Christoph Sigrist | © Heks
Schweiz
Christoph Sigrist | © Heks

«Für uns ist Maria dasselbe wie für euch», sagt der Grossmünsterpfarrer

Zürich, 16.9.16 (kath.ch) Am Bettag ereignet sich in Einsiedeln etwas Einzigartiges: Ein reformierter Pfarrer predigt im Rahmen einer ökumenischen Feier. Und es ist kein geringerer als der Grossmünsterpfarrer Christoph Sigrist. Und der findet: «Als ‹Züribueb› war Einsiedeln für mich immer schon ein toller Ausflugsort.»

Francesca Trento

Im Jahr 1516 predigte Huldrich Zwingli, damals noch katholisch, in Einsiedeln. Das war der letzte «reformierte» Pfarrer, der es in diesem scheinbar stockkatholischen Ort auf die Kanzel geschafft hat. Dass dies jetzt, fünfhundert Jahre später, wieder möglich sei, sei der Beweis dafür, dass Ökumene möglich ist, sagte der heutige Grossmünsterpfarrer gegenüber kath.ch. Und Sigrist ergänzt: «Ich lernte schon zu meiner Studienzeit die ökumenische Offenheit des Klosters Einsiedeln kennen. Diese verkörpert auch Abt Urban Federer, was ich sehr an ihm schätze.»

Institutionen hinken hinterher

Der Einsiedler Abt habe Sigrist zu sich eingeladen, nachdem er selbst Anfang Jahr im Zürcher Grossmünster predigen durfte. Die beiden stünden seit langem in Verbindung zueinander und teilten «grosses Verständnis füreinander», so Sigrist. «Eine solche ökumenische Zusammenarbeit ist in einer Welt voller Differenzen wohltuend und stärkt das, was wir gemeinsam haben: wir sind alles Christen.»

Institutionen hinkten dabei diesem Erleben hinterher, bedauert Sigrist. Universitäten und andere Ausbildungsplätze sollten sich an eine einfachere Zusammenarbeit machen, wünscht sich der Grossmünsterpfarrer. «Sobald der Mangel an Personal zu gross ist, wird sich jedoch einiges schnurstracks verändern. Sonst gibt es bald gar keine Seelsorger und Pfarrer mehr», prophezeit er.

Am Sonntagabend werden Christoph Sigrist und Abt Urban Federer über ein Thema reden, das beide Kirchen immer wieder zum Streiten brachte: die Heilige Maria – die für die Reformierten eben nicht heilig ist. Von der «Schwarzen Madonna» behütet – die Sigrist seit Kind als die Verkörperung der Katholiken betrachte -, sprechen die beiden Theologen eben über Maria.

In der Lehre «happert’s»

Was der Unterschied Marias für die Reformierten oder Katholiken sei? «Es gibt keinen. Für uns ist sie ebenso die Mutter Jesu, wie für die Katholiken.» Der einzige Unterschied sei die Betrachtung im Licht der Kirchenlehre. «Dort happert’s ein wenig», lacht Sigrist. Wo Katholiken Maria eine Vermittlerrolle zwischen Gott und Mensch zusprechen, sie deshalb auch als heilig betrachten und sie anbeten, so sähen die Reformierten in ihr allein den Menschen, der Jesus geboren hat. Das zweite der zehn Gebote, so Sigrist, sei bei den Reformierten eindeutig: «Du sollst dir kein Bildnis noch ein Gleichnis von Gott machen.»

Für Christoph Sigrist ist Maria trotzdem ein Vorbild. Einerseits sei die Treue zu ihrem, so der Pfarrer, «nicht ganz einfachen» Sohn, unermesslich gewesen. Ebenso habe sie das schwierigste erfahren müssen, das einer Mutter passieren könne: ein Kind zu verlieren. Dabei habe sie nie das Urvertrauen zu Gott verloren, nie an ihm gezweifelt, hebt Sigrist hervor. Dass sie so gewesen sei, diese Eigenschaften besass, sei für ihn so vorbildlich: «Von ihrer Bescheidenheit und ihrer Demut könnte sich so mancher ein Stück abschneiden», meint der Grossmünsterpfarrer. «Auch Kirchenverantwortliche», fügt er hinzu.

Zwingli pilgert zur Madonna von Einsiedeln

Ökumene der Freundschaft: Abt Urban zu Gast in der Zwingli-Kirche

Die "Schwarze Madonna" von Einsiedeln | © Alwin Gasser  / <a href="http://www.pixelio.de" target="_blank">pixelio.de</a>
Die "Schwarze Madonna" von Einsiedeln | © Alwin Gasser / pixelio.de
News ›
Medienspiegel ›
Katholisches Medienzentrum