fern von Theologie»: «Ich fand Ratzinger auch deshalb gut, weil er fernab vom Weltgewühle war.»
Heraustreten aus der Alltäglichkeit
Das Entscheidende in Kirche und Kirchenmusik sei für ihn das Heraustreten aus der Alltäglichkeit in Richtung Transzendenz oder Mystik: «Kirche ist nicht gemacht für selbst gestricktes kritisches Nachdenken. Es geht um Frömmigkeit.»
«Ich wollte spielen, machte das dann in Gottesdiensten, aber die alteingesessenen Organisten guckten immer kritisch.»
Schmidt ist selbst Kirchenmusiker mit C-Schein. Sein Klavierlehrer habe ihn damals gefragt, ob er Orgel spielen wolle, so der Moderator. «Ich wollte spielen, machte das dann in Gottesdiensten, aber die alteingesessenen Organisten guckten immer kritisch. Da dachte ich, ich mache die C-Ausbildung, um an denen vorbeizuziehen», berichtet der 68-Jährige.
Doch die Begabten unter den C-Schein-Anwärtern seien schon am ersten Tag besser gewesen, als er am letzten. «Ich nahm mir vor, bei der Prüfung Stücke mit nicht so vielen Vorzeichen zu spielen», so Schmidt. Er habe «wie ein Irrer» geübt. Im Musikdiktat von zweistimmigen Melodien sei er ein «Totalausfall» gewesen.
Im Chor zwischen Faltenröcken und Dutts
Als «erstes Training in Sachen Disziplin» bezeichnet Schmidt sein Mitwirken an Bachs Weihnachtsoratorium. Als Vorbereitung auf die C-Prüfung habe er im Kirchenchor im Alt, «zwischen Faltenröcken und Dutts» gesessen: «Es war schrecklich.»
Als junger katholischer Organist im Schwäbischen habe er vor allem Praktisches gelernt. Zum Beispiel, dass bei dem Lied «Stille Nacht» drei Leute gleichzeitig das Licht ausgemacht hätten. «Das ist Theater», so der Entertainer, der sich ausserdem als Liebhaber des traditionellen gregorianischen Chorals outete: «Den finde ich grossartig, der hat eine stärkere Wirkung als jede Oper. Weil er so zeitlos ist und so karg.»
Hier geht es zur › Bestellung einzelner Beiträge von kath.ch.




