Bischof Felix Gmür
Schweiz

Entscheid der Luzerner Synode: Basler Bischof kritisiert Drohung mit der Finanzkeule

Das Luzerner Kirchenparlament will mit finanziellem Druck auf das Bistum Basel die Aufarbeitung von Missbrauch sicherstellen. Der Basler Bischof Felix Gmür findet den Druck über die Finanzen falsch und verweist auf die neuste Massnahme des Bistums im Bereich Prävention.

Barbara Ludwig

Die Synode der Römisch-katholischen Landeskirche des Kantons Luzern hat am Mittwoch beschlossen, mit der Finanzkeule zu drohen. Das Kirchenparlament hat eine Reihe von Forderungen im Zusammenhang mit der Aufarbeitung von Missbrauch an das Bistum Basel gestellt und will deren Umsetzung regelmässig durch eine Sonderkommission prüfen lassen.

Mitglieder der Luzerner Synode (Kirchenparlament) beim Abstimmen am 8. November 2023.
Mitglieder der Luzerner Synode (Kirchenparlament) beim Abstimmen am 8. November 2023.

Sollte das Bistum die Forderungen oder gesetzte Fristen nicht erfüllen, «behält sich die Synode vor, das Zurückbehalten eines Teils des Bistumsbeitrages zu beschliessen». So steht es im Text der Motion, zu dem das Kirchenparlament mit 76 zu 12 Stimmen Ja gesagt hat.

Rund eine halbe Million Franken

Die Synode hat jedoch bereits für das kommende Jahr Druck aufgebaut: Die Sonderkommission werde dem Kirchenparlament an der Herbstsession 2024 beantragen, ob die zweite Hälfte des jährlichen Bistumsbeitrags der Landeskirche ausbezahlt werde, hiess es in der Medienmitteilung der Landeskirche vom Mittwoch. Es geht um einen Beitrag in der Höhe von 442’000 Franken, der in der Schwebe ist. Der Antrag kam in der Beratung des Budgets 2024 mit 59 gegen 30 Stimmen durch – und war somit nicht unumstritten.

«Die Frage ist, ob das das richtige Zeichen ist»

Bischof Felix Gmür

Der Basler Bischof Felix Gmür zeigt sich nicht erfreut über den Entscheid der Synode. «Die Frage ist, ob das das richtige Zeichen ist», sagte er am Mittwochabend in der SRF-Sendung «Schweiz aktuell». Das Ziel sei die Aufarbeitung. Gegenüber dem Zentralschweizer Privatfernsehsender Tele 1 sagte er: «Wenn die Beiträge gekürzt würden, wäre das nicht gut.» Man wolle das ja zusammen machen, meinte Felix Gmür mit Blick auf die Aufarbeitung. Weniger Geld bedeute weniger Ressourcen.

Gmür spricht von einem «Meilenstein»

In der Sendung «Schweiz aktuell» wies der Bischof auf die neuste Massnahme des Bistums im Bereich Prävention hin. Das Bistum hat soeben eine unabhängige Anwaltskanzlei mit kirchenrechtlichen Voruntersuchungen und der Prüfung von Antragsgesuchen auf Genugtuung beauftragt. Damit werden diese Verfahren neu extern durchgeführt, was eine grössere Unabhängigkeit als bisher gewährleisten soll. Am Montag sei der entsprechende Vertrag unterschrieben worden, sagte Felix Gmür und folgerte: «Das ist ein Schritt in die richtige Richtung und ein Meilenstein.»

Die fünf Forderungen der Synode

Diese Massnahme dürfte bei den Luzerner Synodalen auf Anklang stossen. Zu den fünf Forderungen, die sie am Mittwoch an das Bistum richteten, zählt auch diejenige nach einer unabhängigen Meldestelle.

Das partnerschaftliche Leben von Mitarbeitenden soll bei Anstellungen nicht mehr relevant sein.
Das partnerschaftliche Leben von Mitarbeitenden soll bei Anstellungen nicht mehr relevant sein.

Mit der Zustimmung zur entsprechenden Motion verlangten die Synodalen zudem unabhängige Untersuchungen, der Verzicht auf Aktenvernichtung, die Öffnung der Archive der Nuntiatur in Bern sowie die Umsetzung aller von der Römisch-Katholischen Zentralkonferenz der Schweiz (RKZ) zur Diskussion gestellten Massnahmen. Insbesondere die «Abkehr von der lebensfeindlichen und homophoben Sexualmoral». Die Landeskirche erklärt das in ihrer Medienmitteilung von Mittwoch so: Das partnerschaftliche Leben von kirchlichen Mitarbeitenden soll weder anstellungs- noch kündigungsrelevant sein.


Bischof Felix Gmür | © Bernard Hallet
9. November 2023 | 15:30
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