Eva-Maria Faber: «Es wäre schäbig gewesen, vor den Schwierigkeiten davonzulaufen»
Die Rektorin der Theologischen Hochschule Chur feiert am 7. Juli ein Jubiläum: Sie ist seit 25 Jahren Professorin. Im Podcast «Laut + Leis» spricht sie über das Verhältnis der Hochschule zum Bistum Chur und sagt, warum sie sich für die Ökumene engagiert.
Sandra Leis
Zuerst erhält sie eine Zusage, dann kommt das Signal, dass eine Anstellung vielleicht doch nicht möglich ist: Die Theologische Hochschule Chur (TH Chur) steckt im Jahr 2000 in einer Krise – es ist unklar, ob die Hochschule weiter bestehen wird.
Schliesslich klappt es doch: Eva-Maria Faber ist knapp 36 Jahre alt, hat über den Reformator Johannes Calvin habilitiert und ist nun Professorin für Dogmatik und Fundamentaltheologie.
Eine Karte von Amédée Grab
Was sie besonders gefreut habe, so erzählt sie im Podcast «Laut + Leis», war eine Karte vom damaligen Bischof Amédée Grab: «Er schrieb mir eigenhändig eine Karte und dankte mir, dass ich komme. Das war eine herzliche Geste.»
Überhaupt sei das Verhältnis zu Bischof Amédée gut gewesen. Die Zeit mit dessen umstrittenem Vorgänger hat Faber nicht miterlebt – Bischof Wolfgang Haas wurde 1998 nach Liechtenstein versetzt.
Bischof Vitus Huonder misstraute der TH Chur
2007 wird Eva-Maria Faber zur Rektorin der Hochschule ernannt und Vitus Huonder zum Bischof des Bistums Chur. Über die Jahre mit Huonder sagt sie: «Das Verhältnis zu Bischof Vitus war sehr stark von Misstrauen geprägt. Er hat uns als Hochschule nicht hoch angesehen.»
Manchmal habe sie gedacht, es wäre ihm lieber gewesen, es gäbe diese Hochschule nicht. Kommt hinzu, dass er mit seinem Vetorecht versuchen konnte, Prozesse zu blockieren.
Umfeld in Mitleidenschaft gezogen
Allerdings: «Der Bischof kann ablehnen, aber er kann nicht konkret Entscheidungen vorgeben», so Faber. So habe sich die Hochschule vor Eingriffen schützen können. Grössere Sorgen habe ihr gemacht, dass das ganze Umfeld in Mitleidenschaft gezogen wurde.
«Die Frage war, wer möchte in diesem Bistum einen kirchlichen Dienst ergreifen, und wer will hier studieren?»
Sie ist geblieben
Trotz der jahrelangen Missstimmung: Eva-Maria Faber ist in Chur geblieben, obwohl sie mit ihrem exzellenten akademischen Ausweis bestimmt auch eine andere Stelle hätte übernehmen können.
«Es wäre mir schäbig vorgekommen, vor den Schwierigkeiten davonzulaufen», sagt Faber. «Für mich war es eine Herausforderung, diese anspruchsvolle Zeit trotzdem zu bestehen und zu schauen, wie die Hochschule einen guten Weg in die Zukunft nehmen kann.»
Hohe Erwartungen an Bischof Joseph
Gross waren die Erwartungen, als Papst Franziskus vor vier Jahren Joseph Maria Bonnemain zum Bischof von Chur ernannte. Faber sagt: «Bischof Joseph ist ein Gesicht der Kirche, das freundlich sein will. Das ist ihm, glaube ich, wirklich gelungen.»
Das Verhältnis zur Hochschule beschreibt sie so: «Bischof Joseph hat Vertrauen in die Hochschule, und er lässt uns die nötigen Freiräume.» Interessant sei auch, dass er die Hochschule immer wieder um eine theologische Expertise bitte. «Das habe ich in früheren Jahren kaum je erlebt.»
Umgang mit fehlender Gleichberechtigung
Rund fünfzig Menschen studieren derzeit katholische Theologie in Chur. Wie gehen sie mit der nach wie vor fehlenden Gleichberechtigung in der römisch-katholischen Kirche um?
Für andere sprechen könne sie nicht, doch sie habe den Eindruck von einem nüchtern pragmatischen Umgang, so Faber. «Die Studierenden sehen, dass in der Kirche nicht alles so ist, wie man sich das wünscht. Trotzdem hat sich ein Grossteil dafür entschieden, den Weg in den kirchlichen Dienst zu gehen.»
Das heisst, die Studierenden versuchen, sich nicht ausschliesslich auf dieses Thema zu fixieren. Ähnliches gilt für Eva-Maria Faber selbst: Sie spricht von wechselnden Phasen und sagt: «Immer wenn ich mich wissenschaftlich mit dem Thema befasse, brauche ich danach wieder Abstand, damit mich das innerlich nicht vergiftet.»
Herzensangelegenheit Ökumene
Beharrlichkeit und einen langen Atem zeichnen Eva-Maria Faber aus. Beides braucht sie auch bei der Ökumene, ihrer Herzensangelegenheit. Sie sitzt in verschiedenen Gremien und ist Beraterin des Dikasteriums zur Förderung der Einheit der Christen unter der Leitung von Kardinal Kurt Koch.
«Wenn es darum geht, konkrete Schritte zu gehen, dann wird gebremst – insbesondere auf römisch-katholischer Seite», sagt Faber. Zweierlei fällt ihr dabei besonders auf: Erstens wisse man oft zu schnell, was die anderen verändern müssten.
Zweitens gehe es darum, endlich entschlossen zu handeln. «Es reicht nicht, wenn wir sagen, wir möchten gerne und es wäre schön. Sondern wir sollten fragen: Was müssen wir tun, um diese Einheit auch wirklich zu erreichen?»
Ignatius von Loyola als Inspirationsquelle
Antworten hat Faber bei Ignatius von Loyola gefunden und dazu auch ein Buch geschrieben. Es trägt den Titel «Entschlossen vorangehen. Ignatianische Spiritualität als Stachel für die ökumenische Praxis» (Verlag Aschendorff, 2023).
Es ist ein Plädoyer, jetzt ins Handeln zu kommen. Dazu brauche es vor allem eines, sagt Eva-Maria Faber im Podcast «Laut + Leis»: «Wir dürfen unsere Traditionen leben und müssen gleichzeitig offen werden für das, was die anderen als wichtig erkannt haben. Es geht darum, diese Pluralität zu akzeptieren.»
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