Ein homosexuelles Paar wird im Gottesdienst gesegnet.
Kommentar

Fiducia supplicans: Rom rudert zurück – aber nicht ganz

Das Schreiben «Fiducia supplicans» und der «Segen für alle» wird von vielen in der Kirche abgelehnt. Nun veröffentlicht der Vatikan eine Ergänzung dazu. Es ist ein Zugeständnis an die Gegner – aber nur zum Teil.

Jacqueline Straub

Der «Segen für alle» aus dem Vatikan schlug vor Weihnachten ein wie eine Bombe – in manchen Ländern brach ein Sturm der Entrüstung aus. Häresie und Traditionsbruch wurden Papst Franziskus aus reaktionären Kreisen vorgeworfen.

Papst als Häretiker

Auch in der Schweiz gibt es solche Stimmen: Der emeritierte Churer Weihbischof Marian Eleganti bezeichnet Papst Franziskus als kirchenspalterisch und betont, dass Päpste «wie die Bischöfe Hüter der Lehre der Kirche und ihrer ungebrochenen Tradition» seien.

Eleganti ist der Meinung, «dass eine sündige Praxis und Verbindung nicht gesegnet werden kann, weil sie der Schöpfungsordnung bzw. dem Willen Gottes widerspricht und in einem solchen Fall der Segen weder fruchtbar gespendet noch empfangen werden kann».

Ein Priester segnet ein gleichgeschlechtliches Paar (Symbolbild)
Ein Priester segnet ein gleichgeschlechtliches Paar (Symbolbild)

Mit dieser Haltung ist Eleganti in der Weltkirche nicht allein. Und auf die vielen Kritiker hat der Vatikan nun reagiert. Die am heutigen Tag erschienene Erläuterung zu «Fiducia supplicans» könnte daher als Sieg der Gegner gesehen werden – obwohl die Erläuterung betont, dass «Fiducia supplicans» kein Bruch mit der Tradition ist.

Denn jenen Bischöfen, die gegen das Schreiben protestieren, wird mit grosser Rücksicht und Barmherzigkeit begegnet. Sie sollen sich Zeit nehmen. Sie sollen das Dokument studieren. Sie sollen darüber beten – und dann eine Entscheidung treffen.

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Das Schreiben betont, dass «Umsicht und Aufmerksamkeit» verschiedene Wege der Anwendung erlauben, aber keine «totale oder endgültige Verweigerung dieses Weges». Konkret heisst das: Wer Papst Franziskus Häresie vorwirft, ist nicht mehr auf dem katholischen Pfad.

Schiff ist weiterhin auf dem Meer

Rom will einen Kurswechsel, ist nun aber etwas zurückgerudert, da die Wellen zu gross waren. Dennoch befindet sich das Boot noch immer auf dem Meer.

Auch wenn die Erläuterungen bei reformorientierten Katholikinnen und Katholiken einen faden Beigeschmack – wie auch schon «Fiducia supplicans» – hinterlässt, ist es dennoch kein endgültiger Sieg der reaktionären Stimmen in der Weltkirche.

Kardinal Victor Fernandez, Präfekt des Glaubensdikasteriums
Kardinal Victor Fernandez, Präfekt des Glaubensdikasteriums

Kardinal Victor Manuel Fernandez zeigt mit den Erläuterungen: Die Weltkirche zeichnet sich durch unterschiedliche Geschwindigkeiten aus. Alle sollen voranschreiten – manche schneller, manche langsamer, manche bremsend.

Vielleicht kann die momentane Kirchenlage als erstes Pflänzchen der Synodalität angesehen werden – schliesslich heisst katholisch ja weltumspannend. Da gibt es viel Raum und Spielraum für Verwirklichungen.


Ein homosexuelles Paar wird im Gottesdienst gesegnet. | © KNA
4. Januar 2024 | 17:15
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