Schweiz

Flüchtling zu Bischof Felix Gmür: «Bitte helfen Sie den Menschen in Afghanistan»

«Die Menschen in Afghanistan sind in Gefahr», sagt der afghanische Flüchtling Reza Housseini (26) zu Bischof Felix Gmür. Er übergibt ihm eine Petition mit über 1100 Unterschriften und hofft, dass die Bischöfe bei Bundesrätin Karin Keller-Sutter intervenieren.

Raphael Rauch

Reza Housseini hat es geschafft. Der afghanische Flüchtling ist seit sechs Jahren in der Schweiz. Seit zwei Jahren hat er eine B-Bewilligung. Auch wenn er in Sicherheit ist: Der Vormarsch der Taliban in seiner Heimat lässt ihn nicht kalt.

«Ich mache mir grosse Sorgen»

«Die Menschen in Afghanistan sind in Gefahr», sagt er zu Bischof Felix Gmür. Zusammen mit engagierten Katholiken vom Netzwerk «migrationscharta.ch» übergibt er dem Präsidenten der Schweizer Bischofskonferenz in Luzern über 1100 Unterschriften der Petition «Kirchliche Solidarität mit Afghanistan».

Reza Housseini stammt aus Afghanistan

«Meine Familie ist im Iran. Aber meine Verwandten sind noch in Afghanistan. Ich mache mir grosse Sorgen um sie», sagt der Schiit. Er arbeitet im «Hello Welcome», einem Luzerner Begegnungsort für Flüchtlinge, Migrantinnen und Einheimische.

Kirche muss politisch sein

«Als Kirche unterstützen wir den Verein. 40 Freiwillige haben sich schulen lassen, um Afghaninnen und Afghanen zu beraten», sagt die Luzerner Theologin Nicola Neider Ammann. «Unsere Juristen machen uns aber wenig Mut: Die Chancen sind sehr gering, dass Menschen aus Afghanistan zu uns kommen können.»

Engagiert sich für Flüchtlinge in Luzern: Nicola Neider Ammann.

Nicola Neider Ammann hat einst beim politischen Theologen Johann Baptist Metz studiert. Für sie steht fest: Die Kirche muss sich politisch äussern, wenn sie die Nachfolge Jesu glaubwürdig leben wolle.

Druck auf Karin Keller-Sutter ausüben

«Die Bischofskonferenz hat eine starke Stimme. Wir bitten die Bischöfe, auf Bundesrätin Karin Keller-Sutter zuzugehen», sagt Nicola Neider Ammann. «Die gesetzlichen Bedingungen müssen geändert werden, dass humanitäre Visa grosszügiger verteilt werden können.»

Katholisch und FDP-Mitglied: Bundesrätin Karin Keller-Sutter.

Seit Jahren engagiert sich Nicola Neider Ammann in der Luzerner Flüchtlingsarbeit. «Die Signale des Bundesrats sind bislang nicht positiv. Doch die Schweiz muss jetzt grosszügig sein.»

Bischofskonferenz tagt in Visp

Bischof Felix Gmür sagte zu kath.ch, er habe das Thema für die Vollversammlung der Bischofskonferenz traktandiert. Die Bischöfe kommen nächste Woche zur Vollversammlung in St. Joder in Visp zusammen.

Der Bischof von Sitten, Jean-Marie Lovey, beim RKZ-Fokus in Bern.

Beim Gespräch in Luzern mit dabei waren auch Christoph Albrecht vom Jesuitenflüchtlingsdienst, Stefanie Gisler von der Luzerner Caritas und Chika Uzor, dem Seelsorger für Flüchtlinge in St. Gallen. Sie werden mit Argusaugen verfolgen, wie aktiv die Bischöfe nächste Woche werden.

Reformierte positionieren sich pro Flüchtlinge

Letzten Sonntag hat sich die Evangelisch-reformierte Kirche Schweiz klar zu humanitärer Hilfe für die Menschen in Afghanistan bekannt. Das Thema Afghanistan war nach Informationen von kath.ch auch Thema des Rates der Religionen, der am Donnerstag tagte. Für eine Stellungnahme war der Rat der Religion nicht zu erreichen.


Engagement für Flüchtlinge: von links Chika Uzor, Nicola Neider Ammann, Bischof Felix Gmür, Reza Hosseini, Stefanie Gisler und Christoph Albrecht. | © Raphael Rauch
10. September 2021 | 16:30
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