Der neue «franziskanische» Bischofsvikar für Deutschfreiburg will unter die Leute
Freiburg, 1.9.17 (kath.ch) Ihn kennt man gut: Den Guardian des Franziskanerklosters in Freiburg, Pater Pascal Marquard. Er hat dazu beigetragen, das Franziskanerkloster wieder auf sichere Beine zu stellen. Nun wird er Bischofsvikar für Deutschfreiburg und ist zudem neu deutschsprachiger Stadtpfarrer. Vorsteher des Klosters in der Freiburger Altstadt bleibt er trotzdem.
Georges Scherrer
Seit dem 1. September leitet er das Bischofsvikariat für Deutschfreiburg. Er ist zudem Pfarrer für die Deutschsprechenden in der Stadt Freiburg und Umgebung. In der Stadt ist der Ordensmann in schwarzer Kutte, die von einer weissen Kordel zusammengehalten wird, kein Unbekannter. Immer freundlich, nimmt er sich Zeit für die Leute, die mit ihm reden möchten.
Als Pfarrer für «Deutschfreiburg» steht ihm ein Anstellungspensum von fünfzig Prozent zu. Ein Mitbruder unterstützt ihn mit einem 40-Prozent-Pensum. Das Arbeitspensum für das Bischofsvikariat ist mit «dreissig Prozent» veranschlagt. «Ob das genügt, werde ich noch sehen», meint der neue Bischofsvikar. In seinem Kloster hat er den Journalisten zum Gespräch empfangen. Bequem zurückgelehnt steht er Red und Antwort.
Schon etwas Neuland
Der Franziskaner, der 1975 in der Stadt Zürich geboren ist, übernimmt die Aufgabe nicht ungern. «Ich muss ehrlich sagen: Nachdem die Umbauarbeiten in unserem Kloster beendet sind, bin ich offen für neue Aufgaben und habe auch Kapazitäten frei. Wenn nicht die Anfrage für das Bischofsvikariat gekommen wäre, dann hätte ich sicher etwas anderes übernommen.»
Es ist nicht Aufgabe des Bischofsvikars, dafür zu sorgen, dass überall ein Gottesdienst gefeiert wird.
Pater Pascal, wie er sich am liebsten nennen lässt, betritt im «Sense- und Seebezirk», der von Schwarzsee in den Voralpen bis an den Murtensee reicht und die «Exklave» Jaun einschliesst, nicht Neuland. Seit neun Jahren lebt der gebürtige Zürcher in Freiburg. Mit einigen Pfarreien in Deutschfreiburg hatte er bereits sporadischen Kontakt. Eine bestimmte Pfarrei hat er in seinem neuen Wirkungsgebiet aber nicht betreut. Zu sehr beanspruchten ihn die Aufgaben im Stadtkloster.
Die Gemeinde in seinem neuen Wirkungsgebiet hat er als Aushilfspfarrer und bei speziellen Anlässen wie dem Fronleichnamsfest kennen gelernt. Quasi als Vorbereitung auf sein neues Amt hat er in drei Pfarreien im Auftrag von Diözesanbischof Charles Morerod bereits im Frühling dieses Jahres die Firmung gespendet.
Ein grosses Team
Eines macht Pater Pascal angesichts des Priestermangels sofort klar: «Es ist nicht die Aufgabe des Bischofsvikars, persönlich dafür zu sorgen, dass überall ein Gottesdienst gefeiert wird.» Seine Aufgabe ist es vielmehr, mit dem Personal, das ihm zur Verfügung steht, die Seelsorge im Sense- und Seebezirk und auch in der Stadt so gut wie möglich sicher zu stellen.
Wir müssen uns bewusst werden, dass es diese Barrieren bei anderen gibt.
Der Deutschfreiburger Bischofsvikar kann in den Gemeinden auf insgesamt rund 60 pastorale Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter zählen, davon sind 15 Priester und 45 Laien. Die Priester sind als Pfarrmoderatoren (zuständig für eine Seelsorgeeinheit) oder mitarbeitende Priester, die Laien als Pastoralassistent oder als pastorale Mitarbeiter tätig. Hinzu kommen noch etwa 40 Katechetinnen, welche direkt über die Pfarreien angestellt sind.
Sprache muss verstanden werden
Mit den eben genannten Begriffen stösst Pater Pascal auf einen wunden Punkt in der katholischen Kirche, weil sie von zahlreichen Menschen heute nicht mehr verstanden würden. Was ist ein «Pastoralassistent»? Begriffe wie ” Herrlichkeit Gottes» oder «Jesus Christus, der Herr» würden von vielen Zeitgenossen als Insidersprache der Kirche wahrgenommen. Wer nicht kirchlich sozialisiert sei, könne mit solchen Ausdrücken nichts anfangen. Für diese Personen seien solche Ausdrücke «Barrieren», die den Zugang zur Kirche verhindern.
«Wir müssen uns bewusst werden, dass es diese Barrieren bei anderen gibt. Das ist der erste Schritt für eine gute Kommunikation.» Pater Pascal spricht von einer Aufklärungsarbeit, die etwa im Umgang mit Jugendlichen geleistet werden müsse.
Meine Aufgabe ist es nicht, die Pforte zu hüten.
Anknüpfungspunkte für eine bessere Verständigung mit der laizistischen Gesellschaft seien Hochzeiten, Beerdigungen und weitere Feiern, an denen Menschen noch den Zugang zur Kirche finden – ober Tiersegnungen, die Pater Pascal für die Stadt Freiburg wieder ins Leben gerufen hat.
Keine Stabilitas zelebrieren
Kommunikation besteht aber nicht nur aus einer Sprache, die von allen verstanden wird. Dem neuen Bischofsvikar ist es wichtig, dass er unter die Leute kommt. «Die Kommunikation, der Austausch mit den Leuten, gestattet es der Kirche, dass sie sich weiterentwickeln kann», sagt der Guardian. Die Kirche sei heute oft zu «eindimensional». «Sie will andere mit Informationen versorgen, ist selber aber schlecht erreichbar.»
Die Kirche sei heute oft zu eindimensional.
Der Ordensmann verweist auf die Anrufbeantworter, welche sich allzu oft melden, wenn jemand in einer Pfarrei anruft. In den sozialen Medien seien die Pfarreien vor Ort leider kaum präsent. «Nein!», wehrt Bruder Pascal vehement ab: Er werde seine Zeit nicht nur vor dem Computer verbringen. Er baue auf die Zusammenarbeit mit seinen Mitarbeitenden im Bischofsvikariat und mit den pastoralen Mitarbeitenden in den Gemeinden. Die Schwerpunkte für die neue Arbeit müssen aber noch gesetzt werden.
Pater Pascal will auch als Bischofsvikar für die Menschen zugänglich bleiben. «Meine Aufgabe ist es nicht, an einem bestimmten Ort im Kloster oder im Bischofsvikariat Stabilitas zu zelebrieren und die Pforte zu hüten.» Mit «Stabilitas» meint er Bewegungslosigkeit. Wer ein Anliegen hat, macht am besten einen Termin ab, sagt der Bischofsvikar. Er wird zudem viel unterwegs sein, auch um in den Dörfern Gottesdienste zu feiern, «wo ich selbstverständlich auch ansprechbar bin.»
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