Bischof Bonnemain zu Trumps Papstattacke: «Es geht um echte Menschlichkeit und die Vernunft, endlich die Waffen nieder zu legen»
Scharfe Worte aus der Schweiz und aus den USA: Nachdem der US-Präsident Papst Leo XIV. verbal attackiert hat, geht nicht nur Trump-Freund und Bischof Robert Barron öffentlich auf Distanz. Auch der Churer Bischof Joseph Maria Bonnemain spricht Klartext.
(woz/KNA) «Unsere Welt braucht jetzt die klare Stimme des Papstes, des Oberhauptes aller Katholikinnen und Katholiken – auch vieler Amerikanerinnen und Amerikaner – als moralische Instanz und Botschafter des Friedens dringender denn je», ist der Churer Bischof überzeugt. «Es geht nicht um Politik, sondern um die Frohbotschaft und Nachfolge Jesu. Es geht um echte Menschlichkeit und die Vernunft, endlich die Waffen nieder zu legen und sich ernsthaft um einen beständigen Frieden zu bemühen», sagt Bonnemain in einer aktuellen Stellungnahme gegenüber kath.ch.
«Ich bin dankbar, dass sich Papst Leo nicht einschüchtern lässt und standhaft seine, unsere Botschaft an die Welt und ihre Mächtigen klar und deutlich ausspricht.»
Bischof Bonnemain: «Ich bin dankbar, dass sich Papst Leo nicht einschüchtern lässt und standhaft seine, unsere Botschaft an die Welt und ihre Mächtigen klar und deutlich ausspricht. Hochmut, Imperialismus, Nationalismus und Diskriminierung widersprechen unseren christlichen Werten. Der Einsatz von Waffen und Drohnen befeuert lediglich eine Spirale der Aggression, der Gewalt und des Unfriedens.»
«Reine Gotteslästerung»
Jesus Christus zur Rechtfertigung dafür zu missbrauchen, so Bonnemain, sei dagegen reine Gotteslästerung. Der Papst beweise Mut, so Bonnemain, indem er dies anprangere. «Er stellt sich unerschrocken den Mächtigsten entgegen und scheut weder Kritik noch Demütigung. Ich unterstütze ihn darin voll und ganz.»
Der Churer Bischof Joseph Maria Bonnemain steht mit seiner Trump-Kritik nicht alleine da. Der in den USA weithin bekannte Bischof des Bistums Winona-Rochester in Minnesota gilt als Trump-Freund. So erklärte er auch, er sei «dankbar für die vielfältigen Wege, auf denen die Trump-Regierung auf Katholiken und andere gläubige Menschen zugegangen» sei. «Dennoch denke ich, dass der Präsident dem Papst eine Entschuldigung schuldig ist», schrieb Barron.
Bischof Robert Barron hat Präsident Donald Trumps Äusserungen auf «Truth Social» über Papst Leo XIV. als «völlig unangemessen und respektlos» kritisiert. In einem X-Post schrieb er am Montag, Trumps Statements trügen nicht zu einem konstruktiven Dialog bei.
Barron empfiehlt Treffen mit Vatikan
Der Bischof betonte, der Papst habe das Recht, «die katholische Lehre und die Grundsätze, die das moralische Leben leiten, zu formulieren». Über die konkrete Anwendung dieser Grundsätze könnten Menschen unterschiedliche Meinungen haben. Weiter schrieb Barron: «Ich würde ernsthaften Katholiken innerhalb der Trump-Regierung – Minister Rubio, Vizepräsident Vance, Botschafter Brian Burch und anderen – wärmstens empfehlen, sich mit Vertretern des Vatikans zu treffen, damit ein echter Dialog stattfinden kann. Dies ist den Äusserungen in den sozialen Medien bei weitem vorzuziehen.»
Trump hatte in der Nacht auf Montag auf seiner Plattform Truth Social geschrieben, Leo XIV. sei «SCHWACH im Umgang mit Kriminalität und eine Katastrophe in der Aussenpolitik». Der amerikanische Präsident warf seinem Landsmann vor, sich selbst und der Kirche mit seiner «laschen» Haltung zu schaden: «Leo sollte sich als Papst zusammenreissen, seinen gesunden Menschenverstand einsetzen, aufhören, der radikalen Linken nach dem Mund zu reden, und sich darauf konzentrieren, ein großer Papst zu sein, kein Politiker».
Inzwischen hat Papst Leo XIV. die Kritik vor Journalisten zurückgewiesen: «Ich fürchte weder die Trump-Regierung noch das offene Aussprechen der Botschaft des Evangeliums.» Er sei kein Politiker und wolle sich nicht auf eine Debatte mit Trump einlassen. «Aber wir glauben als Friedensstifter an die Botschaft des Evangeliums.»
Umstrittener Bischof mit Auszeichnung
Barron war im Juli 2025 in Münster mit dem Josef-Pieper-Preis ausgezeichnet worden. Barron erreiche über die Sozialen Medien auch Menschen, die bislang keine Berührungspunkte mit dem katholischen Glauben hatten, sagte der Passauer Bischof Stefan Oster in seiner Laudatio. Kritiker werfen Barron eine Nähe zu Rechtspopulisten und die Ausgrenzung queerer Menschen vor.
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