Antrag beim Kantonsgericht: Chorherr Roland Jaquenoud soll wieder Lehrer sein dürfen
Beim Kantonsgericht Wallis wurde ein Antrag auf Wiedereinstellung des Chorherrn Roland Jaquenoud als Lehrer am Kollegium von Saint-Maurice eingereicht.
Die Information wurde der SDA vom Leiter der Walliser Dienststelle für Unterrichtswesen, Jean-Philippe Lonfat, bestätigt. Eine entsprechende Petition war bereits im Mai 2024 online gestartet worden.
Kanoniker belastet
Der Kanoniker Roland Jaquenoud, Prior der Abtei, wurde im November 2023 in «Mise au Point», einer Sendung des Westschweizer Fernsehens RTS, belastet. Eine anonyme Zeugenaussage berichtete von einer sexuellen Beziehung im Jahr 2003 mit einem Novizen, als er Novizenmeister war und somit eine Autoritätsposition innehatte.
Aus dem Noviziat entfernt
Damals wurde die Angelegenheit vom Vatikan aufgegriffen, der einen Abgesandten in die Abtei schickte. Rom entschied, dass es sich um eine einvernehmliche Beziehung zwischen zwei volljährigen Personen handelte.
Die Angelegenheit wurde nach den kirchenrechtlichen Bestimmungen für den Bruch des Keuschheitsgelübdes geregelt. Roland Jaquenoud wurde daraufhin aus dem Noviziat entfernt. Anschliessend ging er als Missionar nach Kasachstan, wo er bis 2015 blieb.
Angelegenheit spitzt sich 2023 zu
Nach seiner Rückkehr ins Wallis wurde der Kanoniker zum Prior der Abtei Saint-Maurice ernannt, dem zweithöchsten Amt in der Abtei nach dem des Abts. Als Abt Jean Scarcella aufgrund einer kanonischen Untersuchung wegen sexuellen Missbrauchs am 13. September 2023 von seinem Amt zurücktrat, sollte Roland Jaquenoud ihn vorläufig ersetzen. Angesichts des Skandals wurde er jedoch zehn Tage später durch eine römische Entscheidung seinerseits von der provisorischen Leitung der Abtei suspendiert.
Seitdem wurde der Abtei Saint-Maurice ein apostolischer Delegierter zugewiesen, der die Befugnisse eines Abtes innehat. Es handelt sich um den Kanoniker Jean-Michel Girard, den ehemaligen Propst des Grossen Sankt Bernhard. Kanoniker Roland Jaquenoud befindet sich seinerseits in einer befreundeten Gemeinschaft, bis er wieder ein Amt übernehmen kann.
Entlassung aus seinem Amt als Lehrer
Die Infragestellung der Roland Jaquenoud übertragenen Verantwortlichkeiten ging jedoch über den engen Rahmen der Abtei hinaus. Der Kanoniker wurde im November 2023 von seiner Funktion als Lehrer für Griechisch und Latein am Kollegium von Saint-Maurice suspendiert. Im Laufe des Jahres 2024 wurde er dann von der kantonalen Dienststelle für Unterrichtswesen entlassen, noch bevor die Untersuchung der Walliser Staatsanwaltschaft abgeschlossen war.
Tatsächlich wurde erst im Oktober 2024 von der Walliser Justiz eine Einstellungsverfügung über den Chorherrn Jaquenoud erlassen, da es keine Anzeige gegen ihn gab und kein strafrechtlich verwerfliches Verhalten.
Eine Unterstützungsgruppe
Um den Kanoniker hat sich eine Unterstützungsgruppe gebildet. Ihre Mitglieder betrachten seine Entlassung als ungerechte Entscheidung. Zu ihnen gehört Tatiana Taillefert, die mit dem Chorherrn an der Universität Lausanne studiert hat. Sie erinnert daran, dass nie eine Strafanzeige gegen ihn eingereicht wurde. «Sein Bild wurde missbräuchlich verwendet, um die Untersuchung des Kindesmissbrauchs in der Abtei von Saint-Maurice zu illustrieren.»
Zusammen mit einigen Freunden startete sie im Mai 2024 eine Online-Petition, die bis heute 211 Unterschriften gesammelt hat. «Ich verlange, dass seine Entlassung aus Respekt vor der Unschuldsvermutung rückgängig gemacht wird», heisst es in dem Text. Denn diese sanktioniere eine Tat, die ihm vor mehr als 20 Jahren ohne jede Gewissheit vorgeworfen wurde und die nicht unter das Strafrecht falle.
Wiedereinstellung gefordert
Die Petitionäre fordern die Wiedereinstellung von Roland Jacquenoud in den Unterrichtsdienst. Ein entsprechender Verwaltungsantrag wurde im Januar 2025 auch beim Kantonsgericht Wallis eingereicht. (cath.ch/ag/arc/lb/kath.ch/woz)
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