Religion anders

Ein Emoji sagt mehr als tausend Worte

Sie sind überall, fast alle brauchen sie täglich: Emojis. Sie verleihen Nachrichten Gefühl und lockern sie auf. Religiöse Piktogramme werden aber selten verwendet, erklärt Sprachwissenschaftlerin Christina Margrit Siever. Weshalb das so ist und welche religiösen Emojis überhaupt existieren, erfahren Sie hier.

Alice Küng

😊😂😉 Längst sind sie Teil der digitalen Alltagskommunikation geworden. In fast jeder zweiten WhatsApp-Nachricht taucht eines der über 3’000 Emojis auf.

Piktogramme sind nicht nur lustig und niedlich. Sie helfen, eine Nachricht genauer einzuordnen und besser zu verstehen. «In der geschriebenen Sprache fehlen Mimik und Gestik», sagt Christina Margrit Siever, Sprachwissenschaftlerin an der Universität Zürich. Diese Funktion können Emojis übernehmen.

Das Smiley mit dem blauen Heiligenschein symbolisiert Engel, Gebete und Segen, heisst es auf Emojipedia.

Durch Piktogramme könnten auch Gefühle vermittelt werden. «Die Kommunikation lockert sich auf und die Mitteilung wird visuell attraktiver», sagt Siever. So werde der Text weniger ernsthaft.

WhatsApp ist nicht der Ort für Religion

«Emoticons» machen den Grossteil der Emoijs aus. «Neun von zehn Piktogramme zeigen einen Smiley», sagt Siever. Icons von Gegenständen und Symbolen seien selten.

Das Emoji des Weihnachtsmanns orientiert sich mit seinem Schnauz, dem Bart und der roten Mütze an der Symbolfigur, die Coca-Cola 1931 als Werbekampagne nutzte.

Ebenfalls rar seien Icons aus dem religiösen Bereich. «Religiöse Themen verlieren in der Gesellschaft generell an Relevanz», meint Siever. Es könne aber auch sein, dass WhatsApp nicht der richtige Kanal für religiöse Angelegenheiten ist.

Missverständnisse sind nicht ausgeschlossen

Wie bei jedem Piktogramm ist die Bedeutung der religiösen Icons kontextabhängig. «Es gibt eindeutigere und weniger eindeutige Piktogramme», sagt Siever. Bei einem Kreuz oder Davidstern ist die Bedeutungszuschreibung relativ limitiert. Anders zum Beispiel das Symbol der zusammengelegten Hände. «Dieses Emoji stellt sowohl ‹beten› als auch ‹High-Five› dar», sagt Siever. Je nach Betriebssystem sehe das Emoji ausserdem anders aus.

Ursprünglich kommt das Emoji der zusammengelegten Hände gemäss Emojipedia aus der japanischen Kultur und stehe für Bitte oder Danke.

Hinzu kommt, dass sich die Icons in einem ständigen Wandel befinden. «Früher wurde das Emoji der zusammengelegten Hände zum Beispiel mit einer Person gezeigt», sagt Siever. Es könne also durchaus zu Missverständnissen kommen.

Jeder kann kreativ werden

«Emojis sind kulturell geprägt und nicht global verständlich», schliesst Siever. Dies kollidiert mit der Absicht des amerikanischen Vereins Unicode-Konsortium. In dessen Händen liegt die Kontrolle der Emojis. Der Verein beabsichtigt möglichst universell gültige Symbole zu kreieren.

Dieses Emoji zeigt eine weiss gekleidete Frau mit einem Schleier, welches oftmals als Brautkleid gedeutet wird.

Neue Icons schafft Unicode ständig und ist dabei offen für Ideen. «Jeder kann einen Vorschlag für ein Piktogramm auf unserer Webseite einreichen», sagt Rick McGowan, technischer Vizepräsident von Unicode.

Kriterien wie Kompatibilität oder erwarteter Nutzungsgrad entschieden über die Umsetzung. «Anstössige und umstrittene Piktogramme lehnen wir ab», sagt McGowan. Sobald ein Zeichen in Unicode kodiert ist, könne es aber nicht wieder gelöscht werden.

Meine zehn Lieblingsemojis im Bereich Religion

😇

Das Smiley mit dem blauen Heiligenschein symbolisiert Engel, Gebete und Segen, heisst es auf Emojipedia. Das Emoji könne auch engelhaftes Verhalten vermitteln wie beispielsweise eine gute Tat.

In der Kunst kennzeichnet der Nimbus heilige, herrschaftliche oder göttliche Figuren. Er ist ein Zeichen des Göttlichen, der Macht und Erhabenheit. Auch Jesus Christus wird oftmals mit einem Heiligenschein dargestellt.

Der Heiligenschein eignet sich aber auch wunderbar für Ironie: «Nein, das würde ich doch niemals machen. Ich doch nicht!» 😇

🤲

Die zwei offenen Handflächen können viele Bedeutungen haben. Die Geste ähnelt der hohlen Hand, womit um Geld gebettelt wird. In einem muslimischen Kontext kann das Emoji gemäss Emojipedia aber Beten symbolisieren.

📿

Das Emoji der Perlenkette symbolisiert gemäss Emojipedia eine Gebetskette. Diese wird in vielen verschiedenen Religionstraditionen verwendet. Eindeutig ist das Piktogramm keiner religiösen Tradition zugeordnet. Beim christlichen Rosenkranz macht ein Kreuz den Abschluss.

Die islamische Misbaha hat immer 33 Perlen. Somit erleichtert sie den Gläubigen die 99 Namen Allahs zu sprechen. In den hinduistischen Traditionen und im Buddhismus heisst die Gebetskette Mala. Die 108 Perlen helfen Gläubigen die Mantras zu rezitieren.

🧕

Dieses Emoji zeigt eine Frau mit einem Kopftuch. Oftmals wird gemäss Emojipedia damit ein Hijab dargestellt. In muslimischen Kulturen ist das Tragen einer Kopfbedeckung bei Frauen verbreitet. Je nach Falttechnik sind Haaransatz, Hals, Mund und Augen zu sehen oder nicht.

Auch bei Ordensfrauen sind Schleier als Kopfbedeckungen und Teil der Tracht verbreitet.

👰

Eine weiss gekleidete Frau mit Schleier zeigt dieses Emoji. Im jüdisch-christlichen Kulturkreis interpretieren wir diese Ausstattung als Hochzeitskleid. Im Christentum wird der Brautschleier seit dem vierten Jahrhundert verwendet. Damals war er zum Teil auch rot.

Der Schleier soll die Unschuld und Jungfräulichkeit einer Frau verkörpern, mit der sie in der Kirche zum Altar tritt. Noch heute ist der Brautschleier in der Hochzeitszeremonie verbreitet. Auch geweihte Jungfrauen und gewisse Ordensschwestern tragen Schleier als Zeichen der «Ehe mit Christus».

🎅

Der Weihnachtsmann hat einen Schnauz, einen Bart und eine rote Mütze. Somit orientiert sich das Emoji an der Symbolfigur, die Coca-Cola 1931 als Werbekampagne nutzte.

Anders als der Weihnachtsmann geht der Sankt Nikolaus auf eine historische Figur zurück: Der Bischof aus Myra. Noch heute gehört eine Mitra zum Nikolauskostüm. Das ist eine traditionelle liturgische Kopfbedeckung der Bischöfe.

🎄

Der Weihnachtsbaum ist mit farbigen Christbaumkugeln ausgestattet. Nicht fehlen darf die Christbaumspitze. Schon in vorchristlicher Zeit schmückten die Menschen ihr Haus zur Wintersonnenwende mit immergrünen Zweigen von Tanne, Mistel und Wacholder.

Der Christbaum, so wie wir ihn heute kennen, entstand in der Reformationszeit. Private Weihnachtsbäume gibt es aber erst seit Ende des 19. Jahrhunderts. Lange wehrte sich die katholische Kirche gegen diesen heidnischen Brauch. Erst 1982 wurde der erste Weihnachtsbaum auf dem Petersplatz in Rom aufgestellt.

🕋

Dieses Emoji zeigt die Kaaba in Mekka. Das würfelförmige Gebäude ist 13 Meter hoch und steht im Zentrum der Al-Haram-Moschee in Saudi-Arabien. Es ist die wichtigste Wallfahrtstätte im Islam.

Mindestens einmal im Leben sollte jeder Muslim das Gebäude siebenmal umrundet haben. Die Kaaba gibt auch die geografische Richtung an, in die sich die Gläubigen zum Gebet wenden.

🕎

Das Icon des neunarmigen Leuchters mit den brennenden Kerzen ist eine Chanukkia. Sie findet Verwendung während des achttägigen jüdischen Lichterfests Chanukka. Die Chanukkia ist nicht zu verwechseln mit dem siebenarmigen Leuchter, der Menora. Sie wird häufig als Symbol für das Judentum eingesetzt.

🧿

Der blaue Kreis mit dem schwarzen Punkt in der Mitte, der mit Weiss und Hellblau umringt ist, stellt gemäss Emojipedia Nazar dar. Das augenförmige Amulett ist vor allem in der Türkei und arabischen Kulturen verbreitet und soll vor dem bösen Blick schützen.

Welches ist Ihr Lieblingsemoji im Bereich Religion? Teilen Sie Ihre Favoriten auf Facebook!


Religiöse Emojis | © Unicode
9. Januar 2021 | 05:00
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Emojipedia

Emojipedia ist ein englischsprachiges Online-Nachschlagewerk für Emojis. Der Australier Jeremy Burge hat die Seite 2013 gegründet und betreut sie seither. Auf Emojipedia sind alle Emojis im Unicode mit Namen, Bedeutung und Bildern der Implementierungen verschiedener Betriebssysteme und Programme aufgelistet. (ak)