Schweiz

Frauenpower tanken an der Frauensynode in Aarau

Aarau, 28.8.16 (kath.ch) Gegen 400 Frauen trafen sich am Sonntag im Kultur- und Kongresshaus (KUK) Aarau zur sechsten ökumenischen Frauensynode. Unter dem Motto «Energie – bestärken, bewegen, bewirken» diskutierten sie Fragen zu Energiewende und Energiehaushalt ebenso wie zur Rolle von Frauen in Kirche und Gesellschaft.

Sylvia Stam

«Was ist denn hier für ein Fest?», fragt ein Mann, der auf seinem Elektrobike an einer der zahlreichen Frauengruppen vorbeikommt, die sich in Richtung KUK begeben. Er freut sich sichtlich, als er hört, dass die Stadtmusik eigens für die Frauensynode aufspielt.

«Frau» kennt sich, viele sind zum wiederholten Mal dabei. Nicht wenige der Katholikinnen haben sich vor einigen Wochen in Rom letztmals getroffen, anlässlich des Pilgertags des Projekts «Für eine Kirche mit den Frauen».

Der Energiekanton Aargau biete sich für eine Frauensynode zu diesem Thema geradezu an, sagte Sabine Brändlin von der reformierten Landeskirche Aargau zur Begrüssung. Sie machte mit wenigen pointierten Fragen klar, was das Thema mit Frauen und Kirche zu tun hat: «Ist die Energiewende in der Schweiz ebenso weit weg wie die Frauenmehrheit im Bundesrat? Führt unsere Doppelbelastung durch Kinder und Arbeit zu einem Burn-Out? Stärkt uns unser Glaube oder rauben uns die kirchlichen Strukturen all unsere Energie?»

Eine Antwort auf Brändlins erste Frage gab Suzanne Thoma, CEO der BKW-Gruppe (vormals Bernische Kraftwerke), in ihrem Referat zum Energieverbrauch: «Die Energiewende findet global statt!», sagte sie mit Nachdruck und verwies insbesondere auf China, das am meisten in erneuerbare Energien investiere. Leider «stockt es in der Schweiz massiv beim Aufbau erneuerbarer Energien», fügte sie selbstkritisch hinzu.

Den Lebensstil ändern

Die promovierte Chemie-Ingenieurin, die das ausschliesslich weibliche Publikum einmal versehentlich routinemässig mit «meine Herren» ansprach, wurde geradezu prophetisch mit ihrer Aussage: «Die Energiefrage wird zu existenziellen Fragen in der Gesellschaft führen.» Konkret benannte den je eigenen Lebensstil: Verkehr und Ernährung seien zwei Bereiche, in denen viel Ressourcen verbraucht würden. «Wenn wir unseren Fleischkonsum reduzieren, tun wir mehr für die Umwelt, als wenn wir mit dem Velo statt mit dem Auto ein Steak einkaufen gehen.»

Im zweiten Teil führte sie aus, wie die BKW-Gruppe, zu der unter anderem das Kernkraftwerk Mühleberg gehört, welches 2019 stillgelegt werden soll, ihre Leistungen und ihr Selbstverständnis umbauen und neu definieren will.

Die eigene Energie erneuern

Die bald 80-jährige Ilanzer Dominikanerin Ingrid Grave schlug in ihrem Referat einen eleganten Bogen zwischen den Risiken umweltbelastender Energiequellen und dem Energiehaushalt einer jeden Einzelnen.

Ihr Plädoyer für erneuerbare Energiequellen fand seine Fortsetzung im Aufruf, auch bei sich selber ab und zu für eine Erneuerung der Energie zu sorgen. Denn ein «Gottesfünklein in der Seele» trügen alle Menschen in sich. Und dieses gelte es immer wieder anzufachen: «Man suche sich eine Gartenbank, eine Kirchenbank tut’s auch!», ermutigte sie die anwesenden Frauen zum Innehalten. Und legte ihnen auch die in höherem Masse Burnout-gefährdeten Männer ans Herz.

Ebenso wie die äussere Energiewende gehe auch bei der inneren nicht ohne eigene Anstrengung und Verzicht. «Der Anfang ist gemacht, jetzt geht es ums Durchhalten. Die erneuerbare Energie dazu tragen wir – unversiegbar – in uns selbst», schloss Grave.

Trainerhose und Handtasche

Ein wahres Feuerwerk an Energie versprühte die Kabarettistin und Sängerin «Frölein Da Capo» zwischen den einzelnen Referaten. Mit Witz, Charme und technisch ausgeklügelten Möglichkeiten, sich selber musikalisch zu begleiten, katapultierte sie sich mit Liedern über fleischkäsefarbene Mädchenbeine, der furchtbaren Trainerhose ihres Schatzes oder dem Inhalt ihrer Handtasche direkt in die Herzen der Zuhörerinnen.

Unter der Moderation der Journalistin Carmen Frei standen Thoma und Grave schliesslich zu ihrem persönlichen Energiehaushalt Rede und Antwort. Mit erfrischenden, manchmal hartnäckigen Fragen entlockte sie Thoma die Aussage, dass ihre Geschäftsreisen per Flugzeug energetische «Sündenfälle» seien, während die Ordensfrau Ingrid Grave zugab, wenn sie im Chefsessel von Thoma sitzen würde, «würde ich zuerst einmal die Männer ganz genau anschauen!»

Frauen in Kirche und Wirtschaft am Rand

Man hätte sich in dieser angeregten Diskussion einzig auch ein paar kritische Fragen zur Kernenergie gewünscht. Ein Thema, das am ganzen Vormittag nicht angesprochen wurde.

Zu Diskussionen, die am Nachmittag in den Workshops stattfanden, dürfte hingegen Thomas pointierte Aussage geführt haben, dass sich in der Gesellschaft – in Wirtschaft und Politik – erst dann etwas ändere, wenn auch der geistige Bereich weibliche Impulse ernst nehme. Sie spielte damit direkt vor allem auf die römisch-katholische Kirche an, in der Frauen «noch mehr auf der Seite stehen als in Wirtschaft oder Politik.»

Am Nachmittag bestand die Möglichkeit zur Teilnahme an Diskussionsrunden zu Leben und Tod, Frauen in der Kirche oder zur Energiezukunft. Parallel dazu fanden Workshops zu vielfältigen Themen statt. Auf grosses Interesse stiessen Fragestellungen wie «Auf Sparflamme? Warum weniger mehr ist» oder «Und wenn es doch auf Sie ankommt?», aber auch ein Workshop zum Thema «Heilkräuter und Zauberkräuter» und zahlreiche andere.

«Nicht nur die Atomenergie, auch die Frauenpower soll zur Sprache kommen»

 

Fahne der Frauensynode | © Sylvia Stam
28. August 2016 | 16:32
Teilen Sie diesen Artikel!

Frauenpower tanken

Brigitte Bürcher aus Bitsch (VS), Vorstandsmitglied im Ortsverein des Schweizerischen Katholischen Frauenbunds, geniesst an der Frauensynode die inspirierenden Impulse sowie die «grosse Kraft» die man unter den vielen Frauen spüre. «Da kann ich meine Energie für die nächste Zeit aufladen.»

Das bestätigt auch Rosmarie Burrer aus Ostermundigen (BE), die vor allem wegen der «Frauenpower» an die Synode kommt. Für Linda Luder aus Ins (BE) ist die Vernetzung unter den Frauen wichtig. Sie findet auch das Thema «Energie» interessant und fragt: «Welche Bedeutung hat es für uns Frauen? Wo können wir uns zu diesem Thema einbringen?» Die beiden Bernerinnen engagieren sich in der Kirche als Freiwillige.

Kirchenpflegerin Monika Stocker aus Zürich sieht in der Frauensynode eine Möglichkeit, dass «Frauen ihre Position in der Kirche stärken können, um in der Kirche auch etwas zu sagen zu haben.» (sys)