Ein «Laudato si’»-Garten soll im Herzen von Lugano entstehen
Die Katholische Frauenunion des Tessins wünscht sich seit langem einen «Laudato si’»-Garten in Lugano. Nun nimmt das Projekt Gestalt an. Und zwar im Kreuzgang eines ehemaligen Kapuzinerinnenklosters, in dem heute das Pastoralzentrum San Giuseppe seinen Sitz hat.
Katia Guerra, catt.ch
Es war ein lang gehegter Traum der Katholischen Frauenunion des Tessins (UFCT): Ihre Vertreterinnen wollten einen Garten erschaffen, in dem man Frieden und Stille finden kann. Und in dem die Prinzipien der Enzyklika «Laudato si’» von Papst Franziskus zum Leben erweckt würden. Erfahrbar werden sollen darin also die Sorge um das gemeinsame Haus, die Achtung vor der Schöpfung, die Einfachheit, die zwischenmenschlichen Beziehungen und das Zuhören.
Garten im Kreuzgang des ehemaligen Klosters
Nun nimmt der Wunsch in Lugano Gestalt an. Der Garten soll im Kreuzgang des ehemaligen Klosters der Kapuzinerinnen angelegt werden. Im Gebäude sind heute das Diözesane Priesterseminar und das Pastoralzentrum San Giuseppe untergebracht – und auch die Redaktion catt.ch.
Jahrhundertelang prägte der Kreuzgang das geistliche und erzieherische Leben des Klosters: Er beherbergte einen Gemüsegarten und war ein Arbeitsraum, ein Ort der täglichen Fürsorge für die Erde und des Gleichgewichts zwischen Gebet und konkretem Leben. Bald könnten also historische Erinnerung und Gemeinschaftsleben wieder aufeinandertreffen. Dank der Unterstützung einiger Stiftungen ist es gelungen, einen ersten Teil der notwendigen Finanzmittel aufzubringen, um die Umsetzung des Projekts in Angriff zu nehmen.
Der Wert der Biodiversität
«Eine Initiative dieser Art ist sehr interessant, da sie sich nahtlos in den Schutz und die Förderung der Biodiversität einfügt, die auf Bundesebene sowohl in gesetzlicher als auch in strategischer Hinsicht gefördert werden», erklärt Guido Maspoli, wissenschaftlicher Mitarbeiter des Amtes für Natur und Landschaft des Kantons Tessin, der das Projekt mit Begeisterung an die Hand genommen hat.
«Unsere Dienststelle befasst sich genau damit, die Erhaltung einheimischer Arten zu fördern und eine reichhaltigere und bewusstere Präsenz der Natur auch in städtischen Siedlungen zu fördern. Es geht nicht einfach darum, eine schöne Grünfläche zu schaffen, sondern einen Ort zu gestalten, der ökologische Funktion, symbolischen Wert und Wohlbefinden für die Menschen vereint, die ihn erleben.» Eine Vision, die «Hand in Hand» mit den Grundsätzen der Enzyklika von Papst Franziskus geht und den «Laudato si’»-Garten zu einem Ort macht, der wichtige Botschaften vermitteln und Friedens- und Besinnungserfahrung bieten kann.
«Die Idee ist vielmehr, von der aktuellen Realität des Ortes auszugehen und diese mit einem stimmigen Konzept aufzuwerten.»
Doch wie sieht die Planung eines solchen Raums aus? «Zunächst muss man den Kontext berücksichtigen. Das Kloster und der Kreuzgang sind Kulturgüter, und das bedeutet, dass man nicht frei eingreifen kann: Jede Entscheidung muss ihren historischen Wert respektieren», sagt Maspoli. Gleichzeitig dürfe man nicht der Versuchung erliegen, einen Garten der Vergangenheit künstlich nachzubilden. «Die Idee ist vielmehr, von der aktuellen Realität des Ortes auszugehen und diese mit einem stimmigen Konzept aufzuwerten.»
Pflanzen der Bibel
Daher fiel die Entscheidung, in der Bibel erwähnte Pflanzenarten einzuführen. Diese ermöglichen es, die botanische mit der spirituellen Komponente zu verbinden. Zudem stammen viele biblische Arten aus subtropischen oder mediterranen Klimazonen und finden daher im Tessin gute Wachstumsbedingungen vor. Der Garten könne damit eine starke Identität erhalten, die sowohl religiös als auch ökologisch verwurzelt sei.
So werden beispielsweise die bereits vorhandene Rosen, das marianische Symbol schlechthin, ihren Platz im Garten behalten. «Es ist nicht sicher, ob alle derzeitigen Pflanzen erhalten bleiben können, da ihr Zustand und ihre Übereinstimmung mit der neuen Gestaltung geprüft werden müssen», so Maspoli. «Doch ihre Präsenz ist nicht nur aus ästhetischen Gründen wichtig, sondern auch wegen ihres starken symbolischen Wertes.»
Die botanischen Arbeiten werden durch architektonische Massnahmen ergänzt, darunter die Fussgängerzugänge und die Aussenausstattung werden erneuert. Ziel ist, den Garten zu einem Ort der Besinnung zu machen. Aber er soll auch Raum für Veranstaltungen bieten, zum Beispiel im Bildungsbereich.
Seit 2021 ist auch der Garten des Klosters Fahr unweit von Zürich ein «Laudato si’»-Garten, der öffentlich zugänglich ist. (Adaption: Regula Pfeifer)
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