Abt Urban Federer
Schweiz

Einsiedler Abt nach Trump-Attacke: «Papst-Worte müssen der Politik nicht gefallen»

Viele Katholikinnen und Katholiken sind entsetzt ob der Attacke von Donald Trump auf Papst Leo XIV. Auch beim Einsiedler Abt Urban Federer kommt das Schmäh-Posting des US-Präsidenten nicht gut an. Der Papst sei weder von einer politischen Meinung noch einer politischen Partei abhängig.

Barbara Ludwig

Beim Kloster Einsiedeln kommen Trumps Aussagen nicht gut an, wie «20 Minuten online» berichtet. Zwar halte man sich dort mit offener Kritik zurück. Die Äusserungen zeigten, wie gewichtig die Worte des Papstes seien und wie stark sie gehört würden, sagt demnach Abt Urban Federer.

In seiner Osterbotschaft sage der Papst, dass alle Menschen Frieden suchen sollen und keine Gewalt, und dass dieser Krieg keine Lösungen, sondern eine weltweite ökonomische Krise und viel Hass bringe, so Urban Federer. «Diese Worte müssen der Politik nicht gefallen. Aber als alternative Botschaft sind sie in einer Demokratie wichtig.»

Papst muss sich auf Gewissen berufen können

Die Predigt des Papstes beim Friedensgebet vom vergangenen Samstag sei keine Provokation gewesen, betont der Abt gegenüber der Online-Zeitung. Papst Leo sagt, dass die Menschen Frieden wollen. «Eine Religion muss das sagen können. In seiner Aussage ist Papst Leo weder von einer politischen Meinung noch von einer politischen Partei abhängig. Vielmehr muss er sich auf sein Gewissen berufen können und auf seine Interpretation von Ostern. Das ist entscheidend.»

Wie die Worte danach in den sozialen Medien oder von politischen Akteuren dargestellt würden, darauf hätte man keinen Einfluss, sagt Urban Federer weiter.

Papst geisselte «Allmachtsfantasien»

Papst Leo XIV. hatte sich in jüngster Zeit wiederholt kritisch über die Kriegsrhetorik und Kriegsführung von US-Präsident Donald Trump geäussert. Am vergangenen Samstagabend rief das Kirchenoberhaupt schliesslich bei einem Friedensgebet im Petersdom die Staats- und Regierungschefs zur Beendigung der Kriege in Nahost und weltweit auf.

Papst Leo XIV. am 8. Januar 2026 im Petersdom im Vatikan.
Papst Leo XIV. am 8. Januar 2026 im Petersdom im Vatikan.

Sie sollten sich an den Tisch des Dialogs und der Vermittlung setzen, «nicht an die Tische, an denen die Aufrüstung geplant und tödliche Massnahmen beschlossen werden». Sogar der heilige Name Gottes werde für Todesreden herangezogen, beklagte Leo XIV vor rund 11’000 Menschen in der Basilika und auf dem Petersplatz.

Das Gebet sei kein Zufluchtsort, um sich der Verantwortung zu entziehen. Vielmehr bilde es, «einen Damm gegen jene Allmachtsfantasien, die um uns herum immer unberechenbarer und aggressiver werden», sagte der Papst weiter.

«Eine Katastrophe in der Aussenpolitik»

Die Aussagen waren wohl nicht nach dem Geschmack des US-Präsidenten. Donald Trump veröffentlichte in der Nacht auf Montag ein Online-Posting auf seiner Plattform Truth Social, in dem er den Papst nach Strich und Faden abkanzelt.

Leo XIV. sei «SCHWACH im Umgang mit Kriminalität und eine Katastrophe in der Aussenpolitik». Der amerikanische Präsident warf seinem Landsmann vor, sich selbst und der Kirche mit seiner «laschen» Haltung zu schaden: «Leo sollte sich als Papst zusammenreissen, seinen gesunden Menschenverstand einsetzen, aufhören, der radikalen Linken nach dem Mund zu reden, und sich darauf konzentrieren, ein grosser Papst zu sein, kein Politiker».

Bischof Bonnemain stellte sich hinter den Papst

Auch der Churer Bischof Joseph Maria Bonnemain stellte sich hinter den Papst. «Unsere Welt braucht jetzt die klare Stimme des Papstes, des Oberhauptes aller Katholikinnen und Katholiken – auch vieler Amerikanerinnen und Amerikaner – als moralische Instanz und Botschafter des Friedens dringender denn je», sagte er am Montag in einer Stellungnahme gegenüber kath.ch. (Mit Material von CIC/KNA)

Anzeige ↓ Anzeige ↑

Abt Urban Federer | © Kloster Einsiedeln
14. April 2026 | 14:00
Lesezeit : ca. 2  Min.
Teilen Sie diesen Artikel!