Engagierter Opfervertreter Jacques Nuoffer tritt zurück
Der Westschweizer Jacques Nuoffer tritt als Präsident der Opferorganisation Sapec zurück. Er hat sich 14 Jahre lang für Opfer von sexuellem Missbrauch in der katholischen Kirche engagiert – auch bei der Präsentation der Missbrauchsvorstudie vor einem Jahr.
Regula Pfeifer
An der ausserordentlichen Generalversammlung am 7. November wurde dem abtretenden Vereinspräsidenten «für seine Pionierarbeit herzlich gedankt», heisst es in der Mitteilung von gestern. Sapec ist die erste Vereinigung schweizweit, die sich für Opfer von Missbrauch in der Kirche engagiert hat.
Mitbegründer der Opferorganisation
Jacques Nuoffer ist kurz vor seinem 80. Geburtstag von seiner Funktion zurückgetreten. Er hat die Gruppe Sapec mitbegründet. Diese unterstützt laut Mitteilung Menschen in der Westschweiz, «die in einem religiösen Autoritätsverhältnis misshandelt wurden». Insbesondere unterstützen ihre ehrenamtliche Vereinsmitglieder Opfer von Missbrauch persönlich.
Als Präsident machte Nuoffer immer wieder öffentlich auf den sexuellen Missbrauch in der katholischen Kirche der Schweiz aufmerksam. Auch an der Pressekonferenz über die Pilotstudie zur Geschichte des Missbrauchs in der katholischen Kirche der Schweiz im September 2023 vertrat er die Opferseite vor den Medien. Die ehemalige Vizepräsidentin und ebenfalls Mitbegründerin Marie-Jo Aeby verliess das Gremium bereits im Frühling.
Übergangskomitee übernimmt Verantwortung
Die Nachfolge von Nuoffer und Aeby konnte die GV noch nicht wählen. Jedoch wählten die Vereinsmitglieder ein Übergangspräsidium, das die Aufgaben in gemeinsamer Verantwortung übernimmt. Darunter befinden sich die Ärztin und ehemalige Interims-Vizepräsidentin Marie-Madeleine Zufferey-Sudan, die Ärztin Myriam Caranzano-Maître sowie Marc Larivé, Hubert Varrin (Kassier) und Gabriella Loser Friedli (Sekretariat und Medien). Dieses Übergangskomitee habe die Aufgabe, neue Mitglieder für ein dauerhaftes Komitee zu finden sowie einen Präsidenten oder eine Präsidentin, so die Mitteilung.
Doch auch die anderen Sapec-Aktivitäten soll das Übergangskomitee weiter gewährleisten. «Oberste Priorität hat weiterhin die Unterstützung der Betroffenen», heisst es. Wichtig sei auch die Zusammenarbeit mit den Diözesen, der RKZ (Römisch-katholische Zentralkonferenz der Schweiz), der SODK (Konferenz der kantonalen Sozialdirektoren).
Engagiert fürs neue Opfermeldesystem
Dies im Hinblick auf den Umbau der Meldesystems von Missbrauch in der Kirche. Geplant ist, dass per Anfang 2025 die kirchlichen Meldestellen für Opfer sexueller Gewalt abgelöst werden durch die kantonalen Opferhilfestellen.
Dazu soll die Kirche eine nationale Informations- und Koordinationsstelle gründen, die als Schnittstelle zwischen der staatlichen Opferhilfe und den kirchlichen Strukturen dienen soll. Die Sapec will sich dafür einsetzen, dass diese Schnittstelle «von Beginn an möglichst reibungslos» gestaltet werde.
Neben der Sapec in der Westschweiz gibt es inzwischen in der Deutschschweiz die IG M!Ku und im Tessin seit kurzem den Gava. Beide Vereine sind unabhängig und unterstützen Menschen, die Missbrauch im religiösen beziehungsweise kirchlichen Kontext erfahren haben.
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