Frauendachverbände sagen Ja zur Rentenreform 2020  | © Francesca Trento
Schweiz
Frauendachverbände sagen Ja zur Rentenreform 2020 | © Francesca Trento

Rentenreform ist für Frauendachverbände «unbedingt» nötig

Bern, 30.6.17 (kath.ch) Am 24. September stimmt die Schweiz über die Altersvorsorge 2020 ab. An der Medienkonferenz vom Donnerstag traten die vier grössten Frauendachverbände entschieden für ein Ja ein. Vor allem Frauen würden profitieren, waren sie sich einig.

Francesca Trento

Die Rentenreform enthalte viele Fortschritte, gleichzeitig aber auch Elemente, mit denen die Frauendachverbände nicht einverstanden sind. Die Erhöhung des Frauenrentenalters auf 65 verankere die nachweisbare Lohndiskriminierung. Trotzdem stellt sich die Alliance F hinter die Rentenreform.

Markante Verbesserungen für Frauen

Ein Ja würde vier markante Verbesserungen für die Frauen mit sich bringen, wie Nationalrätin Barbara Schmid-Federer darlegte. Erstens käme die Senkung des Koordinationsabzuges den Frauen mit tiefem Lohn sehr zugute. Das heisst, dass teilzeitarbeitende Frauen ihre Deckungslücken in der Pensionskasse schliessen könnten.

Zweitens gäbe es eine Rentenverbesserung in der AHV. Für Frauen mit niedrigen Löhnen würde das heute viel zu tiefe Renteneinkommen aus der ersten Säule steigen. Dies würde vor allem diejenigen 500’000 Frauen entlasten, die in der Schweiz keine Pensionskasse haben.

Flexibles Rentenalter bietet Chancen

Drittens sieht die Reform eine Flexibilisierung des Rentenalters von 62 bis 70 Jahren vor. Dies sei für Frauen, die infolge Betreuungsaufgaben die Erwerbstätigkeit stark eingeschränkt oder gar unterbrochen haben, eine Gelegenheit, fehlende Beitragsjahre auszugleichen. So könnten sie ihre Rente verbessern, führte Schmid-Federer aus.

Zwar ist das Frauenrentenalter laut Simone Curau-Aepli, Präsidentin des Schweizerischen Katholischen Frauenbundes (SKF) längst flexibilisiert. Jede Frau könne heute schon selbst entscheiden, wann sie in Rente gehe. «Aber», so Curau-Aepli, «auf unsere eigenen Kosten.» Denn vor allem Frauen sind oft durch Kinder- und Familienbetreuung, Teilzeitarbeit oder auch Pflege anderer Menschen, von der BVG abgeschnitten.

Und viertens könnte mit einem Ja neu eine Teilrente vorbezogen werden. Gleichzeitig sei es möglich, weiter rentenwirksame Beiträge einzubezahlen. All diese Neuerungen kämen vor allem Frauen zugute, so Schmid-Federer weiter.

Ein Nein zeuge von einer «verantwortungslosen Politik»

Doch für die Nationalrätin Schmid-Federer decken die vier Punkte noch nicht alle Gründe für ein Ja ab, wie sie gegenüber kath.ch klarstellte. «Für mich persönlich ist klar, dass es ohne eine Veränderung wie diese irgendwann einen Kollaps geben wird. Dann wird es immer teurer, und vor allem Frauen mit tiefem Lohn werden darunter leiden.» Ein Nein würde für sie eine «verantwortungslose Politik» darstellen.

Zuversicht ausstrahlen

So pessimistisch sieht es Curau-Aepli nicht. «Ich glaube nicht an einen Kollaps, kommt die Reform nicht durch», so Curau-Aepli gegenüber kath.ch. «Ich glaube jedoch an eine Erhöhung des Rentenalters auf 67, käme diese Reform nicht durch.» Sie wolle jetzt vor allem Zuversicht ausstrahlen, für die, die sich eher Sorgen über die Zukunft machten. «Es wird immer wieder Lösungen geben, daran glaube ich.»

Fairer Kompromiss

Diese Reform ist nicht nur für den Bundesrat und das Parlament ein «ausgewogener und fairer Kompromiss». Auch die Frauendachverbände sehen dies so. «Diesen Kompromiss und die dringende finanzielle Sanierung heute nicht anzugehen, wäre aus unserer Sicht nicht im Sinne der Frauen», so Maya Graf, Nationalrätin und Co-Präsidentin der Alliance F, an der Medienkonferenz. Der einzige Nachteil eines Jas wäre die Erhöhung des Rentenalters der Frauen auf 65. Und das, obwohl die Lohngleichheit in der Schweiz zwischen Mann und Frau immer noch nicht gegeben sei, betonte Graf. (cm)

Die Argumente des Bundesrates und des Parlamentes für die Vorlage der Altersvorsorge 2020.

Mediencommuniqué der Alliance F

Nationalrätin Barbara Schmid-Federer  | © Francesca Trento
Nationalrätin Barbara Schmid-Federer | © Francesca Trento
Simone Curau-Aepli | © Francesca Trento
Simone Curau-Aepli | © Francesca Trento

An der Medienkonferenz waren folgende Frauendachverbände und deren jeweiligen Vertreterinnen dabei:

alliance F: Co-Präsidentin Maya Graf und Vorstandsmitglied Barbara Schmid-Federer

Schweizerischer Bäuerinnen- und Landfrauenverband; Präsidentin Christine Bühler

Schweizerischer Katholischer Frauenbund; Präsidentin Simone Curau-Aepli

Evangelische Frauen Schweiz; Präsidentin Dorothea Forster

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