Doris Strahm  | © Vera Rüttimann
Schweiz
Doris Strahm | © Vera Rüttimann

Feministinnen verlassen aus Protest die katholische Kirche

Zürich, 19.11.18 (kath.ch) Sechs bekannte Schweizer Katholikinnen treten wegen anhaltendem frauenfeindlichem Verhalten von Klerikern und dem kirchlichen Lehramt aus der Kirche aus. Der Entscheid erfolgte nach langem Ringen, wie es in einer Mitteilung vom Montag heisst.

«Wir gehen!» ist die Mitteilung über- und unterschrieben. Die frühere grüne Nationalrätin Cécile Bühlmann, die ehemalige Direktorin des Hilfswerks Fastenopfer, Anne-Marie Holenstein, Monika Stocker, ehemalige Nationalrätin und Stadträtin von Zürich, Doris Strahm, feministische Theologin und Publizistin, Regula Strobel, auch sie feministische Theologin, sowie die ehemalige Nationalrätin und Mitglied des Europarats, Ruth-Gaby Vermot, wollen nicht mehr einer Institution angehören, die die Rechte der Frauen verneine und «Frauen aufgrund ihres Geschlechts aus der kirchlichen Hierarchie, der heiligen (Männer-)Herrschaft» ausschliesse, wie es in der Mitteilung heisst.

Papst-Aussage zu Abtreibung unhaltbar

Sie hätten sich diesen Schritt nicht leicht gemacht, schreiben die sechs durch ihr Engagement in Kirche und Politik bekannten Frauen. Die Frauenfeindlichkeit habe in der römisch-katholischen Kirche aber seit Jahrhunderten System, zölibatär lebende Kirchenmänner bestimmten über Körper und Sexualität der Frau und würden eine rigide menschenfeindliche Sexualmoral vertreten.

Der sprichwörtliche letzte Tropfen, der für die sechs unterzeichnenden Frauen das Fass zum Überlaufen brachte, sei der Vergleich des Schwangerschaftsabbruchs mit einem Auftragsmord durch Papst Franziskus am 10. Oktober gewesen. Diese schockierende Aussage sei nicht nur ein verbaler Ausrutscher, sondern zeige eine Grundhaltung der Kirche: Frauen würden kriminalisiert, während die an der Schwangerschaft beteiligten Männer überhaupt nicht in die Pflicht genommen würden. Die Aussage des Papstes hatte international weit über feministische Kreise hinaus für Empörung gesorgt. Eine entsprechende Petition wurde beispielsweise auch vom Schweizerischen katholischen Frauenbund unterstützt.

Glaubwürdigkeit steht auf dem Spiel

In den Gemeinden vor Ort erlebten die Frauen wohl eine «andere Kirche». Eine Kirche, in der die Werte von Geschlechtergerechtigkeit und einem guten Leben vertreten würden. Doch «können wir uns nicht länger vormachen, dass wir als Mitglieder der römisch-katholischen Kirche mit dem römischen Lehramt und der Klerikerkirche nichts zu tun hätten», heisst es in der Mitteilung. Die sechs aus der katholischen Kirche austretenden Frauen halten fest, dass sie als Feministinnen einem solchen System nicht länger angehören wollen und ihre Glaubwürdigkeit auf dem Spiel stehe.

Die bisher geleisteten Kirchensteuern wollen die Frauen in Form von Spenden direkt sozialen Projekten in- oder ausserhalb der Kirche zukommen lassen. Den «römisch-katholischen Machtapparat mit seiner patriarchalen Theologie» wollen sie nicht mehr weiter unterstützen. (ms)


Feministische Theologinnen entsetzt über Abtreibungsvergleich des Papstes

Katholischer Frauenbund bedauert Austritt

In einer Stellungnahme äussert der Schweizerische katholische Frauenbund SKF zwar Verständnis für die Frustration der sechs Frauen, welche am Montag gemeinsam ihren Austritt aus der römisch-katholischen Kirche bekannt gegeben haben. Doch bedauert der SKF auch, dass diese dadurch allen Teilen der Kirche den Rücken kehrten.

Der SKF lehnt ebenfalls «die gegenwärtige Machtverteilung in der Institution Katholische Kirche ab und fordert tiefgreifende Veränderungen», wie es in der Mitteilung weiter heisst. Doch werden Frauen und Männer aufgefordert, hartnäckig zu bleiben und die Kirche von innen her zu verändern.

«Wir bleiben unbequem bis die katholische Kirche zu dem wird, wozu sie vom Evangelium her berufen ist», schreibt der SKF weiter. In diesem Sinn werde der Verband auch weiter die Stimme für die Leute erheben, die «nicht mehr kämpfen können oder wollen». Hier werden ausdrücklich Frauen genannt sowie Frauen, wegen Liebesbeziehungen ausgeschlossene Priester, Homosexuelle, Geschiedene und Wiederverheiratete. (ms)

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