Vatikan

«Eine Ministrantenwallfahrt hat den Samen gestreut, Schweizergardist zu werden.»

Rom, 3.8.18 (kath.ch) Diesen Freitag endet die 12. Internationale Ministrantenwallfahrt in Rom. Seit Montag sind dazu rund 60’000 junge Leute in der Ewigen Stadt. Unter ihnen sind 350 Ministranten aus der Deutschschweiz. Sie machen in Kleingruppen auch eine Führung bei der Schweizergarde. Wie ein solcher Quartiersbesuch in ihm den Wunsch weckte, Gardist zu werden, erzählt Korporal Roland Bircher aus dem Kanton Luzern im Interview mit der katholischen Nachrichtenagentur in Rom CIC.

Stefanie Stahlhofen

Korporal Bircher, nun sind wieder Schweizer Ministranten in der Garde zu Besuch, Sie selbst kamen 2001 mit so einer Gruppe zum ersten Mal hier her, wie war das damals?

Bircher: Auch wenn es schon 17 Jahre her ist, war es wirklich unvergesslich mit verschiedensten Ministranten aus der ganzen Schweiz hierherzureisen. Für mich war besonders der Besuch bei der Schweizergarde sehr eindrücklich. Er war für mich auch für die Zukunft prägend: Für mich wurde bei der Ministrantenwallfahrt 2001 der Samen gestreut, Schweizergardist zu werden. Damals war ich 16 Jahre alt. Heute ist die Schweizergarde für mich nicht nur ein Beruf, sondern eine Berufung.

Waren Sie sich damals auch schon so sicher?

Bircher: Bei der Rom-Wallfahrt kam die Idee auf. Ich musste dann noch eine Ausbildung absolvieren und den Militärdienst in der Schweiz leisten. Das waren alles nötige Voraussetzungen. Ich bin 2003 mit der Schnupperwoche nochmal nach Rom gekommen und habe dann erneut in die Garde hinein gesehen. Dabei hat es für mich den berühmten «Klick» gegeben: Ja, Schweizergardist, das möchte ich werden.

Wie funktioniert diese Schnupperwoche?

Bircher: Interessierte Schweizer können für eine Woche nach Rom kommen und erhalten dann einen viel tieferen Einblick in die Schweizergarde als bei der Quartierführung. Klar, man zieht noch keine Uniform an, geht aber schon mit auf Dienstposten, kann auch in Gesprächen mit Gardisten das eine oder andere an Erfahrung mitnehmen. Ich war mir danach ganz sicher.

Wie hat Ihr Umfeld reagiert?

Bircher: Einerseits hiess es: «Oh, du gehst zur Schweizergarde, schön, da sind wir stolz drauf», aber auch: «Oh du gehst weg, nach Rom». Heute gibt es natürlich gute Verkehrsverbindungen und viele Kommunikationsmöglichkeiten, aber es ist trotzdem eine Distanz zur Schweiz. Entsprechend waren Freude und Betrübtheit nah beieinander.

«Ich bereue nicht eine Minute, die ich hier verbracht habe.»

Für mich war es ein Aufbruch in eine neue Zukunft und ich bereue nicht eine Minute, die ich hier verbracht habe, und würde auch heute wieder so entscheiden.

Und Sie würden auch noch etwas bleiben …

Bircher: Ich habe die Möglichkeit, bis zu 25 Dienstjahre zu leisten. Es geht auf jeden Fall noch weiter. Es ist wirklich eine sehr interessante Aufgabe. Ich kann mich entwickeln, ich kann und möchte die Schweizergarde weiterbringen. Dieses militärische Korps mit mehr als 500-jähriger Tradition, eine Repräsentation der Schweiz, auch weiterführen zu dürfen und weiter begleiten zu dürfen, ist wirklich eine sehr schöne Aufgabe.

Eine Aufgabe, an der vielleicht auch Frauen Interesse hätten…

Bircher: Beim Schweizer Militär sind auch Frauen zugelassen. Bei der Schweizergarde wird das vielleicht noch eine längere Zeit dauern. Das ist jedoch eine Entscheidung, die auch von Seiten des Vatikan getroffen werden muss.

«Die Schweizergarde ist eine Männertradition.»

Die Frage stellt sich natürlich immer wieder. Die Schweizergarde ist eine Männertradition, der Vatikan ist eine Männerdomäne. Es ist nichts ausgeschlossen. Es wird sich zeigen, was die Zukunft bringt.

Eine Frage, die sich auch viele stellen: Wie halten Sie es aus, besonders bei dieser Hitze, stundenlang in Uniform still zu stehen?

Bircher: Zwei Stunden Stillstehen muss man nur in einem expliziten Dienst, den vor allem junge Gardisten leisten. Man muss sich vorbereiten: Genug Essen, genug Trinken. Der Platz ist im Schatten. Wenn man sich gut vorbereitet, gehen zwei Stunden rum, ohne dass man es merkt. Ich bin froh, dass wir eine lange Uniform haben, das schützt auch vor der Sonne. Natürlich sind wir Gardisten auch nur Menschen: Wenn der Kreislauf nicht mehr mitspielt, kann man natürlich umkippen. Wenn das einmal passiert, kein Problem. Wenn es öfter vorkommt, wird es medizinisch abgeklärt. (cic)

Vereidigung der Schweizergardisten Mai 2018 | © Oliver Sittel
3. August 2018 | 12:11
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