Gallustag in St. Gallen: Abtprimas ruft zu Hoffnung in unsicheren Zeiten auf
Mehrere Hundert Gläubige haben am Freitag in der Kathedrale St. Gallen den Gallustag gefeiert. Festprediger Abtprimas Jeremias Schröder rief angesichts globaler Krisen und gesellschaftlicher Umbrüche dazu auf, dem Unvorhersehbaren Raum zu lassen und aus dem Glauben Hoffnung zu schöpfen.
Wolfgang Holz
Krieg, Klimakrise, künstliche Intelligenz und eine sich wandelnde Weltordnung verunsicherten viele Menschen, sagte der höchste Repräsentant des Benediktinerordens, Jeremias Schröder, in seiner Predigt. Besonders die Zukunftssorgen junger Menschen beschäftigten ihn. Heute fehle häufig ein gemeinsames «Narrativ», so Schröder, eine verbindende Vorstellung davon, wo die Gesellschaft stehe und wohin sie sich entwickle. Das bisherige Zukunftsbild, wonach es einfach immer weitergehe wie bisher, habe den geistlichen Hunger der Menschen überdeckt.
Verantwortung übernehmen
Mit Blick auf die St. Galler Klostergeschichte betonte Schröder, dass der Glaube nicht bedeute, hinter jedem Ereignis einen göttlichen Plan erkennen zu müssen. Vielmehr gelte es, Verantwortung zu übernehmen, auch wenn vieles offenbleibe. Die benediktinische Tradition biete dafür Orientierung: gemeinsames Gebet, tägliche Aufgaben, Geduld und die Bereitschaft, neu anzufangen.
«Wir haben keine sichere Prognose für die Zukunft und müssen vielleicht auf die grosse Erzählung verzichten. Aber wir haben einen Grund zur Hoffnung», sagte Schröder gemäss einem Communiqué des Bistums St. Gallen. Aus dieser Hoffnung könnten Menschen leben und ihren Beitrag leisten, auch wenn sich die Geschichte anders entwickle als erwartet.
Festgottesdienst mit Bischof Beat Grögli
Der Festgottesdienst zu Ehren des heiligen Gallus, des Patrons von Bistum, Stadt und Kanton St. Gallen, wurde von der Dommusik gestaltet. Der Domchor führte gemeinsam mit Solistinnen und Solisten Mozarts Missa solemnis auf. Die Männer-Choralschola sang die Gallussequenz von Notker Balbulus.
Zum Abschluss griff Bischof Beat Grögli die Botschaft des Festpredigers auf: «Wir alle brauchen einen Ort der Hoffnung.» Er dankte den Mitwirkenden und Gästen, darunter der St. Galler Stadtpräsidentin Maria Pappa.
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