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Europas Taizé-Gäste in Basel entdecken Bruder Klaus

Bischof Felix Gmür beim Taizé-Workshop mit Jugendlichen | © Vera Rüttimann

Basel, 1.1.18 (kath.ch) “Gott nahe und den Menschen nahe”, so hiess einer der Workshops, den die Jugendlichen am Europäischen Taizé-Treffen in Basel besuchen konnten. Im Lindenberg-Saal der Pfarrei St. Clara in Basel halfen Felix Gmür, Bischof von Basel, und Carmen Kiser, Direktorin des Bruder-Klaus-Museums in Sachseln, den Jugendlichen, den Schweizer Nationalheiligen entdecken.

Vera Rüttimann

Für Felix Gmür war Bruder Klaus schon als Kind mehr als eine alte Holzfigur im Herrgottswinkel, sondern ein Freund und Beschützer. Seine Grossmutter, die aus Kerns im Kanton Obwalden stammte, sagte zu ihm als Kind stets: “Bruder Klaus, der passt auf uns!” Er wusste schon früh: Bruder Klaus ist den Menschen nahe. Wenn er kein Gebet mehr auf den Lippen hatte, war da immer noch das Bruder-Klausen-Gebet “Mein Herr und mein Gott.” Diese persönlichen Einblicke gab der Bischof von Basel vor über hundert jungen Leuten, die es zum Workshop über Bruder Klaus in den Lindenberg-Saal am Rheinufer zog.

Wer ist dieser Mann?

Die Jugendlichen, die den Weg in den Lindenberg-Saal fanden, waren ausgesprochen neugierig, was es mit diesem Heiligen auf sich hat, über den sie gelesen haben, dass er Bauer, Richter, Ehemann und Familienvater war, aber ebenso Eremit, Ratgeber und Friedensstifter. Sie wollten verstehen, wie ein Mann mit fünfzig Jahren Haus, seine Frau und seine zehn Kinder verlassen konnte, um sich für die restlichen zwanzig Jahre seines Lebens in Armut und Einsamkeit ganz Gott zu widmen. Sie wollten wissen, wieso es so viele Menschen heute in die Ranftschlucht zieht.

Carmen Kiser, die neue Direktorin des Bruder-Klaus-Museums im obwaldnerischen Sachseln, sagte angesichts der internationalen Durchmischung der Besucher im Lindenberg-Saal als erstes: “Bruder Klaus ist keine reine Schweizer Angelegenheit. Er ist bekannt in der ganzen Welt.” Sie wies in ihrem Vortrag über den Heiligen Bruder Klaus darauf hin, dass es heute weltweit Hunderte Schulen, Kirchen und Kapellen gibt, die seinen Namen tragen.

Eremit, und doch den Menschen nahe

Einer der Gäste des Workshops wollte in Erfahrung bringen, wie Bruder Klaus als Eremit den Menschen nahe sein konnte. Für Bischof Felix Gmür ist genau diese Dualität das Erfolgserfolgsgeheimnis von Bruder Klaus. Der Basler Bischof bezeichnete ihn als ein “Open-Haus-Eremit”. Er sagte: “Obwohl er intensiv fastete und betete und in der Stille Gott suchte, hielt er sich keineswegs von der Welt fern. Er war den Menschen nahe als Politiker, Richter und Ratsherr. Und sie kamen von nah und fern, um seinen Rat zu suchen.” Er wurde, erfuhren die Jugendlichen aus dem Ausland, sogar zum Streitschlichter. Über die Landesgrenze hinaus sei er, erzählte Gmür, bekannt geworden als Vermittler im Stanser Verkommnis 1481, bei dem sich die zerstrittenen Städte- und Länderorte der Eidgenossenschaft einigten.

Carmen Kiser lud die Jugendlichen ein, für einen Moment darüber nachzudenken, wo sie ihren persönlichen Ranft im Leben finden könnten. Für sie muss die Wahl nicht auf die Ranft-Schlucht fallen, sondern kann auch ein Ort im “grössten Trubel” einer Stadt sein. Dort, wo laut Kiser heute die wahren Wüsten zu finden sind.

“Dorothea ist eine Heilige”

Die Jugendlichen erfuhren von Kiser auch, dass dem Schritt von Bruder Klaus in die Einsiedelei der Ranftschlucht eine Vision vorausging, die ihn in Liestal, also  unweit von Basel, ereilte: “Dieser Ort erschien ihm ganz rot. Er nächtigte bei einem Bauern, der ihm riet, zurückzukehren. Ein Lichtstrahl zeigte ihm zudem, dass er heimkehren und in den Ranft gehen soll.”

Auch Niklaus von Flües Ehefrau Dorothea interessierte die Jugendlichen sehr. Das Einzige, erfuhren die Taizé-Gäste, was der hagere Mann als Eremit am Leib trug, war das Gewand, das ihm sein Frau genäht hatte. “Ein klares Zeichen, dass sie seine spezielle Berufung mitgetragen und bejaht hat”, sagte Carmen Kiser.

Von Bischof Felix Gmür wollte ein Jugendlicher wissen: Warum wurde seine Frau nicht längst heiliggesprochen? Gmür erklärte es ihm so: “Eine Sache ist, heilig zu sein. Und eine andere Sache ist, heiliggesprochen zu sein.” Für die meisten Schweizer sei Dorothea längst eine Heilige. Seiner Ansicht nach muss sie auch heiliggesprochen werden. “Nur fehlen der katholischen Kirche Überlieferungen, dass Dorothea zu ihren Lebzeiten verehrt wurde”, sagte Felix Gmür.

Was Bruder Klaus und Frère Roger verbindet

Einer der interessantesten Aspekte dieses Workshops behandelte die Frage: Welche Gemeinsamkeiten gibt es zwischen Nikolaus von Flüe, Frère Roger und der Kommunität von Taizé? Frère Christoph, ein Schweizer, der seit über 20 Jahren in Taizé lebt, sprach als erstes über die enge Beziehung der ökumenischen Bruderschaft zu Bruder Klaus, die extra für das 40. Europäische Jugendtreffen in Basel zwei Lieder über den Schweizer Nationalheiligen komponiert hat. Er betonte: “Viele Brüder sind berührt von der Ranftschlucht, berührt auch von der Lebensgeschichte von Bruder Klaus. Nach diesem Treffen werden die Brüder, die derzeit am Jugendtreffen in Basel sind, die Ranftschlucht besuchen.”

Frère Christoph konnte zudem einige Aspekte aus dem Leben von Niklaus von Flüe ausmachen, die auch dem Gründer von Taizé wichtig waren: “Den Glauben authentisch leben, gegen Ungerechtigkeit vorgehen und sich für Frieden und Versöhnung einsetzen.” All dies seien Werte, die auch die Bruderschaft von Taizé den Jugendlichen weitergeben möchte. Gerade jetzt, wo Europa zerrissen sei wie lange nicht mehr.

Für den Basler Bischof sind es drei Punkte, die Bruder Klaus und Frère Roger spirituell verbinden. Beide Persönlichkeiten seien erstens Gottessucher gewesen. Die Gottsuche, analysierte Gmür, sei bei Bruder Klaus mehr auf Frieden ausgerichtet gewesen, bei Roger mehr auf die Lebensfreude. Beide führten zweitens in einem weiten Sinne offene Häuser, in denen jeder willkommen sei. Als dritten Punkt machte Felix Gmür den einfachen Lebensstil der beiden aus. Er sagte: “Ihr Leben zeigt auf eindrückliche Weise: Ein Christ braucht nicht viel an materiellen Dingen, um Gott zu finden.”

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