Feministinnen kritisieren Frauen-Aussage von SEK-Präsident Locher

Bern, 7.4.15 (kath.ch) Den Mahnfinger in Richtung des Präsidenten des Schweizerischen Evangelischen Kirchenbundes (SEK), Gottfried Locher, erhebt die «Interessengemeinschaft feministischer Theologinnen der Deutschschweiz und Liechtenstein». Ausgerechnet jener Kirchenmann, der in der «Weltwoche» die «Feminisierung der Kirchen» beklagte, warne nun vor dem Islam und dessen Umgang mit Frauen, schreibt die IG in einem Communiqué.

Locher habe in der «Schweizer Illustrierten» vom 30. März beklagt, der Islam kenne keine Gleichberechtigung von Mann und Frau. Im November 2014 habe Locher gegenüber der «Weltwoche» erklärt, die zunehmende Gleichberechtigung beziehungsweise die zunehmende Zahl von Pfarrerinnen führe dazu, dass Männer sich durch deren Themen, Sprache und Bilder nicht angesprochen fühlen und der Kirche irgendwann fernbleiben.

Ein «Affront»

Seine Haltung gegenüber den Frauen der eigenen Religionsgemeinschaft wie auch gegenüber den muslimischen Gläubigen sei ein «Affront», so die feministischen Thologinnen. Es sei zu bedauern, wenn für Locher eine Minderheit von 35 Prozent Pfarrerinnen bereits eine Gefahr darstelle und er die «Feminisierung» der Kirchen als Übel beklage.

Die IG feministischer Theologinnen weist weiter die «respektlose und herabsetzende Art, wie der christliche Theologe und SEK-Ratspräsident mit unseren muslimischen Mitbürgerinnen und Mitbürgern und ihrer Religion umgeht», zurück. Seine Aussagen würden in keiner Weise der Mehrheit der christlichen Theologinnen und Theologen der Schweiz entsprechen.

Der SEK konnte am Dienstag zu den Vorwürfen gegen den SEK-Präsidenten nicht Stellung nehmen. Der Sache werde nachgegangen, hiess es von Seiten der SEK-Medienstelle. (gs)

 

An der Bischofsweihe von Felix Gmür 2011: SEK-Ratspräsident Gottfried Locher (zweiter von rechts) neben dem christkatholischen Bischof Harald Rein © Barbara Ludwig
7. April 2015 | 17:01
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