Gedanken zum Sonntag: Glaube überzeugt!

Zum 20. August 2017 –  Jes 56,1.6-7; Röm 11,13-15. 29-32; Mt 15,21-28

Glaube überzeugt!

 Thomas Wallimann-Sasaki*

«Nimm Dir Zeit und erhol Dich!» Oft begegnet uns dieser Wunsch in dieser Ferienzeit. Auch hören wir ihn während des Jahres im Zusammenhang mit Menschen, die ausgepumpt und an den Grenzen ihrer Kräfte sind. In diesem Rat steckt eine Wahrheit – auch wenn es schlussendlich häufig nicht gelingt, diese umzusetzen.

Auch Jesus ist im Evangeliumstext vom heutigen Sonntag mit einer Wahrheit konfrontiert: Selbst die Hunde kriegen von den Brosamen, die vom Tisch ihrer Herren fallen! Und er ist fähig, das, was er von der kanaanäischen Frau hört, umzusetzen. Den Grund dafür gibt Jesus dem «starken Glauben» der Frau.

Was macht diesen starken Glauben aus? Ist es jener an Gott, an Jesus als Sohn Gottes? Das griechische Wort für Glaube, «pistis», gibt uns Hinweise. Im Kern bedeutet es «Überzeugungskraft»! Jesus sagt der Frau nichts anderes als: «Dein Argument sticht! Du sprichst eine Wahrheit aus, die mich überzeugt! – Denn ich glaube auch, dass Gottes Heil wirklich für alle da ist.»

Glaube hat hier weniger damit zu tun, eine Belohnung für das Vertrauen in Gott zu erhalten, sondern dafür, Jesus an einen wichtigen Wert erinnert zu haben, damit er nach diesem leben kann. Der Text des heutigen Evangeliums zeigt, wie wichtig es ist, untereinander unsere Werte in Worte zu fassen und in Offenheit hinzuhören, wenn andere uns an einen wichtigen Wert erinnern. Und daran, wie wir diesen in die Welt einbringen können.

Denn es ist nicht immer der Fall, dass wir Werthaltungen im Kopf und im Herzen haben und unser Leben auch danach ausrichten. Es ist vielmehr umgekehrt, das Leben lädt uns ein und versucht uns zu überzeugen, unsere Werte zu leben.

Die Geschichte zeigt noch einen weiteren Aspekt: Es gibt Situationen, in denen es uns nicht leicht fällt oder uns gar nicht in den Sinn kommt, unsere Überzeugungen zu leben. Dann braucht es Menschen, die uns überzeugen und einladen, gemäss diesen Werten zu leben. Oder wie es Laotse erzählt: «Der Freundliche ist der Lehrer des Unfreundlichen, aber der Unfreundliche ist die Ressource für den Freundlichen.»

Jesus macht es uns vor, hinzuhören und offen zu sein für das, was das Leben uns sagen will. Der starke Glaube der Frau lädt uns ein, Werte überzeugend einzubringen und damit das Handeln und Verhalten von Menschen – sogar jenes von Jesus – zu verändern und die Welt so menschlicher zu machen!

Thomas Wallimann-Sasaki ist Theologe und Sozialethiker. Er ist Präsident a.i. der Nationalkommission Justitia et Pax der Schweizer Bischofskonferenz.

Thomas Wallimann-Sasaki | © zVg
Thomas Wallimann-Sasaki | © zVg
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