«Frieden ist eine Haltung»: Bodensee-Ostermarsch wirbt für Friedensfähigkeit statt Kriegstüchtigkeit
Vielerorts herrscht Krieg – und auch dort, wo es keine militärischen Konflikte gibt, sind viele Menschen angesichts der aktuellen Lage bedrückt. Da sind vielleicht die Ostermärsche für Frieden, die auch dieses Jahr stattfinden, ein Lichtblick. Die Veranstalter des Bodensee-Friedensweges rechnen jedenfalls mit mehr Teilnehmerinnen und Teilnehmern.
Barbara Ludwig
Am heutigen Ostermontag, 6. April, findet am Bodensee der Internationale Bodensee-Friedensweg statt. Er beginnt am frühen Nachmittag in Konstanz und führt über die Grenze ins thurgauische Kreuzlingen. Menschen aus Deutschland, der Schweiz, Österreich und Liechtenstein sind eingeladen, gemeinsam für eine friedliche, gerechte und nachhaltige Zukunft einzustehen, teilen die Veranstalter in einem Communiqué mit.
Das Motto lautet «Wir ent-rüsten uns! Friedenskultur gemeinsam leben». Das Motto stehe für mehr als militärische Abrüstung, heisst es im Programm. «Es ruft dazu auf, Haltung zu zeigen gegen Eskalation, Kriegslogik und Verhärtung – nach aussen wie nach innen.»
Die Veranstalter führen eine Reihe von Forderungen auf. Darunter den Vorrang diplomatischer Initiativen vor militärischer Eskalation, die Stärkung der Uno als zentrales Organ der kollektiven Sicherheit und den Ausbau ziviler Friedensdienste.
Mehr Teilnehmer erwartet
Dass die Welt kein Hort des Friedens ist, ist in den vergangenen Jahren vermehrt ins Bewusstsein der Menschen auch in Westeuropa gerückt. Seit über vier Jahren wehrt sich die Ukraine gegen den Angriff Russlands, seit Februar herrscht in der Golf-Region Krieg. Wird das mehr Menschen veranlassen, den Bodensee-Friedensweg mitzugehen?
«Aufgrund der eskalierenden Gewalt rechnen wird in diesem Jahr tatsächlich mit einer höheren Teilnehmerzahl. Je nach Wetterlage könnten sich bis zu 1000 Personen auf den Friedensweg begeben», teilt Andreas Helfenberger im Namen des Presseteams mit. Im vergangenen Jahr, in Bregenz, hätten bei frühlingshaften Temperaturen und Sonnenschein schätzungsweise 600 bis 700 Menschen teilgenommen.
Friedenslieder
In Konstanz wird der deutsche Pazifist Jürgen Grässlin einen Vortrag halten, in Kreuzlingen Helena Nyberg von der Internationalen Frauenliga für Frieden und Freiheit Schweiz.
Ihre Sehnsucht nach Frieden können Teilnehmerinnen und Teilnehmer am Ostermontag auch singend zum Ausdruck bringen. Bereits vor dem offiziellen Beginn der Veranstaltungen werden Vertreter des Vereins «Stimmvolk.ch» das Einsingen von Friedensliedern anleiten, die dann auch während des Demonstrationszuges erklingen sollen. Der Verein «Stimmvolk.ch» beteiligt sich erstmals am Bodensee-Friedensweg.
St. Galler Kirche zählt zu den Unterstützern
Organisationen aus der Schweiz, Deutschland und Österreich unterstützen den Bodensee-Friedensweg. Dazu zählen Kirchen, Hilfswerke sowie linke und grüne Parteien. Zu den kirchlichen Unterstützern auf der Schweizer Seite zählt unter anderem das Bistum St. Gallen und der Katholische Konfessionsteil des Kantons St. Gallen.
Man unterstütze den Bodensee-Friedensweg mit einem finanziellen Beitrag, teilt die Kommunikationsbeauftragte des Bistums, Isabella Awad, auf Anfrage mit. «Es ist uns ein Anliegen, dass in dieser zerstrittenen Welt zwischen Religionen, Nationen und den Menschen Friedenswege beschritten werden.»
Die Tradition der Ostermärsche geht auf die 1960er Jahre zurück, als Friedensbewegungen in aller Welt gegen die atomare Aufrüstung protestierten. Der Internationale Bodensee-Friedensweg am Ostermontag wird seit rund 40 Jahren ausgetragen. Er findet abwechslungsweise in einer Schweizer, einer österreichischen oder deutschen Stadt der Bodenseeregion statt.
«Thema brennt Menschen unter den Nägeln»
Der Ostermontag ist auch wichtiger Termin für die Friedensbewegung in Bern. Dort findet seit 2003 (wieder) jährlich ein pazifistischer Anlass statt. Man rechne grundsätzlich jedes Jahr mit 800 bis 1000 Personen, die am Ostermarsch teilnehmen, teilt Joris Fricker auf Anfrage mit.
Dieses Jahr erhoffe man sich, dass «angesichts der traurigen Weltlage» mindestens so viele oder etwas mehr Menschen teilnehmen. «Denn das Thema Frieden brennt den Menschen fraglos unter den Nägeln», so Fricker.
In Bern beginnt der Anlass ebenfalls am frühen Nachmittag. Der Ostermarsch führt vom Besammlungsort Eichholz an der Aare zum Münsterplatz, wo die Schlusskundgebung mit friedenspolitischen Reden stattfindet. Beiträge halten Sheldon Masseraz, Co-Präsident Junge Grüne, die Zürcher SP-Kantonsrätin Mandy Abou Shoak, sowie Virginia Köpfli, Präsidentin der feministischen Friedensorganisation Frieda (ehemals Christlicher Friedensdienst).
Der Berner Ostermarsch wird von zahlreichen kirchlichen, christlichen, pazifistischen und sozialen Organisationen unterstützt. Auch die Katholische Kirche Region Bern ist mit ihrem Fachzentrum Mensch und Gesellschaft vertreten.
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