Ein Dachdecker installiert Solarpanele (l.) auf dem Dach eines Wohnhauses.
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Grüner und sozialer: Italiens Kirche will armen Menschen mit Solarstrom helfen

Stromkosten reissen vielen Menschen ein grosses Loch in die Haushaltskasse. Italiens Kirche möchte gegensteuern – mit erneuerbaren Energien. Die sollen Pfarrgemeinden nicht nur mit Strom versorgen, sondern auch Bedürftige unterstützen.

Severina Bartonitschek

Energiearmut betrifft viele italienische Familien. Im Jahr 2022 konnten mehr als zwei Millionen Haushalte, rund 7,7 Prozent der Gesamtbevölkerung, ihre Wohnung nur unzureichend heizen, kühlen oder beleuchten, hatten Schwierigkeiten ihre Energierechnungen zu begleichen. Ein weiterer Anstieg wird erwartet. Besonders betroffen sind Haushalte in Italiens Süden, auf dem Land, mit Kindern und Ausländern.

Kirchliche Energie- und Sozialwende

Italiens katholische Kirche möchte mit «Gemeinschaften für erneuerbare Energien» gegensteuern. Es handelt sich um genossenschaftlich aufgebauten Gruppen, die mit staatlicher Förderung eigene Solaranlagen auf kirchlichen Gebäuden betreiben, den Strom selbst verbrauchen und weiterverkaufen. Ein Teil des wirtschaftlichen Ertrags soll Haushalten mit Energiearmut zu Gute kommen. Die Idee ist eine aktive kirchliche Energie- und Sozialwende ganz im Sinne des Klima-Papstes Franziskus.

Matera in Süditalien.
Matera in Süditalien.

Der mahnte bereits 2015 in seiner Umwelt- und Sozialenzyklika «Laudato si» an: «Angesichts der Tatsache, dass alles eng aufeinander bezogen ist und dass die aktuellen Probleme eine Perspektive erfordern, die alle Aspekte der weltweiten Krise berücksichtigt, schlage ich vor, dass wir uns nun mit den verschiedenen Elementen einer ganzheitlichen Ökologie befassen, welche die menschliche und soziale Dimension klar mit einbezieht.»

Leitfaden für Energiegemeinschaften

Im Mai 2024 veröffentlichte Italiens Bischofskonferenz einen 70-seitiges Leitfaden zu rechtlichen wie wirtschaftlichen Fragen und zur praktischer Umsetzung der neuen Energiegemeinschaften. Ihnen beitreten sollen nicht nur kirchliche Einrichtungen wie Bistümer und Pfarrgemeinden sondern auch Kleinunternehmen, lokale Behörden und vor allem bedürftige Bürger, die von dem erzeugten Strom profitieren können.

Praktische Umsetzung

Mittlerweile setzen Dutzende Bistümer und Kirchengemeinden die Idee in konkrete Projekte um – vom Norden bis zum Süden Italiens. Im Nordosten hat die Diözese Treviso eine spezielle Stiftung gegründet, die alle 263 Pfarreien einbezieht. Künftig sollen sich weitere Bistümer daran beteiligen, auch um die Verwaltungskosten zu senken.

Hier sollen vor allem Haushalte mit einem Jahreseinkommen von weniger als 20’000 Euro unterstützt werden, die Schwierigkeiten haben, ihre Rechnungen zu begleichen.

Neapolitanische Pfarrei engagiert sich

Neben solch grossen Zusammenschlüssen gibt es aber auch einzelne Pfarreien, die nachhaltiger und solidarischer werden möchten. In einem Stadtteil am Rande der süditalienischen Hafenstadt Neapel hat die lokale Kirchengemeinde jüngst die Installation einer Photovoltaikanlage abgeschlossen. Die Energieproduktion soll die Pfarrei und zunächst 25 Familien unterstützen. Eine Ausweitung auf weitere Haushalte ist geplant, ebenso wie eine Suppenküche und ein Solidaritätsladen.

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Darüber hinaus möchte man das Umweltbewusstsein in dem Vorort stärken. Besonders Jugendliche sollen mehr über Mülltrennung und Stromsparen lernen. Spezielle Schulungen zu Energieverbrauch und -effizienz sind auch für die Erwachsenen geplant – das nachhaltigste Verhalten wird mit einem Gutschein für den Solidaritätsladen belohnt.

Italiens katholische Kirche erwartet einen steten Zuwachs neuer Energiegemeinschaften. (kna)


Ein Dachdecker installiert Solarpanele (l.) auf dem Dach eines Wohnhauses. | © Julia Steinbrecht/KNA
14. Januar 2025 | 14:00
Lesezeit : ca. 2  Min.
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