Bartholomaios I., griechisch-orthodoxer Patriarch von Konstantinopel
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Friedensappell der Religionen in Assisi: Nur der Dialog kann uns retten

Drei Tage lang diskutierten Vertreter und Vertreterinnen vieler Religionen in Assisi über Herausforderungen der Zeit. Anlass war ein interreligiöses Treffen vor 40 Jahren, das aktueller denn je erscheint. Auch der Schweizer Kardinal Koch war mit von der Partie.

Sabine Kleyboldt

(CIC) Vertreter der Weltreligionen haben von Assisi aus einen eindringlichen Appell gegen Krieg und Unmenschlichkeit an die Welt gerichtet. Der Frieden sei eine Baustelle, «die allen offen steht»; es liege in der Verantwortung aller, «Wege zu einem unbewaffneten und entwaffnenden Frieden zu finden», heisst es in dem Appell, der am Dienstagabend vor der Franziskus-Basilika in dem mittelitalienischen Ort vorgetragen wurde.

«Wir dürfen nicht zulassen, dass die Welt in den internationalen Beziehungen endgültig der Logik des Krieges und des Konflikts erliegt.»

Es war der Abschluss eines dreitägigen Treffens mit Hunderten Teilnehmern aus aller Welt zum 40. Jahrestag des Gebets der Religionen für den Frieden, das Papst Johannes Paul II. am 27. Oktober 1986 initiiert hatte. «In diesen 40 Jahren haben wir gebetet, geträumt und daran gearbeitet, eine geschwisterlichere und kriegsfreie Welt zu schaffen», so der Aufruf.

Ermutigung durch Fall der Berliner Mauer

«Wir haben gesehen, wie die Berliner Mauer fiel und viele andere Mauern, die die Welt seit Generationen trennten.» Genau wie nach dem Zweiten Weltkrieg laute die sehnsüchtige Forderung: «nie wieder Krieg». Doch gefährde der Mangel an Dialog und Visionen die grössten Errungenschaften der Menschheit und den Schutz der Erde.

«Wir dürfen nicht zulassen, dass die Welt in den internationalen Beziehungen endgültig der Logik des Krieges und des Konflikts erliegt», so die Religionen. «Lasst uns Waffen- und Rüstungsausgaben in Wasser, Nahrung, Bildung, Arbeit, saubere Luft, in lebenswerte Städte für alle Generationen und für alle zugängliche Gesundheitsversorgung umwandeln.»

Insbesondere gelte es, die Welt «vom nuklearen Albtraum» zu befreien und die gefährliche Abwärtsspirale der Wiederaufrüstung zu stoppen. «Entweder gelingt es uns, den Kriegen ein Ende zu setzen, oder die Kriege werden tatsächlich der Menschheit ein Ende bereiten.»

Kreativität des Dialogs und Mut zum Frieden

«Entscheiden wir uns für die Kreativität des Dialogs und den Mut zum Frieden, um die Welt von der Krankheit des Krieges zu heilen und soziale Konflikte abzubauen.» Jeder «Ort der Anbetung und des Gebets» solle zu einem Haus des Friedens und der menschlichen Solidarität werden.

«Möge der Allmächtige der Welt das kostbarste Geschenk des Friedens gewähren, das die Menschheit heute mehr denn je braucht», so der Aufruf der Religionen. «Kein Krieg ist heilig. Niemals darf Krieg im Namen Gottes geführt werden». Mit denselben Worten hatte sich auch Papst Leo XIV. in einer Videobotschaft geäussert, da er nach seiner Lungenoperation vom 13. Oktober nicht persönlich nach Assisi kommen konnte.

Schweigeminute für Opfer von Gewalt und Terror

Nach Verlesung des Appells kamen Kinder auf die Bühne, wo sie aus den Händen der Dutzenden dort versammelten Religionsführer Schriftrollen mit dem Text entgegennahmen. Diese sollten die Kinder symbolisch in die Welt tragen. Ebenso wurde in einer Schweigeminute an die Opfer von Krieg, Terrorismus und Gewalt erinnert.

Dann hielten Hunderte Menschen vor der Bühne Plakate mit dem Wort «Frieden» in vielen Sprachen in die Höhe. Unter feierlicher Chor- und Orchestermusik entzündeten Vertreterinnen und Vertreter praktisch aller namhaften Religionen an zwei grossen Kerzenständern das traditionelle Friedenslicht von Assisi.

Darunter waren der indonesische Religionsminister Nasaruddin Umar, der Papst Franziskus im September 2024 in der Moschee von Jakarta empfangen hatte. Auch einige Teilnehmer des Treffens vor 40 Jahren waren vertreten, darunter der buddhistische Mönch Gijun Sugitani aus Japan.

Das Judentum wurde unter anderen durch Roms Oberrabbiner Riccardo Di Segni, Rabbiner Jaron Engelmayer aus Wien sowie Rabbiner aus Köln und Jerusalem repräsentiert. Die Erzbischöfin von Canterbury, Sarah Mullally, vertrat die anglikanische Gemeinschaft, Heinrich Bedford-Strohm den Lutherischen Weltbund.

Auch Kardinal Kurt Koch war dabei

Für die römisch-katholische Kirche nahmen unter anderen die Kardinäle Matteo Zuppi (Bologna), Jean-Marc Aveline (Marseille), Fridolin Ambongo Bisungu (Kinshasa) sowie der «Ökumeneminister des Papstes», Kardinal Kurt Koch, teil.

Namens der Gemeinschaft Sant’Egidio, die das Treffen seit 40 Jahren federführend organisiert, waren unter anderen ihr Gründer und Präsident Andrea Riccardi und sein Nachfolger Marco Impagliazzo anwesend.

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Der höchstrangige Vertreter der christlichen Kirchen, Patriarch Bartholomaios I. von Konstantinopel, beklagte in einer ungewöhnlich kritischen Ansprache, dass sich die Christen zu sehr an die Logik des Krieges gewöhnt hätten. Am Ende erklärte er, von Assisi solle eine Botschaft des Friedens und der Hoffnung ausgehen.

Die Christen rief Bartholomaios auf, die Anfechtungen der Gegenwart nicht passiv und resigniert zu ertragen, sondern mit der Kraft der Sanftmütigen anzugehen. Entscheidend sei, ob sie «die Kette des Bösen durchbrechen können, indem sie ihre Angreifer segnen und in allen Menschen nicht Feinde, sondern Geschwister sehen».

Dies sei weder naives Gutmenschentum noch Schwäche, sondern die stärkste Kraft der Welt, erklärte der Patriarch von Konstantinopel.

Bartholomaios I., griechisch-orthodoxer Patriarch von Konstantinopel
Bartholomaios I., griechisch-orthodoxer Patriarch von Konstantinopel

Wegen der Abwesenheit des Papstes war das Ehrenoberhaupt der Weltorthodoxie der höchstrangige anwesende Kirchenführer bei der Feier in Assisi. Neben ihm nahmen mehrere römisch-katholische Kardinäle, die anglikanische Erzbischöfin von Canterbury sowie zahlreiche Würdenträger orthodoxer, orientalischer und protestantischer Gemeinschaften an der Feier in der Basilika von Assisi teil. An 13 weiteren Orten in der mittelitalienischen Stadt hielten andere Weltreligionen Gebete gemäß ihrem je eigenen Ritus ab.

Das 41. Treffen der Weltreligionen für den Frieden, so verkündete es Genuas Erzbischof Marco Tasca zum Schluss, findet im kommenden Jahr in der ligurischen Hauptstadt statt.


Bartholomaios I., griechisch-orthodoxer Patriarch von Konstantinopel | © KNA
28. Oktober 2026 | 11:00
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