Betende Hände | © pixabay.com
Schweiz
Betende Hände | © pixabay.com

Erste Ja-Stimmen der reformierten Romands zum neuen «Vaterunser»

Lausanne/Rom, 7.12.17 (kath.ch) Per 1. Dezember wurde in der römisch-katholischen Kirche Frankreichs eine neue Übersetzung einer Zeile des «Vaterunsers» eingeführt. Die Schweizer Bischöfe haben die Einführung auf Ostern 2018 verschoben, damit die Westschweizer Reformierten in ihren Gremien Stellung dazu beziehen können. Nun kommen aus der Romandie erste Ja-Stimmen.   

Die Zeile «Et ne nous soumets pas à la tentation» (Und führe uns nicht in Versuchung) wurde geändert in  »Et ne nous laisse pas entrer en tentation». Das Verb «soumettre» (unterwerfen) wurde durch «ne pas laisser entrer» (wörtlich: nicht eintreten lassen) ersetzt. Die Anpassung soll in allen französischsprachigen Ländern erfolgen.

Die Schweizer Bischöfe werden die neue Übersetzung erst auf Ostern hin übernehmen, wie sie im Juni mitteilten. Die zeitliche Verschiebung soll es allen christlichen Kirchen in der Westschweiz ermöglichen, über das Thema in ihren Gremien zu befinden.

«Die Diskussion drehte sich um ein gemeinsames Gebet.»

Als eine der ersten Kantonalkirchen hat sich nun die Evangelisch-Reformierte Kirche im Kanton Waadt (EERV) im November entschieden, die neue Version einzuführen. Dabei wurde der Sorge um die Einheit mit der katholischen Kirche mehr Gewicht gegeben als theologischen Argumenten, wie cath.ch am 1. Dezember meldete. «Die Diskussion drehte sich um ein gemeinsames Gebet, nicht um die Definition einer biblischen Übersetzung», sagte Synodalratspräsident Xavier Paillard auf Anfrage von cath.ch. Die Delegierten der Synode drückten damit ihre Bereitschaft aus, den ökumenischen Prozess so konstruktiv wie möglich zu gestalten.

Dank an die Schweizer Bischöfe

Virgil Rochat, Pfarrer an der Kathedrale von Lausanne und Mitglied der Synode der EERV, schätzt trotz gewisser theologischer Vorbehalte die neue Version, «weil sie ein Abbild eines zeitgenössischen Gottes ist, eines Gottes voller Liebe und Verständnis», sagte er gegenüber cath.ch. Er begrüsst die Übersetzung, weil sie eine Diskussion über Theologie, Übersetzung und Liturgie auslöse. Seiner Meinung nach hätten auch andere Verse des Gebets eine Anpassung nötig.

«Ein Vater tut so etwas nicht.»

Die Waadtländer Reformierten hoffen, dass die anderen reformierten Kirchen der Westschweiz ihrem Beispiel folgen. Xavier Paillard bedankte sich schliesslich bei den Schweizer Bischöfen für die Verschiebung der Einführung. Die Verständigung unter den Kirchen würden die vier Monate Verzögerung aufwiegen.

Evangelische Allianz ebenfalls für die neue Version

Die theologische Kommission der Schweizerischen Evangelischen Allianz (SEA) spricht sich ebenfalls für die neue Version aus, wie einer Mitteilung auf der französischsprachigen Website zu entnehmen ist. Dies trotz der Tatsache, dass sich die Kommission nicht ganz einig war: Die Befürworter der neuen Version argumentierten, dass Gott nicht in Versuchung führe, andere hingegen fanden, dass die alte Version den Aspekt der Prüfung mehr betone, was näher beim griechischen Original «peirasmos» sei. Die Kommission und der Rat der SEA ermuntern ihre Mitglieder jedoch, die neue Version anzunehmen, damit jene, die dies möchten, das Gebet gemeinsam sprechen könnten.

Auch Papst Franziskus hat die neue Version des «Notre Père» gelobt. In einem Interview des italienischen katholischen Senders TV2000 (6. Dezember), kritisierte auch er, es sei nicht Gott, der in Versuchung führe, um zu sehen, wie jemand falle. «Ein Vater tut so etwas nicht», so der Papst. «Wer dich in Versuchung führt, ist der Satan.» Deshalb sei die französische Version geändert worden, um zum Herrn zu beten, «mich nicht fallen zu lassen». Gott als Vater würde einem sofort helfen, wieder aufzustehen. (cath.ch/cic/sys)


Westschweizer Katholiken zwischen Frankreich und Ökumene

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