Roland Jaquenoud, Chorherr von Saint-Maurice
Schweiz

Chorherr Jaquenoud verlangt Rehabilitierung als Lehrer – Schulamt lehnt ab

Das Walliser Kantonsgericht hat am 18. Februar die Beschwerde von Chorherr Roland Jaquenoud gegen seine Kündigung als Lehrer gutgeheissen. Nun fordert Jaquenoud seine Rehabilitierung aufs kommende Schuljahr. Doch der Leiter des Unterrichtswesens lehnt ab, wegen einem «totalen Vertrauensverlust».

Regula Pfeifer

Die Forderung kommuniziert die Abtei Saint-Maurice am Donnerstag in einer Mitteilung. Der Hintergrund der Geschichte: Der Chorherr war im November 2023 von seinem Posten als Lehrer am Kollegium Saint-Maurice suspendiert worden. Grund dafür war ein Missbrauchsskandal rund um die Abtei Saint Maurice.

RTS-Sendung erhob Missbrauchsvorwürfe

Im November 2023 hatte die RTS-Sendung «Mise à point» mehrere Chorherren sexueller Übergriffe beschuldigt. Darunter auch Roland Jaquenoud. Ein anonymer Zeuge hatte darin von einer sexuellen Beziehung im Jahr 2003 mit einem Novizen erzählt.

Jaquenoud war damals Novizenmeister und somit für den Novizen eine Autoritätsperson. Rom hatte die Angelegenheit damals untersucht – und eine einvernehmliche Beziehung, aber einen Bruch des Keuschheitsgelübdes festgestellt.

Zum Zeitpunkt der besagten RTS-Sendung war Jaquenoud Prior und leitete die Abtei Saint Maurice. Denn Abt Jean Scarcella war von seinem Amt zurückgetreten, nachdem aufgrund der Pilotstudie zum sexuellen Missbrauch in der Schweiz vom 13. September eine kanonische Untersuchung wegen sexuellen Missbrauchs gegen ihn eingeleitet worden war, die später zu einer kanonischen Rüge führte.

Suspendierung von der Abteileitung

Angesichts des Skandals suspendierte die römische Kurie Roland Jaquenoud wenige Tage später von der Abteileitung und setzte den Kanoniker Jean-Michel Girard als apostolischen Delegierten mit Befugnissen eines Abts ein. Wenige Wochen später wurde Jaquenoud auch von seinem Posten als Lehrer am Kollegium suspendiert.

Kollegium Saint-Maurice, Wallis
Kollegium Saint-Maurice, Wallis

«Ich verstehe vollkommen, dass das Amt für Bildung nach der Ausstrahlung der Reportage im November 2023 Massnahmen ergreifen musste, um die Fakten zu ermitteln», wird Jaquenoud in einer Mitteilung der Abtei Saint-Maurice zitiert.

Staatsanwalt stellte Verfahren ein

«Da die Fakten nun aber feststehen, und ich nicht mehr unter Anklage stehe, erwarte ich, dass mich das Amt für Unterrichtswesen in meiner Funktion als Lehrer rehabilitiert. Das scheint mir eine Frage der Gerechtigkeit zu sein», so Jaquenoud. Die gegen ihn erhobenen Anschuldigungen seien unbegründet gewesen.

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Die Walliser Staatsanwaltschaft hatte zum Fall ermittelt. Am 17. Oktober erliess sie eine Einstellungsverfügung «mangels strafrechtlich relevanten Verhaltens», so die Mitteilung. Bereits vorher hatte die kantonale Dienststelle für das Unterrichtswesen dem Chorherrn gekündigt.

Rehabilitierung auf August 2025

Mitte Januar hatte Jaquenoud beim Kantonsgericht einen Antrag auf Wiedereinstellung als Lehrer am Kollegium Saint-Maurice eingereicht. Dieser ist inzwischen gutgeheissen worden. Infolgedessen fordert der Chorherr – laut Mitteilung – seine Rehabilitierung in seiner beruflichen Funktion als Lehrer am Kollegium Saint-Maurice ab dem Schuljahr 2025-2026.

Das lehnt die Dienststelle für Unterrichtswesen im Kanton Wallis allerdings ab. Auf Nachfrage von cath.ch sagt deren Leiter Jean-Philippe Lonfat: «Chorherr Roland Jaquenoud wird nicht wieder eingesetzt in seiner Funktion als Lehrer des Kollegiums Saint-Maurice.» Er nehme den Gerichtsentscheid zur Kenntnis, gegen den bis am 24. März ein Rekurs möglich sei. «Es gab einen totalen Vertrauensverlust mit Roland Jaquenoud, das macht eine Wiederaufnahme der Zusammenarbeit unmöglich», so Lonfat. Gemäss rechtlichem Rahmen werde aber eine Entschädigung ausgerichtet.


Roland Jaquenoud, Chorherr von Saint-Maurice | © zVg
27. Februar 2025 | 17:00
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